Als Sängerin, Musicaldarstellerin und Emmy-prämierter TV-Star begeistert sie mit Talent, Charme und beeindruckender Bühnenpräsenz.
Eine Stimme über vier Oktaven – glücklich, wer ein solches Geschenk in die Wiege gelegt bekommen hat. Die Britin Hannah Waddingham hat sich damit einen Namen als Musicaldarstellerin gemacht. Als Film- und TV-Schauspielerin hat sie ihre Karriere jedoch erst mit Ende 20 gestartet. Auch wenn ihr einst gesagt wurde, dass weder ihr Aussehen noch ihre Größe von 1,80 Metern gefragt seien. Waddingham beweist das Gegenteil. Eine Rolle in „Game of Thrones“, ein Emmy für die Comedyserie „Ted Lasso“, und der Erfolg hält an.
Was haben der ESC vor drei Jahren, der Londoner Stadtteil Wandsworth, in dem Tennislegende Boris Becker im Gefängnis saß, „Game of Thrones“ und ein irischer Sahne-Whiskey-Likör gemeinsam? Hannah Waddingham. Sie ist in Wandsworth geboren und aufgewachsen. 2023 hat sie den Eurovision Song Contest in Liverpool mitmoderiert. Eigentlich hätte sie dort auch auf der Bühne stehen können, singen kann die 51-Jährige ja – was neben ihrer Berühmtheit auch ein Grund war, warum der Spirituosenhersteller Baileys sie im ESC-Jahr zum Gesicht seines Weihnachtswerbespots gemacht hat, in dem sie als Dirigentin des Chors „Gold Vocal Collective“ auftritt und zudem noch einen Schoko-Cocktail präsentiert.
1974 hat sie in einer musikalischen Familie das Licht der Welt erblickt. Ihre Mutter Melody war Opernsängerin (Sopran) an der English National Opera in London und entstammte selbst einer Familie von Opernsängern. Über ihren Vater Harry ist weniger bekannt. Aber auch er war Sänger. Hannah Waddingham kennt Opernhäuser seit ihrer Kindheit, hat viel auf Theaterbühnen gestanden, nicht nur in London, sondern auch am New Yorker Broadway, wo sie bereits brillierte. Dreimal wurde sie für einen Olivier Award nominiert.
Rolle bei „Game of Thrones“
Gar nicht so früh – später jedenfalls als viele andere Schauspieler und Schauspielerinnen – stieg sie 2002, also mit 28 Jahren, in Film- und TV-Produktionen ein. Da hatte sie musikalisch schon einiges erreicht. Ihr Song „Our Kind of Love“ war zwei Jahre zuvor in den britischen Singlecharts gelandet, wenn auch „nur“ auf Platz 41.
Mit über 30 Jahren ergatterte sie eine Gastrolle in „Agatha Christie’s Marple“, zudem Auftritte in Filmen wie „New York für Anfänger“ und „Les Misérables“. 2015 ging es für die Britin dann hoch hinaus: Sie spielte die Rolle der gemeinen Nonne Septa Unella in der Erfolgs-Serie „Game of Thrones“. Allerdings hat die auch zu einem Trauma geführt. Zehn Stunden dauerte der Dreh ihrer Folterung, bei der sie festgeschnallt war und ihr Gesicht mit Wein übergossen wurde.
Einen Emmy wiederum erhielt Hannah Waddingham dann für ihre Rolle in der Comedyserie „Ted Lasso“ als „Beste Nebendarstellerin“. Das ist noch gar nicht so lange her. Die Serie lief von 2020 bis 2023 beim Streaming-Anbieter Apple TV+.
Auf der Bühne, vor der Kamera, vor dem Mikrofon – Hannah Waddingham lebt alle drei Berufe. Letzteren auch wieder vor einem Millionenpublikum, als sie 2024 beim Formel-1-Grand-Prix von Silverstone die Hymne sang. Das Filmbusiness aber wurde ihr nicht in die Wiege gelegt. Zwar hatte sie mit 16 begonnen, als Plus-Size-Model zu arbeiten – ein toller Job, wie sie gesteht, denn die Wartezeiten bei Shootings können mit Milchshakes & Co. überbrückt werden. Für Fashion waren ihre Rundungen und vor allem auch ihre Größe von 1,80 Meter kein Thema, im Gegenteil. Für Film und Fernsehen allerdings schon. Denn viele männliche Stars sind kleiner oder höchstens genauso groß, was einfach nicht in ein konservatives Leinwandbild passt.
Hannah ist wieder vergeben
Dann war da noch diese eine Schauspiellehrerin, die weder ihr Talent erkannte noch ihren Willen, in eben diesem Metier eines Tages Fuß zu fassen (Waddingham finanzierte ihre Schauspielausbildung mit ihren Model-Gagen). In einem Interview verriet Hannah Waddingham, dass die Lehrerin ihr gesagt habe, sie sähe aus, als hätte sie einen Schlaganfall erlitten, und sei so null TV-tauglich. Damals habe dies ungemein an ihrem Selbstbewusstsein genagt. Heute steht sie drüber, meint allerdings, dass jene Lehrerin für sie eine Persona non grata sei – unsicher und einfach eine „blöde Kuh“, der sie nichts Gutes wünsche.
Ihr Privatleben hält die Schauspielerin und Sängerin weitestgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Was man jedoch weiß: Sie hält sich körperlich fit, liebt Pilates und lebt immer noch in Wandsworth, wenn auch der genaue Wohnort nicht bekannt ist.
Fast zehn Jahre lang war sie mit dem italienischen Geschäftsmann Gianluca Cugnetto liiert. 2015 kam die gemeinsame Tochter Kitty auf die Welt. Allerdings trennte sich das Paar 2022. Inzwischen hat die Schauspielerin ihr Herz neu vergeben: Seit März ist sie mit US-Schauspieler Billy Magnussen liiert. Öffentlich macht sie daraus kein großes Thema.