Der 1. FC Kaiserslautern verliert bei Dynamo Dresden mit 0:1 und kassiert die dritte Niederlage in Folge. Wieder bleibt der FCK ohne eigenes Tor, wieder wirkt die Mannschaft gehemmt. Immerhin zwei Debütanten sorgen für einen kleinen Lichtblick.
Der 1. FC Kaiserslautern taumelt dem Saisonende entgegen. Nach dem 0:3 in Kiel und dem 0:2 gegen Braunschweig verlor die Mannschaft von Torsten Lieberknecht auch bei Dynamo Dresden, diesmal mit 0:1. Es war kein Zusammenbruch, keine Blamage, kein Spiel, in dem der FCK völlig auseinanderfiel. Aber es war die nächste dieser Niederlagen, die deshalb so schwer wiegen, weil sie sich ähnlich anfühlen: viel Mühe, wenig Klarheit, kaum Durchschlagskraft. Wieder blieb Lautern ohne Tor. Wieder fehlte in der Offensive fast alles, was ein Spiel in die eigene Richtung drehen kann.
Lieberknecht hatte seine Mannschaft im vorletzten Auswärtsspiel der Saison auf drei Positionen verändert. Julian Krahl ersetzte Enis Kamga im Tor, Leon Robinson und Kapitän Marlon Ritter kehrten in die Startelf zurück. Defensiv setzte der FCK wieder auf eine Dreier- beziehungsweise Fünferkette mit Luca Sirch, Maxwell Gyamfi und Jacob Rasmussen. Unterstützt von rund 3.000 mitgereisten Fans im Rudolf-Harbig-Stadion begann Lautern sogar mit der ersten brauchbaren Offensivaktion. Nach zehn Minuten fand Paul Joly Mergim Berisha, der den Ball aber nicht sauber genug verarbeiten konnte und nicht zum Abschluss kam. Es blieb eine Szene, die im Rückblick fast sinnbildlich wirkte: ein Ansatz, aber kein Ertrag.
Danach übernahm Dresden zunehmend das Kommando. Die Sachsen, noch im Abstiegskampf gefordert, spielten mutiger, griffiger und zielstrebiger. In der 13. Minute musste Krahl gegen Niklas Hauptmann retten, der nach einem langen Ball frei durch war. Kurz darauf schoss Robert Wagner knapp über die Latte. In der 38. Minute parierte Krahl einen Abschluss von Ben Bobzien mit dem Fuß. Der FCK hatte bis zur Pause deutlich weniger Spielanteile und kaum Abschlüsse. Zur Halbzeit stand aus Lautrer Sicht eine Torschussbilanz von 1:9. Am Ende waren es 5:15.
„Wir haben, speziell in der ersten Halbzeit, zu viele einfache Fehler gemacht, wo wir Dresden ein bisschen eingeladen haben“, sagte Ritter nach der Partie. „Am Ende entscheidet ein Tor, obwohl wir nicht viel zugelassen haben. Und dann fahren wir als Verlierer nach Hause.“ Es war der Versuch, die Niederlage nüchtern zu beschreiben. Nur klang die Bilanz fast milder, als es das Spiel über weite Strecken hergab. Denn Lautern ließ zwar nicht reihenweise Großchancen zu, war mit dem Ball aber zu fahrig, zu fehleranfällig, zu einfallslos. Aus eigenem Besitz entstand zu wenig. Gefahr gab es fast nur dann, wenn der FCK direkt in die Tiefe spielte. Aber auch daraus wurde selten mehr als ein halber Moment.
„Wir müssen uns jetzt wieder aufrichten“
Lieberknecht benannte das Problem deutlich. „Die Leichtigkeit und die Frische im Kopf haben gefehlt, um in der Offensive in Erscheinung zu treten“, sagte der Trainer. Es ist der Satz, der über diesem Lautrer Schlussspurt steht. Dem FCK fehlt nicht nur ein Torjäger oder eine einzelne Idee. Es fehlt diese Selbstverständlichkeit, mit der Angriffe sauber zu Ende gespielt werden. Es fehlt die Überzeugung, dass aus einem Ballgewinn ein Angriff und aus einem Angriff eine Chance werden kann. Nach dem Hertha-Spiel, so formulierte es Lieberknecht später, hätten die beiden Niederlagen danach der Mannschaft vieles genommen, „an Leichtigkeit und an Dingen, die dazugehören, damit eine Mannschaft mit Freude in ein Fußballspiel geht“. Zur Wahrheit gehört allerdings auch die Personallage. Neben Naatan Skyttä fehlten Mika Haas, Kenny Prince Redondo, Daniel Hanslik, Mahir Emreli und der schon länger ausfallende Ivan Prtajin. Mit David Schramm aus der U21 und Ben Jungfleisch aus der U19 standen zwei Nachwuchsspieler im Kader, die später auch ihre Profi-Debüts feiern sollten. Als Ausrede wollte Ritter das nicht gelten lassen. „Wir sind Sportler, spielen auch für uns und wollen immer das Maximale herausholen“, sagte der Kapitän. „Eigentlich haben wir nichts zu verlieren und können befreit aufspielen.“ Gerade dieser Satz zeigte aber auch die Ratlosigkeit. Denn befreit wirkte der FCK in Dresden nur selten.
Nach dem Seitenwechsel wurde die Partie ausgeglichener. Lautern war präsenter, ohne wirklich zwingend zu werden. Joly gab in der 56. Minute einen ordentlichen Distanzschuss ab, mehr aber kam zunächst nicht. In der 66. Minute brachte Lieberknecht Norman Bassette und David Schramm für Ritter und Robinson. Zwei Minuten später fiel das Tor des Tages. Alexander Rossipal kam im Strafraum an den Ball, wollte wohl selbst abschließen, doch sein Versuch landete bei Vincent Vermeij. Der Dynamo-Stürmer stand kurz vor dem Tor und vollstreckte zum 1:0.
Es war kein Treffer, der aus dem Nichts kam, aber einer, der dieses Spiel entschied, weil Lautern danach nicht mehr genug entgegenzusetzen hatte. In der Schlussphase wechselte Lieberknecht dreifach und brachte unter anderem den erst 17 Jahre alten Ben Jungfleisch. Doch auch diese Maßnahme änderte nichts mehr am Ergebnis. Der FCK blieb zum dritten Mal in Folge ohne Sieg, zum dritten Mal in Folge ohne Punkt und erneut ohne eigenes Tor.
Lieberknecht versuchte nach der Partie, die Lage einzuordnen. „Wir haben momentan keine einfache Situation, in die wir uns aber selbst gebracht haben“, sagte er. Zugleich verwies er auf die Verantwortung gegenüber den Fans: „Wir versuchen es unter der Woche zumindest so aufrechtzuhalten, dass die nötige Spannung da ist, weil wir wissen, dass wir eine Verpflichtung haben, wenn so wie heute der Fanblock komplett ausverkauft ist. Diese Verpflichtung spüren wir auch.“ Vielleicht, fügte er an, spüre die Mannschaft diese Verpflichtung sogar so sehr, „dass wir in der Offensive diese Leichtigkeit nicht haben, die Power nicht entwickeln können“.
Ein kleiner Lichtblick waren die Debüts von Schramm und Jungfleisch. Lieberknecht lobte beide ausdrücklich: „Es gab auch das eine oder andere Positive, zum Beispiel, dass wir mit David Schramm und Ben Jungfleisch wieder zwei Jungs gesehen haben, die sich hier bei ihrem Debüt so präsentiert haben, wie wir sie auch in der Trainingswoche gesehen haben. Sie haben es sich verdient. Und nicht nur, weil wir viele Kranke und Verletzte haben.“ In einer Phase, in der die Gegenwart schwerfällt, war das zumindest ein Hinweis auf Zukunft.
Für den Moment aber bleibt der FCK auf der Suche nach einem Abschluss, der die Saison nicht völlig grau auslaufen lässt. „Wir haben noch zwei Spiele, um die Saison noch ein bisschen schöner zu gestalten, als sie aktuell ist“, sagte Ritter.
Lieberknecht formulierte es ähnlich nüchtern: „Es gibt diese Phasen – das zieht sich bei uns über die ganze Saison. Dass das für Unmut sorgt, ist ganz normal, weil der 1. FC Kaiserslautern ein emotionaler Verein ist. Wir müssen uns jetzt wieder aufrichten.“
Am Freitag kommt Arminia Bielefeld zum Heimfinale auf den Lauterer Betzenberg. Es ist eine von zwei letzten Chancen, den Trend noch zu stoppen. Nicht, weil sich dadurch die ganze Saison neu schreiben ließe. Aber weil ein Verein wie der FCK es sich kaum leisten kann, mit dieser Schwere in den Sommer zu gehen.