Die „Neunkircher Nächte – Female Edition“ präsentieren vom 9. Oktober bis zum 8. November Künstlerinnen unterschiedlicher Genres, darunter die Singer-Songwriterin Lara Hulo, die sich dem deutschen Indiepop widmet.
Es ist ihre zweite größere Tournee durch deutsche Clubs und Konzerthallen. Indiepop-Musikerin Lara Hulo hat dafür den Namen „Heartfix“-Tour ausgesucht. „Es heißt so, weil mir meine Musik hilft, mein Herz zu reparieren“, formuliert sie ihre Idee dazu in einem Videointerview im August. Das erste der Konzerte wird sie mit ihrer Band beim Mini-Festival in Neunkirchen spielen, bei dem außerdem die Indiepop-Künstlerin Liska und das Duo Lina Bó zu hören sein werden. Anschließend geht es für Hulo weiter durch deutsche und österreichische Städte.
In ihren Jugendjahren spielte sie oft als Straßenmusikerin und schrieb erste eigene Songs. „Das hab ich schon immer gemacht, ich schreibe Lieder, seit ich Teenagerin bin. Es war immer mein Traum, Musik zu machen, Kunst zu machen“, berichtet sie. Die Tochter einer spanischen Ärztin und eines deutschen Lehrers war in ihrer Heimatstadt Schleswig früh umgeben von Musik. Sie studierte zunächst Lehramt für die Fächer Musik und Biologie, hatte aber die Bühne als Ziel vor Augen. Bereits ihren Vater zog es zum Künstlerischen, allerdings als Hobby. „Er hat auf Englisch Musik gemacht oder auf Plattdeutsch oder was gecovert, so Sachen von Neil Young und so was, das war immer sein Ding“, erinnert sich Hulo.
Zu den Künstlerinnen, die sie selbst in jungen Jahren als inspirierend erlebte, zählte Singer-Songwriter-Ikone Janis Joplin mit ihrem rauen, kratzigen Gesang. Nach und nach ging es neben dem Covern von Liedern für Hulo auch öfter ans Songwriting: „Angefangen hab ich, auf Englisch zu schreiben, und dann hab ich irgendwann, relativ spät, erst mit 20, angefangen, auf Deutsch zu schreiben.“ In den ersten Liedern ging es meist um Gefühle und Beziehungen. Ein mit ihrem Vater befreundeter Produzent nahm die Songs auf. Nach dieser und noch anderen frühen Kooperationen fand die Musikerin vor zwei Jahren schließlich ein Management, mit dem sie bis heute zusammenarbeitet. Inzwischen kooperiert sie mit verschiedenen Produzentinnen und Produzenten, ab und zu außerdem mit anderen Songwritern. „Jetzt habe ich das Gefühl, ich gehe meinen Weg, mit meiner Kunst und meinen Texten“, sagt sie darüber. „Das ist mir wichtig.“ Mit Videos auf Social Media zog Hulo in den vergangenen Jahren eine Menge Aufmerksamkeit auf ihre Musik. Die Mischung aus rauem, manchmal rotzigem Gesang, eingängigen Melodien, Themen jenseits des Mainstreams und einem Spektrum an Gegensätzlichkeiten zwischen Ballade und Krawall, Fragilität und Nachdenklichkeit fand ihr Publikum.
Vielfalt ist ein zentrales Thema
Nach einigen Jahren in Hamburg verlegte die Künstlerin ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin. So wie Menschen, Themen oder Gefühlen widmete sie der Stadt einen Song: „Berliner Luft“. Geht es in ihren Liedern um Beziehungen, sind das nicht selten Beziehungen zwischen Frauen, ein Thema, das Hulo selbst beschäftigt.
In anderen Songs wiederum geht es um Konflikte zwischen Menschen oder in der Welt, seelische Krisen und Belastungen. Über Gleichberechtigung und Frauenrechte hat sie den Song „Frau“ geschrieben. Im entsprechenden Musikvideo rufen junge Frauen mit natürlich nur symbolisch geschwungenen Baseballschlägern und Äxten zum Empowerment und zum Überwinden von Diskriminierung auf. Vielfalt ist ein zentrales Thema für die junge Künstlerin, das sie in verschiedener Form in ihren Liedern verarbeitet und wovon sie gern noch mehr auf den Bühnen sehen würde. Jenseits von Social Media hat sie 2024 in Kooperation mit der Musikfirma Warner einige Songs auf der EP „Für Lara“ veröffentlicht.
Irgendwann soll es ein komplettes Album geben, aber mehr als ins Studio zieht es die Sängerin derzeit auf die Bühne. Den Sommer über war sie mit ihrer Band bei einer ganzen Reihe unterschiedlicher Musikfestivals, schwärmt rückblickend besonders von den Auftritten beim Open Flair und bei Sound of the Forest. Ebenfalls Eindruck hinterlassen hat das Konzert bei Deichbrand, das mit etwa 60.000 Besuchern zu den bisher größten Festivals ihrer Bühnenkarriere zählt. Sobald sich die Festivalsaison dann dem Ende zuneigt, geht es mit „Heartfix“ weiter in die Clubs und Hallen. Hulo liebt die Bühne, die unmittelbare Nähe und Kommunikation mit den Zuhörern, von denen sie auch gern mal einige aus der ersten Reihe Textzeilen ins Mikro singen lässt. „Live ist so mein Ding, ich liebe es, live zu spielen“, schwärmt sie. Davon, dass mittlerweile manche Fans ihre Lieder mitsingen können, ist sie begeistert.
Die Besetzung ihrer Band ist zwischenzeitlich gewachsen. Los ging’s zunächst als Duo mit einem Keyboarder, manchmal einer Keyboarderin. Ebenfalls immer mit dabei: die Gitarre, an der Hulo manche ihrer Songs selbst begleitet. Durch neue Kontakte in Berlin sind zwei Musikerinnen dazugekommen, die das Duo zum Quartett erweitern. „Ich hab eine Band jetzt, Bassistin, Schlagzeugerin und Keyboarder“, so die Sängerin. „Ich hab angefangen mit meinem Keyboarder Henrik, mit dem ich auch viel zusammen schreibe und viel kreativ mache. Das ist so mein Partner in Crime. Letztes Jahr haben wir Duo-Shows gespielt, und dieses Jahr sind wir zu viert auf der Bühne.“
Nicht zufällig sind beide neuen Bandmitglieder Frauen. Die Vielfalt, die Hulo in ihren Liedern auf verschiedenste Art zum Thema macht, möchte sie selbst auf die Bühne bringen.