E-Autos an öffentlichen Stationen zu laden, bleibt auch im Jahr 2026 kompliziert, denn häufig sind die Kosten fürs Laden an den Säulen reichlich intransparent. Mit ein paar Tricks lässt sich aber viel Geld sparen. Die wichtigsten Tarif-Neuerungen in der Übersicht.
Das Jahr 2026 könnte das Jahr werden, in dem die Elektromobilität durchstartet. Die Preise sinken, die Bundesregierung bietet neue Förderungen, und Kleinwagen wie der VW ID.Polo oder der Renault Twingo kommen auf den Markt. Selbst kompakte Stromer können am Schnelllader in einer halben Stunde aufgeladen werden, weshalb mit ihnen auch längere Reisen möglich sind. Bleibt nur der ungeliebte Tarifdschungel an der Ladesäule. Der wird sich 2026 vermutlich nur geringfügig lichten. Diese Tipps verschaffen Durchblick.
Wie teuer ist Strom für E-Autos?
Wer ausschließlich zu Hause lädt, spart bares Geld. Laut aktuellem Energiekostenvergleich des Bundeswirtschaftsministeriums kostet der „Heimstrom“ eines Elektro-Kleinwagens etwa halb so viel wie das Benzin (E10) eines vergleichbaren Verbrenners. An öffentlichen Ladestationen wird’s deutlich teurer. Der Energieanbieter Lichtblick hat in einer Marktanalyse vom Juli 2025 berechnet, dass Schnellladen oft sogar mehr kostet als eine vergleichbare Benzinfüllung.
Was kostet das Schnellladen konkret?
Die Unterschiede sind enorm, je nach Anbieter und Tarif. Wer spontan mit Giro- oder Kreditkarte zahlt, sollte sich auf eine böse Überraschung gefasst machen. Marktführer EnBW verlangt 87 Cent pro Kilowattstunde für solches „Ad-hoc-Laden“, bei Aral Pulse sind es 79 Cent, bei Ionity 75 Cent. Deutlich günstiger wird es, sobald man die App des jeweiligen Anbieters nutzt oder ein Abo abschließt. Bei EnBW kostet das Schnellladen per App 56 Cent. Wer bereit ist, eine gestaffelte monatliche Grundgebühr zu entrichten, zahlt 46 beziehungsweise 39 Cent pro Kilowattstunde.
Wieso ist Schnellladen so teuer?
Die Anbieter verweisen auf hohe Investitionen und finanzielle Risiken: Neue Ladeparks, an denen viele E-Autos gleichzeitig laden können, seien anfangs wenig ausgelastet und somit unrenta-bel. Meist schweigen die Unternehmen zu konkreten Zahlen. In einem Interview mit dem Youtuber „Carmaniac“ nannte Alexander Junge, Vorstandsmitglied von Aral pulse, kürzlich eine Investitionssumme von mehreren Millionen Euro pro Ladepark. Verbraucherschützer üben jedoch Kritik an solchen Kalkulationen. Der ADAC spricht von „überhöhten Gebühren, intranspa-renten Preisen und einer benutzerunfreundlichen Bezahlweise.“
Wird 2026 alles besser?
Tatsächlich gibt es zarte Anzeichen für eine Trendwende. Nachdem der Ladestrom jahrelang teurer geworden ist, hat Marktführer EnBW im Dezember 2025 seine Preise um drei Cent je Kilowattstunde gesenkt. Im „Ladetarif L“ reduzierte sich zudem die monatliche Grundgebühr von 17,99 Euro auf 11,99 Euro. „Das ist ein echter Lichtblick“, sagt Stefan Moeller, Chef der E-Auto-Vermietung „Nextmove“. Als weiteres positives Zeichen sieht er die staatliche Melde-pflicht: Ab April müssen Betreiber ihre Ladestrompreise in einem standardisierten Dateiformat melden. „Der Preisvergleich wird den Wettbewerb beflügeln, genau wie bei Benzin und Diesel“, hofft Moeller. „Vielleicht zeigt demnächst sogar Google Maps die Preise an.“
Worin unterscheiden sich die gängigen Ladestrom-Anbieter?
Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist die Höhe der Blockiergebühren, die anfallen, wenn Ladesäulen zu lange belegt sind. EnBW verlangt nach vier Stunden einen Zuschlag von zehn Cent pro Minute (gedeckelt auf maximal zwölf Euro). Tesla erhebt zu Stoßzeiten eine „Überlastungsgebühr“ von 50 Cent pro Minute. Sie fällt an, sobald der Akku zu 80 Prozent gefüllt ist. Eine entsprechende Warnung erscheint vorab auf dem Auto- und Handybildschirm. Aral pulse, Shell Recharge und EWE Go verlangen an eigenen Ladestationen keine Blockiergebühren. Wenn man mit der jeweiligen App oder Ladekarte bei anderen Anbietern lädt, können diese aber sehr wohl anfallen – bei Aral pulse sogar schon nach 45 Minuten.
Wie finde ich den besten Tarif zum Bezahlen mit Girocard oder Kreditkarte?
Der Elektroauto-Enthusiast Gerd Bremer hat für diesen Zweck eine passende Google-Maps-Karte erstellt. Sie zeigt Schnellladepunkte bis maximal 50 Cent pro Kilowattstunde, an denen man ohne Registrierung per Karte zahlen kann. Die dazugehörige App heißt „Ad-hoc Map“. Auffällig ist, dass viele Supermärkte günstigen Strom anbieten. Die größte Abdeckung bietet Aldi Süd (47 Cent pro Kilowattstunde). Lidl ist nicht aufgeführt, vermutlich, weil die Stationen über keine Bankkarten-Lesegeräte verfügen. Über Umwege ist aber auch dort eine Direktzahlung möglich, indem man einen QR-Code scannt und Kreditkartendaten im Handy eingibt. Schnellladen kostet bei Lidl 44 Cent pro Kilowattstunde.
Wann lohnt sich ein Abo?
Je mehr man fährt, desto eher lohnt sich ein Abo. EnBW rechnet auf seiner Website vor, dass sich ab einer monatlichen Fahrleistung von 430 Kilometern der höchste Tarif „L“ mit einer Grundgebühr von 11,99 Euro lohne. Dann kostet der Strom 39 Cent statt 56 Cent pro Kilowattstunde. Wer das Auto über Nacht zu Hause vollmacht, kann sich ein Abo hingegen sparen: Öffentliches Laden kostet in der Regel mehr.
Wie finde ich die Ladestation, die zu meinem Abo passt?
Wer durch ein Abo vergünstigt laden kann, möchte in der Regel nur einen Anbieter nutzen. Viele Unternehmen bieten in ihren Apps eigene Routenplaner an, zum Beispiel Ionity oder EnBW. Bei EnBW gibt es obendrein eine Filterfunktion, die anzeigt, ob eine Toilette oder ein Restaurant in der Nähe ist. Neuere E-Auto-Navis verfügen oft selbst über eine Ladeplanung, manche mit Filterfunktion nach Anbieter.
Wie attraktiv sind Tesla-Supercharger?
Die Tesla-eigenen Ladestationen stehen auch Fremdmarken offen. Sie bilden allerdings einen Sonderfall, weil es keine festen Preise gibt. Stattdessen variieren die Tarife je nach Tageszeit und Belegung. Teslas zahlen weniger als Fremdmarken. Doch auch die können ihren Strompreis senken, indem sie eine monatliche „Supercharging-Mitgliedschaft“ von 9,90 Euro abschließen. Konkrete Preise für die jeweiligen Standorte stehen in der Tesla-App.
Was taugen die Ladetarife, die Autohersteller wie BMW, Mercedes, VW oder Hyundai anbieten?
Der „BMW Charging“-Tarif erscheint fair. Damit lädt man bei Aral pulse, Shell Recharge und MER für 49 Cent pro Kilowattstunde. Wer einen neuen Elektro-BMW kauft, erhält das Angebot ein Jahr kostenlos, alle anderen zahlen 4,99 Euro im Monat. Bei VW ist für Vielfahrer der Tarif „We Charge Plus“ interessant. Gegen eine Monatsgebühr von 11,99 Euro lädt man vergünstigt bei Ionity. In Deutschland kostet die Kilowattstunde dann 39 Cent, in anderen europäischen Ländern teilweise sogar weniger. Die Angebote von Mercedes und Hyundai gleichen einer Wissenschaft für sich: lange Tabellen, was wann wie viel kostet. Da kann man sich das Abo auch sparen.
Macht es preislich einen Unterschied, ob mein Auto mit 75 kW oder 350 kW lädt?
Kleinwagen wie der BYD Dolphin Surf oder der Renault R5 brauchen an der Strom-Tankstelle deutlich länger als ein Porsche Taycan. Trotzdem steht am Ende die gleiche Summe auf der Rechnung, da man nicht die Zeit oder die Ladeleistung, sondern die verbrauchten Kilowattstunden bezahlt. Einzige Ausnahme: Manche Supermärkte verlangen für langsames Laden weniger als für schnelles. Aral pulse gewährt ebenfalls Rabatte bei Ladeleistungen von unter 50 Kilowatt. In der Praxis ist dies aber kaum relevant, da die meisten Aral-Ladesäulen eine deutlich höhere Leistung bieten.
Gibt es genügend Schnellladesäulen in Deutschland?
Laut Bundesnetzagentur gibt es aktuell 45.321 Schnellladepunkte in Deutschland. Fast täglich kommen neue hinzu. Der „Masterplan Ladeinfrastruktur“ der Bundesregierung verspricht, den Ausbau weiter zu forcieren und für Preistransparenz zu sorgen. Paradoxerweise fehlen Schnelllader ausgerechnet an Autobahn-Raststätten, weil der Ausbau wegen eines Rechtsstreits ruht. Trotzdem sind Langstrecken-Reisen kein Problem. Man muss meist nur kurz von der Autobahn abfahren, um nagelneue Ladeparks zu finden – das Navi oder die entsprechende App weisen den Weg.
Und wie sieht es in Europa aus?
Nord- und Westeuropa sind gut aufgestellt, in Ost- und Südeuropa wird’s schwieriger. Doch auch bei einem langen Europa-Roadtrip muss man keine Reichweitenangst haben, sofern man vorab ein wenig plant. Empfehlenswert ist das Ionity-Netzwerk, das Ladestationen entlang aller großen europäischen Autobahnen vorhält. Mit dem Ionity-Abo kann man außerdem bei den Partneranbietern Electra, Atlante und Fastned vergünstigt laden. Im belgischen Gentbrügge hat im vergangenen Jahr erstmals eine Raststätte eröffnet, an der es nur noch Strom statt Benzin gibt: Laden statt tanken wird allmählich zur neuen Normalität.