In ihrer Paraderolle der Mutter Beimer („Lindenstraße“) wurde sie von 1985 bis 2020 zu einer der beliebtesten Fernsehdarstellerinnen. Auch sonst war die frühere Theaterschauspielerin in TV und Kino zu sehen. Die 85-Jährige engagiert sich heute vor allem für Kinder.
Ich habe zwar in all meinen Rollen 43 Kinder gehabt, aber ich konnte sie nur geistig und sozusagen künstlerisch erziehen“, blickte Marie-Luise Marjan kürzlich in einem „Bild“-Interview auf ihre Kinderlosigkeit zurück. 35 Jahre lang hatte sie in der TV-Serie „Lindenstraße“ die Rolle der Helga Beimer gespielt und dabei alle Freuden und Leiden einer Mutter vor der Kamera dargestellt. Eine eigene Mutterschaft hat sich für Marjan nicht ergeben, da sie beruflich in jungen Jahren sehr eingespannt war und einfach „keine Zeit“ für eine große Familie gehabt habe.
In gut 30 Mutterrollen auf der Bühne oder vor der Kamera hatte sie rund 30 Ehemänner, aber eine eigene Ehe ging sie nicht ein. Fast vier Jahrzehnte lebte sie mit dem Beleuchter Bodo Bressler in einer Art Fernbeziehung zusammen und pendelte zwischen ihren Drehorten und der Wohnung ihres Partners. Seit Bressler 2021 an einem Herzinfarkt verstarb, lebt Marjan allein in Bad Godesberg, weil sie die Rheinnähe liebt und dort „wenige, aber gute Freunde“ hat, mit denen und deren Kindern sie viel Zeit verbringt. „Da ich seit meinem 16. Lebensjahr selbstständig bin, kann ich gut alleine sein. Ich verlasse mich gerne auf mich selbst und mache mich ungern abhängig von Menschen“, verriet sie dem Magazin „Schwulissimo“.
Auf Tuchfühlung mit dem Publikum
Einen Monat nach dem Tod ihres Lebensgefährten erlebte sie einen zweiten Schicksalsschlag mit dem Tod ihres Halbbruders Günther Grimm, von dessen Existenz die bei Adoptiveltern aufgewachsene Marjan erst 2007 erfahren hatte. Bei ihren Recherchen für eine TV-Familiendokumentation lernte sie erstmals die väterliche Seite ihrer Vorfahren kennen und will diese Kontakte jetzt mit einem jährlichen Familientreffen weiter pflegen. Über ihre diesbezüglichen Erfahrungen hat sie 2015 ihre zweite Autobiografie „Ganz unerwartet anders – Ich suchte meinen Vater und fand eine Großfamilie“ verfasst.
Zu ihrem 85. Geburtstag im Vorjahr hatte Marjan 85 Freunde und Bekannte zum Feiern eingeladen, ein etwas größeres Fest, weil sie ihren Geburtstag ja nur alle fünf Jahre feiere. Von der etwas größeren Feier ließ sie sich auch nicht dadurch abhalten, dass sie seit 2024 wegen eines Oberschenkelhalsbruchs auf eine Gehhilfe angewiesen ist. Sie macht daraus ohnehin kein Geheimnis und verriet, dass sie nach einer gewissen Eingewöhnungszeit dem Rollator „ein neues Image“ verleihen wolle. „Er wiegt nur fünf Kilo und lässt sich kinderleicht zusammenklappen, sodass ich ihn ins Auto packen kann“, schwärmt sie von der luxuriösen Ausführung ihres Rollators: „Er gibt mir ein ganz neues Lebensgefühl.“ Denn auch wenn Marjan sich von der Schauspielerei weitgehend zurückgezogen hat, führt sie ein ausgefülltes Leben und „möchte sich nicht zu Hause verstecken“.
Sie bleibt auf Tuchfühlung mit dem Publikum, das sie auf Leseveranstaltungen mit ironisch-satirischen Kurzkrimis, „Gedichten und Geschichten über die Liebe“ sowie isländischen und weihnachtlichen Themen bestens unterhält. „Ich arbeite, bis ich umfalle! Am besten vor der Kamera, wenn ich sage: Ich liebe dich – und dann falle ich um. Das wäre doch schön.“ Vielleicht werde sie aber zu ihrem 90. Geburtstag noch mit einem neuen Programm auf der Bühne stehen: „Schauspieler ist kein Beruf, sondern eine Berufung. Mir wird immer etwas einfallen, vielleicht sogar noch eine Musik-CD.“
Förderte fünf Patenkinder
Durch ihre erfolgreiche lange Theaterkarriere und die vielen Fernsehengagements ist Marjan finanziell längst sorgenfrei, weil sie verantwortungsvoll mit dem Geld umgehe. „Ich hatte nie Schulden, habe nie über meine Verhältnisse gelebt“, bekannte sie bei „Spot on news“. Sie brauche keine „Tasche für 2.000 Euro, wenn die billige denselben Inhalt trägt“.
Wenn Marjan auf ihre lange Karriere zurückblickt, erkennt sie deutliche Unterschiede zwischen heutiger und früherer Schauspielerei. Junge Darsteller glaubten schon, es genüge für den Erfolg, schön, attraktiv und sexy zu sein und es auf ein Titelblatt zu schaffen: „Dabei werden sie oft nur medial benutzt.“
Viel Kraft zieht Marjan auch aus ihrem sozialen Engagement. Schon seit 1990 engagiert sie sich für Unicef und im Kinderhilfswerk „Plan International“, in dessen deutschem Ableger „Plan International Deutschland“ sie als Kuratorin tätig ist. Sie möchte auf diese Weise etwas von dem Glück zurückgeben, das sie selbst erfahren hat. Mit Plan und ihrer eigenen, unter dem Dach von Plan arbeitenden Stiftung unterstützt sie weltweit Projekte zugunsten bedürftiger Kinder, insbesondere benachteiligter Mädchen. Sie selbst förderte fünf Patenkinder in Sri Lanka, Indien, Vietnam, Paraguay und Haiti. Darüber hinaus ist die Trägerin des Großen Bundesverdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik. Sie ist auch Mitglied im Kölner Bürgerkomitee „Alternative Ehrenbürgerschaft“ und seit 2026 Märchenbotschafterin der Stadt Hanau und der dortigen Brüder-Grimm-Festspiele.