Herrliche Pisten und eine Bergkulisse zum Niederknien machen die Seiser Alm in Südtirol zum Hotspot für Genießer. Beim „Swing on Snow“, das Mitte März sein 20-jähriges Bestehen feiert, gibt es zudem gratis Musik auf die Ohren – im Schloss, in Skihütten und sogar am Pistenrand.
Als „schönstes architektonisches Kunstwerk der Welt“ hat der weltbekannte Architekt Le Corbusier die Dolomiten einmal bezeichnet. Das war lange bevor sie 2009 zum Unesco-Weltnaturerbe ausgezeichnet wurden. Und lange, lange nachdem sich das einstige Korallenriff des Langkofels aus dem Meer erhob hatte. Wie die Pfeiler einer gotischen Kathedrale ragen heute die schroffen Felslinien empor – echte „Rockstars“. Ebenfalls in der ersten Liga erhabener Südtirol-Wahrzeichen spielen der Schlern mit seinem charakteristischen Sporn sowie der abgeflachte Plattkofel. Sie alle rahmen die Seiser Alm ein, mit 56 Quadratkilometern Europas größte Hochalm. Rund ums Jahr bildet sie auf 1.680 bis 2.350 Metern Höhe den Schauplatz für Bergurlaube aller Art und im Spätwinter für das einmalige Festival „Swing on Snow“, Kurzform SoS. Doch von wegen Hilfe! Das Festival, das 2026 ins 20. Jahr geht (konkret findet die Veranstaltung an den beiden Wochenenden 12. bis 14. und 19. bis 21. März statt), erfreut sich größter Beliebtheit. Hartwig Mumelter, den alle nur „Harti“ nennen und der das Event 2006 als Kurator aus der Taufe hob, kennt neben der Traumkulisse noch einen weiteren Erfolgsgrund. „Wir sind das Gegenmodell zum gängigen Après-Ski sowie zu den Mega-Ski-Konzerten in Ischgl und Schladming mit ihren mehr als 10.000 Zuschauern.“
„Intime Konzerte auf höchstem Niveau“
Stimmt, beim SoS sind weniger glamouröse, aber dennoch hochprofessionelle Bands am Start – anspruchsvoll, kostenlos und in drei Schichten. Vormittags lassen die Ensembles am Lift oder mitten auf der Piste ihre Banjos, Kontrabasse und Saxofone erklingen, zur Freude vorbeicarvender Skifahrer. Spätestens um 12 Uhr schnallen die Musiker ihre Instrumente auf den Rücken und brettern zum nächsten Gig in einer Skihütte, auf deren Terrasse oder bei der Bergstation der Seiser-Alm-Bahn. Abends wird dann in Hotels von Kastelruth, Seis und Tiers am Rosengarten aufgespielt.
„Die Konzerte sind persönlich und intim – und dennoch auf höchstem Niveau“, resümiert Mumelter. „Die auftretenden Musikerinnen und Musiker sind nämlich keineswegs unbekannt. Viele zählen zu den spannendsten Entdeckungen in Volksmusik, Brass, Soul, Pop und Klassik.“ Dazu gesellen sich hochkarätige Bands, die sonst nur auf großen Bühnen zu erleben sind, etwa Tiger Dixie, die Band Storta und die Jazz Banditen. Das Publikum dürfe 2026 eine Art „Best of“ aus zwei Jahrzehnten Festivalgeschichte erwarten, versprechen die Veranstalter.
In puncto Berggenuss gehört auch die Seiser Alm zur Crème de la Crème, ist sie doch im Sommer ein Wander-, im Winter ein Skiparadies. Erst 2023 kürte sie das Testteam von Skiresort zum Gewinner der Kategorie „Weltweit führendes Skigebiet bis 80 km“. Wem die 60 leichten bis mittelschweren Pistenkilometer nicht reichen, gondelt einfach ins benachbarte Gröden mit seinen schwereren Abfahrten oder steigt gleich in die berühmte Sellaronda ein. Zum Thema Genuss passen auch 80 Kilometer Sonnenloipen, 60 Kilometer gespurte Winterwanderwege und 50 Kilometer markierte Schneeschuhwege. Dazu kommen die vielen Einkehrmöglichkeiten. Mumelter meint: „Es gibt auf dem Hochplateau unheimlich suggestive Orte. Als Feinschmecker zieht es mich mit Vorliebe zur ,Rauchhütte‘, die im Übrigen nicht auf der Piste liegt. Doch die Küche und vor allem die Weinkarte suchen ihresgleichen.“ Überhaupt ist es „die Vielfalt der Südtiroler Küche und der Weinwelt, was mich im Lande hält, und natürlich die dazugehörenden Genussmenschen, die nördlich des Brenners sehr schwer zu finden sind.“
Hauptstadt Bozen hat einiges zu bieten
Geballt trifft man diesen Schlag Menschen in der Völser Rösterei „Caffè Caroma“. Dort röstet, mahlt, mischt und verpackt Valentin Hofer edle Bohnen aus den besten Herkunftsländern. Wobei Italiens erster Kaffee-Sommelier selbst zu den Besten seiner Zunft gehört. Daher steigt nicht nur die Nachfrage nach seinen hochqualitativen Kaffeespezialitäten, die erst jüngst im Gambero-Rosso-Kaffeeguide 2026 zweimal mit der Höchstauszeichnung geadelt wurden, sondern auch die nach seinen Kursen und der Ausstellung namens Coffeeseum. Weitere Wachmacher sind überdurchschnittlich viele sagenhafte Plätze und Kultstätten in der Region, darunter die Ruinen Hauenstein und Salegg sowie das Naturparkhaus Schlern-Rosengarten in Seis und die modern gestaltete Franziskuskirche in Compatsch. Mumelter rät: „Wer im Seiser-Alm-Gebiet nächtigt, sollte unbedingt auch mal Abstecher nach Brixen und insbesondere Bozen unternehmen – alles in unmittelbarer Nähe und voller Überraschungen.“
Insbesondere das nur rund 20 Kilometer entfernte Bozen entpuppt sich als attraktive Stadt- und Kulturergänzung. Am Zusammenfluss von Etsch, Eisack und Talfer ließen sich schon die Römer nieder, im Mittelalter stieg Bozen gar zu einer der reichsten Handelsstädte des Alpenraums auf. Reich ist Südtirols Hauptstadt auch heute noch an Kultur und Atmosphäre, mischen sich doch drei Kulturen (das Deutsche, Italienische und Ladinische), Studenten mit Alteingesessenen, südliches Ambiente mit Tiroler Lebensart. Das quirlige Herz des alten Bozen schlägt dabei in der Laubengasse, die von alten Bürgerhäusern umrahmt wird und ein einmaliges Flair ausstrahlt. „Unter den Lauben lässt es sich prächtig flanieren, einkaufen oder bei einem Cappuccino das Treiben beobachten“, weiß Mumelter. Und überlegen, was in der 100.000-Einwohner-Stadt noch zu besichtigen lohnt. Das 2008 eröffnete Museion, das als herausragendes Beispiel zeitgenössischer Architektur gilt? Das Südtiroler Archäologiemuseum, das die mehr als 5.000 Jahre alte Gletschermumie Ötzi beherbergt? Den berühmten Obstmarkt am westlichen Ende der Lauben? Aber warum „oder“?