Geboren in Ost-Berlin, wurde sie nach der Wende, mit 15 Jahren, fürs Kino entdeckt und war seitdem in über 30 Kinofilmen zu sehen. Mit vielen Preisen ausgezeichnet, beeindruckt sie durch ihr großes Talent sowie mit ihrer couragierten Haltung.
Caroline Herfurth kam am 22. Mai 1984 in Ost-Berlin im Bezirk Pankow zur Welt. Ihre Eltern trennten sich, als sie zwei Jahre alt war. Sie wuchs in zwei Familien mit zwei Elternpaaren und insgesamt sieben Stief- und Halbgeschwistern auf. Das war nicht immer einfach, aber unterm Strich hat sie sich nie einsam gefühlt: „Ich habe es als Kind sehr genossen, einen großen Kreis von Menschen um mich zu haben, die sich für mich interessieren und mich lieben“, sagte sie in einem „Zeit“-Interview.
Schon als Kind interessierte sich Herfurth für Musik und Tanz und trat sogar eine Zeit lang in einem Kinderzirkus auf. Noch während ihrer Schulzeit bekam sie eine erste kleine Rolle in dem TV-Film „Ferien jenseits des Mondes“ (1995). Ihre kreative, künstlerische Ader wurde bereits früh gefördert. 2003 machte sie ihr Abitur an der Rudolf-Steiner-Schule. Von 2003 bis 2008 besuchte sie die Ernst-Busch-Schauspielschule, wo sie den Beruf von der Pike auf lernte. Außerdem studierte sie ein paar Semester Soziologie, Politikwissenschaften und Russisch an der Humboldt-Universität.
Schon mit 15 Jahren wurde sie vom Schulhof weg für den Kinofilm „Crazy“ (2000) gecastet. Diese Coming-of-Age-Story nach dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Benjamin Lebert war ein großer Erfolg an der Kinokasse und der Kickstart von Karoline Herfurths Karriere als Schauspielerin.
Einem größeren Publikum wurde sie durch die Rolle der Lena in der Komödie „Mädchen, Mädchen“ (2001) und der Fortsetzung „Mädchen, Mädchen 2 – Loft oder Liebe“ (2004) bekannt. Schon zu dieser Zeit erweiterte die talentierte Schauspielerin kontinuierlich ihr Rollenrepertoire, und so wurde sie auch für das Action-Drama „Große Mädchen weinen nicht“ (2002) und für die Tragikomödie „Eine andere Liga“ (2005) besetzt.
Auch Hollywood klopfte an
Der große Durchbruch gelang ihr mit ihrem Auftritt als stummes Mirabellen-Mädchen in Tom Tykwers Verfilmung von Patrick Süskinds Bestsellerroman „Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders“ (2006). Der „Spiegel“ beschrieb Karoline Herfurth damals als „Deutschlands sagenumwobenste Schauspielerin“. Und fuhr fort: „Nicht wenige behaupten, dass ihr Auftritt bei dem Helden Grenouille ein Trauma auslöst und seine Mordlust auf junge Mädchen beflügelt. Und diese zehn Minuten, in denen Karoline Herfurth auf der Leinwand zu sehen ist, das sind die, an die sich der Zuschauer nach 147 Minuten Großkunst am liebsten erinnern wird.“
Der große Erfolg von „Das Parfum“ beschleunigte auch ihre internationale Karriere. Im Jahr 2008 war sie, an der Seite von Hollywoodstar Kate Winslet, in der Buchverfilmung „Der Vorleser“ zu sehen. Noch im selben Jahr erhielt sie den Grimme-Preis für ihre Rolle in „Eine andere Liga“. Und im Jahr darauf wurde sie für ihre Rolle als Tanzschülerin Lilli Richter in dem von Oscarpreisträgerin Caroline Link inszenierten Drama „Im Winter ein Jahr“ mit dem Bayerischen Filmpreis als beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet. Laut Jury erhielt sie den Preis für ihr „kraftvolles und nuancenreiches Spiel“. Einen weiteren glanzvollen Beweis ihrer Schauspielkunst lieferte sie in dem Road-Movie „Vincent will Meer“ (2010), in dem sie die magersüchtige Marie verkörpert. Herfurth, die als Teenagerin selbst magersüchtig war, gab dieser Rolle einen besonderen, authentischen Touch. Und noch einmal klopfte Hollywood bei ihr an: Der große amerikanische Regisseur Brian De Palma holte sie für seinen Erotik-Thriller „Passion“ (2012), wo sie an der Seite von Rachel McAdams und Noomi Rapace zu sehen war. Aber statt dem internationalen Ruf zu folgen, blieb sie in Deutschland – und freute sich über immer neue Herausforderungen. In den unterschiedlichsten Genres stellte sie in vielschichtigen Rollen ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis. So konnte sie zum Beispiel auch in den beiden „Fack ju Göhte“-Filmen ihr komödiantisches Talent voll und ganz ausleben.
Doch Karoline Herfurth ist nicht nur eine der herausragendsten Schauspielerinnen ihrer Generation, sondern auch Filmemacherin. Mit dem Spielfilm „SMS für Dich“ (2016) feierte sie ihr Regiedebüt, zeichnete für das Drehbuch verantwortlich und übernahm auch die Hauptrolle. Mit von der Partie bei diesem sehr erfolgreichen Liebesfilm war auch die Schauspielerin Nora Tschirner, mit der sie seitdem eng befreundet ist und die auch noch in drei weiteren Regiearbeiten von Karoline Herfurth mitspielte.
Spricht vielen Frauen aus der Seele
Über ihren Co-Star schwärmte sie in der „Gala“: „Ich bin in Nora schockverliebt.“ Auch von einer anderen „SMS für Dich“-Darstellerin war Karoline total begeistert. In einem Interview sagte sie: „Ich habe mich auch besonders über die Zusammenarbeit mit Katja Riemann gefreut. Ich fand es wahnsinnig toll, dass sie da mitgespielt hat. Sie ist ein absolutes Jugendidol von mir. Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass sie in meinem Regiedebüt mit dabei ist. Das war etwas sehr Besonderes.“ 2022 gelang es Karoline Herfurth, mit ihrem Film „Wunderschön“ ein Millionenpublikum ins Kino zu locken. Darauf folgten noch zwei Sequels, bei denen sie ebenfalls jeweils als Regisseurin, Co-Autorin und Hauptdarstellerin fungierte. Diese Filme, die fünf Frauen unterschiedlicher Generationen zeigen, wie sie darum ringen, mit dem allgegenwärtigen Schönheitswahn klarzukommen und dabei ihr Selbstwertgefühl nicht zu verlieren, sprachen vielen Frauen aus der Seele. Bei der Verleihung des Ernst-Lubitsch-Preises 2023 nutzte Karoline Herfurth ihre Dankesrede, in der sie klare Worte fand: „Wenn Frauen nicht mehr ihre Ressourcen an ihr Aussehen verschwenden und den ‚Heidi Klum’schen Glaubenssätzen‘ keinen Glauben mehr schenken würden, dann hätten sie eher Zeit und Kraft für das dringend notwendige Aufbrechen traditioneller Strukturen und für das Umstürzen von traditionellen Rollenbildern. Und sie hätten auch mehr Zeit und Kraft, sich gegen männliche Gewalt zu verbünden und für faktische Gleichberechtigung zu kämpfen. Frauen müssen sichtbar werden. Ihre Realitäten, ihre Perspektiven, ihre historischen Errungenschaften werden nicht gelehrt, nicht erzählt, nicht reproduziert.“ Und weiter: „Ich habe eine Magersucht überlebt und kenne keine einzige Frau, die aus einem gesunden Bauchgefühl heraus isst oder mit liebevollem Blick den eigenen Körper betrachtet.“
Und bei dieser Gelegenheit hielt sie auch mit ihrer Einstellung zum Patriarchat nicht hinter dem Berg: „Zugunsten von allen, nicht nur von Frauen, muss das Patriarchat abgeschafft werden. Vor allem, wenn wir als Gesellschaft wollen, dass alle Menschen selbstbestimmt leben. Außerdem müssen härtere Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen und Kindern ergriffen werden. Die Toleranz und der Täterschutz sind hier viel zu hoch.“ Es wäre gut, wenn man solch couragierte Aussagen auch von vielen anderen Stars in Deutschland hören würde.
So mutig Karoline Herfurth sich diesen Themen in der Öffentlichkeit und in ihren Filmen annimmt, so bedeckt hält sie ihr Privatleben.
Gesellschaftskritische Gedanken
Ein Grund dafür ist, wie sie meint, dass man ihre Rollen besser annehmen kann, wenn sie als Person darin völlig verschwindet. Die private Karoline hat übrigens keine roten Haare, sondern ist „Berliner Straßenköterblond“, wie sie lachend verrät. Dann aber sickerten doch Neuigkeiten über ihr Privatleben durch. 2023 machte Karoline Herfurth nämlich ihre langjährige Beziehung mit dem Produzenten Christopher Doll öffentlich. Die beiden sind verheiratet und haben zwei Kinder. „Wir sind schon lange gemeinsam filmschaffend aktiv und ein wirklich starkes Team. Diese Tür weiter zuzuhalten, hätte sich langsam einfach künstlich angefühlt. Wie ein Elefant im Raum, über den niemand sprechen darf“, erklärte sie in einem Interview. Die Familie lebt in Berlin, wo sie schon mehrfach umgezogen ist, und hat ein Ferienhaus in der Uckermark. Und außerdem noch ein Haus in Schweden, das, wie sie meint, der ideale Rückzugsort ist. In einem Interview verriet sie auch noch, dass ihr Mann ihr jeden Morgen Kaffee ans Bett bringt. Bei Fragen nach ihren zwei Kindern blockt sie aber nach wie vor sehr freundlich ab.
Karoline Herfurth ist eine der bestbezahlten Schauspielerinnen Deutschlands. Ihr ist der Spagat zwischen anspruchsvollen, gesellschaftskritischen Filmen und den Blockbuster-Popcorn-Movies sehr gut gelungen. Natürlich hat auch sie mit dem Druck zwischen Job und Familie zu kämpfen: „Wie jeder Mensch spüre auch ich den Konflikt zwischen Privat- und Berufsleben. Besonders, weil der Workload zu Hause nicht als Arbeit anerkannt wird. Ich finde es verheerend, wenn so getan wird, als wäre die Care-Arbeit keine große Leistung. Deshalb verstehen viele Menschen auch gar nicht, warum sie so überlastet sind und in einen Konflikt mit sich selbst geraten“, sagte sie im Interview mit dem Bio-Magazin „Schrot & Korn“. Dabei erzählte sie auch noch, wie sie persönlich mit Schönheitsidealen umgeht: „Es wird so viel Geld damit verdient, dass Menschen sich unzureichend finden. Inzwischen richte ich meinen Fokus stärker auf andere Dinge. Gestern habe ich eine Folge der TV-Serie ‚The Marvelous Mrs. Maisel‘ gesehen, wo Tänzerinnen ganz normale Oberschenkel haben. Da war ich richtig erleichtert und dachte: Ach ja, guck mal, die hat auch so Oberschenkel wie ich.“