Fußball ist politisch. Christian Baron setzt der zunehmenden Einflussnahme der Politik auf den Fußball mit „1. FC Kaiserslautern – Eine Liebeserklärung“ ein ungewöhnliches Fußballbuch entgegen. Der Pfälzer, bekannt durch den Bestseller „Ein Mann seiner Klasse“, betrachtet Gesellschaft und soziale Herkunft durch die Vereinsbrille des 1. FC Kaiserslautern.
Er geht dahin, wo es wehtut: zum FCK und sich selbst. Er erinnert an das dramatische 3:1 gegen den FC Barcelona 1991, das trotz des Sieges das Europapokal-Aus bedeutete, ebenso an Steuerhinterziehung, Vetternwirtschaft und den Stadionverkauf. Zugleich verbindet er die Vereinsgeschichte mit der eigenen: den Abstieg 2006 mit dem Tod der Mutter, die Fehltritte des FCK mit den Verletzungen durch den alkoholkranken, gewalttätigen Vater. Dass er dem Verein die Eigentore vergibt, dem Vater aber die Fehler nicht verzeihen kann, ist eine berührende Selbsterkenntnis.
Doch Baron erzählt auch von den schönen Seiten: von Begegnungen hinter den Kulissen, etwa mit seinem Idol Andi Brehme, und von den Mitarbeitern und Ehrenamtlichen, die das soziale Gewissen des Vereins bilden. Besonders eindringlich sind seine Fußballerinnerungen, wenn er sie verbindet mit der eigenen Kindheit in Armut, Gewalt und Einsamkeit. Menschen wie seine Jugendtrainerin Petra halfen ihm, Selbstvertrauen zu entwickeln und auszubrechen.
Der FCK wird für Baron zur Projektionsfläche für soziale Herkunft, Klasse und Bildungsungleichheit. Er erkennt Parallelen zwischen sich und dem Verein: Beide waren Underdogs. Legendäre Spiele, vom 5:0 gegen Real Madrid bis zu den dramatischen „allerneunzigsten Minuten“ auf dem Betzenberg, schildert er mit der Inbrunst eines Sportreporters, was diesen Passagen Tempo und Authentizität verleiht.
Dass Baron den FCK weniger als Fußballverein denn als Verein versteht, in dem Fußball gespielt wird, macht sein Buch besonders. Seine gesellschaftspolitische Perspektive mag manchen Fans zu weit gehen. Doch damit bleibt er sich als Autor und als Fan treu.