Das Elsass ist bekannt für seine malerischen Fachwerkhäuser, Burgen und Schlösser, verträumten Gassen, atmosphärischen Plätze, kleinen Weinkeller mit ihren hervorragenden Tropfen und seine köstliche herzhafte sowie süße Küche.
Oft reicht es mir, wenn ich einmal an einem Ort war, aber im Elsass entdeckt man immer wieder etwas Neues und Besonderes. Allein diese Fülle an einzigartigen Häusern, kunstvollen Brunnen und Skulpturen, altem Gemäuer, regionalen Leckereien und die Mischung aus Herzlichkeit und Geheimnisvollem – herrlich!
Kein Wunder, dass die hiesigen Orte so vielen Besuchern und Kunstschaffenden Inspiration liefern. Beim Flanieren durch die schmalen Gässchen an den perfekt unperfekten Fachwerkhäuschen entlang – mal krumm und winzig klein, mal mit großem Balkon, üppigem Blumenschmuck und Blechfiguren an der Fassade –, entdeckt man so viele Details, man kann sich kaum sattsehen. In dieser märchenhaften, liebevoll rustikalen und zugleich leichten, ungezwungenen Umgebung kommt man automatisch ins Träumen. Wie sieht es wohl im Inneren aus? Welche interessanten Menschen wohnen hier? Es ist, als sei hier die Zeit stehen geblieben. Gerade im Winter, wenn die Weinreben an den Fassaden kahl sind und man an größeren urigen Anwesen mit Garten vorbeiläuft, der Blick langsam an den moosbedeckten Brunnen und Skulpturen vorbeischweift und auf einem Tisch hängenbleibt, auf dem jemand ein Buch vergessen hat, fühlt man sich zuweilen, als sei man in der Zeit des 100-jährigen Schlafs in „Dornröschen“ gelandet.
Oft lohnt es sich, auch einmal ganz schmalen, scheinbar verlassenen Gassen zu folgen, wenn man nicht nur für die bekanntesten Sehenswürdigkeiten und die geselligen Abende mit Freunden angereist ist. In Ribeauvillé, der Stadt der drei Burgen, habe ich so ein großes Weingut mit riesigen Ritterstatuen entdeckt, das scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht ist und zur Adventszeit mit den unterschiedlichsten selbstgemachten regionalen Köstlichkeiten zum Beisammensein einlud. Ebenso stand ich hier auch schon, nachdem ich einen besonderen Geschenkeladen mit vielen Nischen betreten hatte und mich darin umsah, plötzlich im Atelier eines Künstlers, der gerade etwas zu seinem Gemälde erklärte.
Im Sommerkleid zum Weihnachtsshopping
Gegensätze scheinen sich im Elsass immer wieder magisch anzuziehen: In einer Gasse direkt an einer bunten, belebten Geschäftsstraße etwa findet sich in einem verlassen wirkenden Innenhof versteckt ein traditionelles Teehaus in spukiger Atmosphäre mit geheimnisvollem Brunnen und großen Tierköpfen aus Holz („Au fond de la cour“ in Obernai). Dort, wo im Winter Weihnachtsdekorationen angebracht sind, stehen im Sommer etwa mit Blumen geschmückte Fahrräder oder riesige Sektflaschen. Das Elsass ist einer der wenigen Orte, in denen man bei heißen Temperaturen im Sommerkleid auf Weihnachtsshoppingtour gehen kann. Denn auch zur Sommerzeit haben die typischen Weihnachtsgeschäfte geöffnet (zum Beispiel „La Magie de Noel“ in Colmar). Auch kann man im Elsass das ganze Jahr über frischen Lebkuchen kaufen. Vor allem im Lebkuchendorf Gertwiller beim Fabrikverkauf der Firmen Fortwenger und Lips mit dutzenden Sorten in verschiedenen Geschmackrichtungen und anderen an die Jahreszeiten angepassten Leckereien, aber auch in den vielen Fortwenger-Filialen im gesamten Elsass und bis nach Paris. Um 1900 agierten in Gertwiller übrigens noch bis zu neun selbstständige Lebkuchenhersteller.
Colmar ist die drittgrößte Stadt im Elsass, man hat hier aber keine Großstadtatmosphäre wie in Straßburg. Von dem größeren Parkplatz Scheurer-Kestner aus kann man nach wenigen Minuten direkt dem offiziellen, rund sechs Kilometer langen Rundweg folgen (markiert durch kleine goldene Dreiecke auf dem Boden) und befindet sich dann toujours in der historischen Altstadt mit malerischen Vierteln und Plätzen wie Klein Venedig/Petite Venise, Quartier de la Poissonnerie, Quartier des Tanneurs, Place des Dominicains und Place de l’Ancienne Douane.
Besonders empfehlenswert: eine Gondelfahrt auf dem Fluss Lauch durch Petite Venise und danach einen Flammkuchen oder andere Spezialitäten in einem der typischen Restaurants in dieser romantischen Atmosphäre genießen, etwa in der „Brasserie des Tanneurs“. Oder wie wäre es mit einer Fahrt mit dem nostalgischen Pferdekarussell? Auch für Museumsfreunde hat Colmar einiges zu bieten. Da wären etwa das Musée Bartholdi, das dem gleichnamigen Bildhauer aus Colmar gewidmet ist – unter anderem nicht nur der Schöpfer des Schwendi- und des Bruat-Brunnens, sondern auch der New Yorker Freiheitsstatue, von der eine kleinere Replik 2004 anlässlich des 100. Todestages des Künstlers in Colmar aufgestellt wurde – oder das Musée Hansi mit Werken des elsässischen Zeichners Jean-Jacques Waltz, schlicht Hansi genannt. Und natürlich auch das Musée Unterlinden, das meistbesuchte Museum im Elsass, in dem etwa der weltbekannte Isenheimer Altar von Matthias Grünewald (Anfang 16. Jahrhundert) steht. Daneben bietet sich auch ein Besuch des Musée du Jouet (Spielzeug vom 19. Jahrhundert bis heute), des Musée des Vins d’Alsace, des Schokoladenmuseums Choco Story Colmar oder des Wachsfigurenkabinetts Wax of Legends an.
Gerade einmal rund 4.500 Einwohner zählt die gesamte Gemeinde Kaysersberg Vignoble, rund eine Viertelstunde von Colmar entfernt. Hier findet sich eine wahre Fülle Elsass-typischer Elemente auf kleiner Fläche. Am Fluss Weiss, der hier teils stürmisch über die kleinen Felsen prescht, erwartet die Besucher ein toller Panoramablick auf die Rue de l’Oberhof mit der kleinen Oberhofkapelle, neben der außergewöhnliche Fachwerkhäuser stehen. Weiter geht es entlang der Weiss über die Brücke, die ebenfalls einen pittoresken Ausblick bietet und gleichermaßen zum Verweilen einlädt. Auch der Blick über den Ort von der Burgruine Chateau de Kaysersberg aus, direkt über der Weiss gelegen, ist traumhaft.
Es lohnt sich, für den Geburtsort des Nobelpreisträgers Albert Schweitzer etwas Zeit einzuplanen – sei es, um die Aussicht zu genießen, um Geschäfte hiesiger Künstler zu entdecken oder einfach nur, um durch die idyllischen Gassen zu schlendern, in denen man altes Gemäuer und viele besonders originell dekorierte Häuser – etwa die Poterie de Kaysersberg (Töpferei mit Geschäft) – entdeckt.
Wissembourg (Weißenburg) liegt direkt an der deutsch-französischen Grenze zur Südpfalz und ist vom Saarland aus recht schnell erreichbar. Auch ist nicht so viel Betrieb wie in der Region um Straßburg und Colmar herum. Ein kleines Städtchen, in dem es vieles zu entdecken gibt.
Wer die schmalste Gasse des Ortes – die Schlupfgass – findet und hindurchgeht, wird mit einem tollen Blick auf die Kirche belohnt – auf die Petite Venise von Wissembourg.
Vom Chocolatier zum Seifenladen
Tipps: Immer dem Wasser folgen. Der Fluss Lauter schlängelt sich an tollen Fassaden und gemütlichen Plätzen, grünen Uferwegen und den imposanten Stadtmauern vorbei. Etwas aus der Konditorei von Daniel Rebert probieren, einem der besten Chocolatiers in Frankreich, in der sich ebenfalls hochwertige Backwaren und Quiches finden. Zwar wurde sie gerade vor ein paar Monaten von einer Unternehmerfamilie übernommen, da Rebert in Rente ging. Diese hat aber alle Mitarbeiter übernommen und wird weiterhin nach Reberts Rezepten arbeiten. Im Seifenladen „O Bon Savon“ kann man sich von den unzähligen pudrigen Düften verzaubern lassen und ein Souvenir oder Präsent für liebe Menschen mit nach Hause nehmen.
Das Elsass ist für alle, die gerne besondere, facettenreiche Orte voller traditionellem, liebevollem und auch geheimnisvollem Charme erkunden, die gern genießen und im Moment verweilen möchten. Für mich bedeutet Elsass vor allem: Kunst, Kultur, Individualität, Geschichte, Gemütlichkeit, Herzlichkeit, Lebensfreude, Entschleunigung.