Vom historischen Ortskern startet die Wanderung auf dem Mittelalterpfad in die abwechslungsreiche Landschaft der Edelsteinregion rund um Herrstein im Hunsrück. Sanfte An- und Abstiege, verträumte Pfade und Bachtäler sowie spektakuläre Aussichten über den Hunsrück begeistern jeden Wanderer.
Herrstein entwickelte sich im 13. Jahrhundert aus einer Siedlung um die Burg Herestyn. Die Burg gehörte den Grafen von Sponheim oder Spanheim. Die legendenhafte Deutung des Namens wies sie als christliche Ritter aus, die einen Span des Kreuzes Christi ihr Eigen nennen durften. Zu Lebzeiten Hildegards von Bingen (1098–1179) entwickelte sich die Grafschaft als wichtiges Herrschaftsterritorium und bestand bis zur Französischen Revolution.
Der Einstieg des Mittelalterpfads beginnt am hölzernen Eingangsportal gegenüber vom Parkplatz in der Bachstraße. Entlang der alten Stadtmauer gelangen wir in den historischen Ortskern von Herrstein. Die reichverzierten Fachwerkhäuser aus dem 15. bis 18. Jahrhundert zeugen von der Baukunst aus der Zeit der Spätgotik, Renaissance und des Barock. Ein Ensemble aus 60 Bürgerhäusern unterhalb von Schloss und Kirche gruppiert sich um den Rathausplatz. Ein Treppenaufgang bringt uns zur Schlosskirche und zum Schinderhannesturm, vorbei am „Heresteyn“, der Herrstein seinen Namen gab.
Von dort sind es nur wenige Schritte zum Buchenwald. Ein schattiger Waldweg steigt sanft nach oben. Den Wald verlassen wir weiter bergan wandernd. Das wellige Hügelland des Hunsrücks mit Feldern, Wiesen und Wald wird sichtbar. Mal wandern wir über harten, erdigen Untergrund, mal sind wir auf weichem Wiesenweg unterwegs. Die erste Sinnenbank steht am Waldrand in der Nähe der ehemaligen Römerstraße.
Wunderbare Wiesen- und Feldlandschaft
Anschließend wandern wir auf hohem Niveau, vorbei an einer malerischen Kulisse mit fantastischen Ausblicken über den Fleckenteppich einer wunderbaren Wiesen- und Feldlandschaft. Später bringt uns die Wegführung über einen Wiesenweg zum Waldrand. Eine kurze Waldpassage, und nachdem wir die K29 überquert haben, befinden wir uns an der Holzbrücke, die über den Hosenbach führt. An der nächsten Weggabelung informiert eine Tafel darüber, dass im nahen Dorf Niederhosenbach wahrscheinlich die berühmte Hildegard von Bingen geboren wurde.
Wir sind unterwegs zum Naturdenkmal Rabenkanzel, einem grauen Felsblock aus Taunusquarzit. Unterhalb der Felsformation ist ein Rastplatz eingerichtet.
Auf einem schmalen Pfad windet sich der Weg entlang des Naturdenkmals. Für eine Weile sind wir im Wald des Hosenbergs unterwegs. Nachdem die Walddurchquerung hinter uns liegt, überqueren wir ein zweites Mal den Hosenbach und wandern entlang des Waldrands mit Sichtkontakt zum kleinen Dörfchen Breitenthal. Rechter Hand liegt der Idarkopf zum Greifen nah.
Die Schönheit des Hunsrücks
Bald überqueren wir nochmals die K 29. Über einen Wiesenweg, vorbei an Feldern leicht bergan wandern wir Richtung Waldrand. Oben angekommen, erreichen wir auf einer Anhöhe mit Ausblick über die verschiedenen Feldformationen die mächtige Jammereiche. Eine Tafel erklärt die Namensgebung.
Ein kurze Waldpassage und wir befinden uns zum wiederholten Mal auf weichem Wiesenweg mit Traumblicken ins Hunsrückland. Ein kleiner Hügel inmitten der unterschiedlich parzellierten Feld- und Wiesenlandschaft ist das nächste Ziel.
Unser Blick schweift von der Freisener Höhe mit ihren Windrädern zum Erbeskopf, der Wildenburg und dem Idarkopf.Ein faszinierender Rundumblick, der die landschaftliche Schönheit des Hunsrücks widerspiegelt: Ortschaften und Höhenzüge einer Mittelgebirgslandschaft, landwirtschaftlich geprägt, durchzogen mit unzähligen Feld- und Wiesenwegen, die von irgendwo herkommen und irgendwo auch wieder verschwinden. Wie kleine Lebensadern durchziehen sie dieses schöne Land.
Vom kleinen Hügel zum kleinen Turm. Auf dem Weg zurück nach Herrstein gelangen wir zum hölzernen Herrsteiner Aussichtsturm. Dort gibt es auch einen Rastplatz und eine Schutzhütte. Danach schlängelt sich ein schmaler Waldpfad in unzähligen Kurven und Windungen wieder nach unten. Den Ausgangspunkt dieser außergewöhnlichen Wanderung haben wir bald erreicht.