Seit rund neun Monaten ist Daniel Hager Aufsichtsratsvorsitzender des 1. FC Saarbrücken. Im FORUM-Interview spricht er über die neue Struktur des Vereins, Finanzen, Stadionpläne und das Ziel Top 30.
Herr Hager, normalerweise zieht man nach 100 Tagen eine erste Bilanz. Jetzt sind es rund neun Monate. Wie fällt Ihre aus?
(lacht). Ja, nach neun Monaten ist es ja quasi schon ein Baby. Wir hatten uns damals vorgenommen, die neue Satzung umzusetzen und den Verein entsprechend neu aufzustellen. Kurzfristig bedeutete das vor allem, die Führung neu zu organisieren und Vorstände zu finden. Gleichzeitig mussten wir überlegen, wo der Verein mittel- und langfristig stehen soll. Ich finde, wir haben unter nicht einfachen Bedingungen einiges erreicht: Wir haben einen Vorstand Sport und einen Vorstand Marketing gefunden und in einer schwierigen sportlichen Lage das Ruder herumgerissen.
Die Entlassung von Jürgen Luginger und die Verpflichtung von Sportvorstand und neuem Trainer an einem Tag hat viele überrascht. Das war auch für Sie persönlich ein Risiko.
Ursprünglich wollten wir uns bis April Zeit nehmen. Aber der Druck wurde größer, weil die Siege ausblieben. Deshalb mussten wir den Prozess beschleunigen. Für uns war klar: Der Sport hat Priorität. Das alte Präsidium blieb kommissarisch im Amt, weil der Aufsichtsrat nicht das operative Geschäft führen soll. Gleichzeitig wussten wir, dass wir sportlich handeln müssen – und nicht ohne einen Sportvorstand.
Heute wirkt der Verein deutlich ruhiger. Hat Sie das überrascht?
Natürlich helfen Ergebnisse. Ein großer Vorteil war auch, dass wir den Klassenerhalt vergleichsweise früh geschafft haben. Dadurch konnten wir früher planen: Welche Spieler wollen wir behalten, welche holen, welches System wollen wir spielen? Wir haben Teammanagement und Kaderplanung verstärkt. Zum Trainingsstart war die Mannschaft praktisch komplett. Das hilft enorm. Die Mischung stimmt im Moment.
Bleibt das Ziel trotzdem Stabilisierung?
Ja. Wir haben in den bisherigen Spielen auch gesehen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Die Mannschaft ist jung. Es gibt sehr vielversprechende Spiele und Aktionen, die uns hoffen lassen. Aber unser Ziel bleibt, die Mannschaft und die Infrastruktur rund um das Team weiter zu stabilisieren. Wir müssen einen Schritt nach dem anderen gehen.
Der Business- und Logenbereich ist fast ausgelastet. Stehen Themen wie Stadionerweiterung in Eigenregie oder eine Ausgliederung derzeit auf der Agenda?
Der Anspruch und die Vision des 1. FC Saarbrücken muss es sein, langfristig zu den Top-30-Clubs in Deutschland zu gehören. Der Sprung von der Dritten in die Zweite Liga ist wirtschaftlich erheblich. Dafür braucht man Ressourcen, nicht nur für die Mannschaft, sondern für das gesamte Umfeld. Das Stadion mit Business-Seats und Logen ist dabei eine wichtige Komponente. Wenn man nachhaltig in der 2. Liga bestehen will, reden wir vielleicht über 50 Millionen Euro Umsatz. Wir beschäftigen uns mit dem Stadion, aber es gibt derzeit nichts Konkretes. Das gehört eher in die mittelfristige Planung.
Der Finanzvorstand fehlt noch. Wie ist da der Stand?
Als wir angetreten sind, mussten wir Prioritäten setzen. Sport und Marketing waren zunächst die Hauptthemen. Den Finanzvorstand haben wir zurückgestellt, weil wir mit dem kommissarisch amtierenden Präsidium und den bestehenden Strukturen handlungsfähig waren. Ohne Spieler reden wir beim FCS vielleicht von rund 20 Mitarbeitern. Von der Organisation her ist das ein relativ kleiner Verein.
Braucht der FCS künftig trotzdem einen Finanzvorstand?
Ja. Tobias Abel deckt das Ressort aktuell mit ab, und mit Alexander Jochum und seinen Mitarbeitern sind wir für die derzeitige Größe gut aufgestellt. Aber mit dem Anspruch Top 30 brauchen wir perspektivisch jemanden, der Finanzen und idealerweise auch Recht abdeckt. Gerade bei Themen wie Stadion und Finanzierung braucht man Fachkompetenz. Wichtig ist aber: Der Verein ist schon jetzt jederzeit handlungsfähig.
Wie ist die finanzielle Lage des FCS in einem Wort?
Stabil.
Was heißt stabil?
Wir investieren erheblich in Infrastruktur, Kaderplanung und Spielerbetreuung. Gleichzeitig konnten wir mehr Sponsoren gewinnen. Das Interesse am FCS ist ungebrochen. Es ist ein Spagat: Wir wollen wachsen, müssen aber wirtschaftlich vernünftig bleiben. Das Geld soll sinnvoll in Mannschaft und Strukturen investiert werden. Große Gewinne sind nicht das Ziel, Verluste genauso wenig.
Sie waren schon von 2010 bis 2014 im Aufsichtsrat und haben den FCS auch als Sponsor unterstützt. Dann kam es zum Bruch, anschließend haben Sie sich lange zurückgezogen. Über Jahre hieß es: Solange Ostermann da ist, kommt Hager nicht – und umgekehrt. Warum funktioniert es jetzt?
Wir sind wahrscheinlich alle etwas älter und weiser geworden – und haben ein paar Haare verloren (lacht). Im Moment ist es eine gute Konstellation. Wir haben mehrere Unternehmer oder unternehmerisch denkende Personen, mit Niklas Quint aber auch stark die Fanperspektive vertreten. Oliver Strauch als mein Stellvertreter im Aufsichtsrat bringt noch einmal einen anderen Blick ein. Ich glaube, wir haben unsere Egos gut unter Kontrolle und arbeiten im Interesse des Vereins.
Wie kam es zur Annäherung?
Entscheidend war, miteinander zu sprechen und nicht übereinander. Rüdiger Ziehl war damals aus meiner Sicht sicherlich ein sehr positives Element. Auch Reinhard Klimmt hat vermittelt. In den Gesprächen haben wir schnell gemerkt, dass uns viel mehr verbindet als trennt.
Nach der Wahl war vom „reichsten Drittligisten aller Zeiten“ die Rede. Was sagen Sie dazu?
Man muss sauber trennen. Es gibt den 1. FC Saarbrücken e. V. und es gibt Unternehmen, an denen einzelne Aufsichtsratsmitglieder beteiligt sind. Die Hager Group beispielsweise gehört mir nicht allein. Außerdem zeigt der Fußball: Geld schießt nicht zwangsläufig Tore. Natürlich braucht man ein gewisses Budget, aber entscheidend sind Strukturen. Es bringt nichts, einen Club mit Geld zu überschütten. Die Dosierung muss stimmen. Und Unternehmen engagieren sich nicht aus reiner Liebhaberei, sondern erwarten auch eine Gegenleistung.
Wo fehlen dem FCS noch Einnahmemöglichkeiten?
Wir brauchen weiter Ressourcen. Tobias Abel hat bei der Vermarktung bereits sehr gute Arbeit geleistet. Natürlich gibt es noch Möglichkeiten wie zusätzliche Sponsoren, Bandenwerbung oder andere Marketingmaßnahmen. Aber irgendwann stößt das an Grenzen. Genau deshalb sind Themen wie Stadion, zusätzliche Business-Seats oder neue Finanzierungsmöglichkeiten wichtig. Ohne die entsprechende finanzielle Grundlage kann man nicht nachhaltig zu den Top 30 gehören.
Tut der Erfolg der SV Elversberg dem FCS weh?
Nein. Wir müssen uns auf uns selbst konzentrieren. Ich muss niemandem erklären, welche Strahlkraft der 1. FC Saarbrücken durch seine Geschichte und seine Fans besitzt. Aus meiner Sicht vertritt kein Verein das Saarland so stark wie der FCS. Gleichzeitig habe ich großen Respekt vor dem, was Frank Holzer und später Dominik Holzer in Elversberg aufgebaut haben. Das ist sensationell und gut für das Saarland. Aber wir müssen unseren eigenen Weg gehen.
Sie sind beruflich viel unterwegs. Wie verfolgen Sie die FCS-Spiele, wenn Sie nicht vor Ort sein können?
Ziemlich genau so, wie man es sich vorstellt. Den „kicker“-Ticker habe ich immer präsent. Wenn es irgendwie passt, schaue ich über Magenta auch live. Natürlich muss man das mit geschäftlichen Terminen und Familie austarieren.
Wie viel Zeit investieren Sie in den Verein?
Man zählt nicht, wenn man liebt. Die Anfangsphase war sehr intensiv. Ich habe Bewerbungsgespräche teilweise aus Asien geführt. Mein Wohnort München war manchmal hilfreich, weil wir dort Kandidaten treffen konnten. Vieles lässt sich heute auch virtuell erledigen. Ich bin mindestens einmal im Monat in Saarbrücken, treffe mich dann mit den Vorständen zum Mittagessen, Abendessen oder auf einen Kaffee und bin auch regelmäßig auf dem Trainingsgelände. Darüber hinaus stehen wir natürlich telefonisch und virtuell ständig im Austausch.
Wo soll der FCS am Ende Ihrer Amtszeit stehen?
Die drei Jahre werden schneller vorbeigehen, als man denkt. Wenn unser langfristiges Ziel lautet, nachhaltig zu den Top 30 in Deutschland zu gehören, sollten wir am Ende dieser Amtszeit zumindest die Fundamente dafür gelegt haben. Und wenn das Fundament steht, möchte man natürlich irgendwann anfangen, das Haus zu bauen.
Können Sie sich vorstellen, 2029 in dieser Konstellation erneut anzutreten?
Das ist noch weit weg. Aber ich halte den Teamgedanken für wichtig. Ich finde es schwierig, Einzelpersonen zu wählen und danach Menschen zusammenzuwürfeln, deren Kompetenzen nicht aufeinander abgestimmt sind. Aus Unternehmen kenne ich es so, dass man schaut: Wer bringt welche Fähigkeiten mit, wo ergänzen wir uns? Deshalb kann ich mir durchaus vorstellen, in dieser oder einer ähnlichen Konstellation weiterzumachen. Ob das dann wirklich so kommt, wie sie am Ende genau aussieht, und wer weitermachen möchte, wird man sehen.