„Die Abwanderung nach Brandenburg hält an“, heißt es im Bericht des Amts für Statistik. Aber insgesamt gibt es mehr Menschen, die nach Berlin ziehen, als Menschen, die die Stadt verlassen.
Amt für Statistik Berlin-Brandenburg – das mag für viele Menschen nach organisierter Langeweile klingen. Dabei ist das, was die Frauen und Männer in den Amtsstuben tun, ziemlich spannend und voller Überraschungen – denn manchmal kommen von dort auch Sätze, bei denen man erst mal denkt: Wie bitte?! „Die größten Wanderungsgewinne erzielt Berlin gegenüber Indien“ ist so ein aktueller Satz. Was es damit auf sich hat, erklären die Statistiker so: Aus keinem anderen Land zogen 2025 mehr Menschen nach Berlin als aus Indien – und zwar genau 11.273. Gleichzeitig war Indien der vierthäufigste Zielstaat für Wegzüge (3.069), entsprechend erzielte Berlin gegenüber Indien den Wanderungsgewinn von 8.204 Personen.
Viel Zuwachs aus Indien und Ukraine
Nicht nur wegen der Inder: Die Zahl der Berlinerinnen und Berliner wächst – allerdings langsamer als bisher. Das geht aus den aktuellen Daten des Statistik-Amts hervor. Demnach sind im vergangenen Jahr 177.473 Menschen nach Berlin gezogen. 157.775 haben die Stadt verlassen. Der daraus resultierende Wanderungsgewinn von 19.698 Personen ist um 7.409 Personen (27 Prozent) geringer als im Vorjahr. Gewinne gehen vor allem auf Zuzüge aus dem Ausland zurück, Abwanderung ging vorrangig nach Brandenburg.
Sowohl aus dem Ausland als auch aus dem restlichen Bundesgebiet zog es insgesamt 57.081 Deutsche und 120.392 Ausländer in die Stadt. Dagegen verließen 77.766 Deutsche und 80.009 Ausländer Berlin. Insgesamt entspricht dies einem Wanderungsverlust bei deutschen Staatsangehörigen von 20.685 Personen und einem Wanderungsgewinn bei ausländischen Staatsangehörigen von 40.383 Personen.
Den zweithöchsten Wanderungsgewinn nach Indien verzeichnet Berlin mit der Ukraine, es kamen 5.468 mehr Ukrainerinnen und Ukrainer in die Stadt, als sie sie verließen. Der Wanderungsüberschuss mit der Türkei (plus 2.805 Personen) war der dritthöchste (6.400 Zuzüge, 3.595 Fortzüge).
Anders sieht es bei den Ländern aus, gegenüber denen Berlin das größte Wanderungsdefizit verbuchte: der Schweiz und Spanien. Es zogen etwa doppelt so viele Menschen aus Berlin in die Schweiz (1.940 Fortzüge) als in die andere Richtung (954 Zuzüge). An Spanien verlor Berlin im Saldo 569 Personen (2.295 Zuzüge, 2.864 Fortzüge). Im Falle der Schweiz und Spaniens waren es nicht die Landsleute der Länder, sondern vor allem Deutsche, die dorthin abwanderten.
„Die Abwanderung nach Brandenburg hält an“, haben die Statistiker festgestellt. 31.071 Personen zogen von Berlin nach Brandenburg, während es 18.619 Personen in die entgegengesetzte Richtung zog. Der Wanderungsverlust von 12.452 Personen lag deutlich über den Verlusten an andere Bundesländer. Insgesamt gab es zwischen Berlin und dem restlichen Bundesgebiet 66.406 Zuzüge und 78.892 Fortzüge, was einer Nettoabwanderung innerhalb Deutschlands von 12.486 Personen entspricht. Diese ging im Vergleich zum Vorjahr zurück.
Was Berlin selbst betrifft, spricht das Amt von einer „Tendenz der Binnenwanderung: von der Mitte in die Randbezirke“. Während zehn der zwölf Bezirke 2025 einen Wanderungsgewinn verbuchten, „wiesen die zentralen Bezirke eine schwächere Dynamik auf“, heißt es im Statistik-Bericht. Mitte verzeichnete eine vergleichsweise niedrige Nettozuwanderung von 549 Personen, Friedrichshain-Kreuzberg gar einen schwachen Wanderungsverlust von 160 Personen. Im Gegensatz dazu „generierten die äußeren Bezirke die Hauptgewinne der Stadt“, haben die Statistiker festgestellt: Spitzenreiter war Treptow-Köpenick mit einem positiven Gesamtsaldo von 5.590 Personen, gefolgt von Marzahn-Hellersdorf (plus 2.696) und Lichtenberg (plus 2.668).
Bei der reinen Anzahl der Zu- und Fortzüge rangierte Treptow-Köpenick zwar im Mittelfeld, doch bei der Bilanz war der Bezirk Spitzenreiter: Der größte Zuzugsüberschuss von 5.590 Personen in Berlin ist vorrangig auf Wanderungsgewinne gegenüber anderen Berliner Bezirken zurückzuführen (plus 5.279 Personen). Bei deutschen Staatsangehörigen war Treptow-Köpenick der einzige Bezirk mit einer positiven Gesamtwanderungsbilanz (plus 796 Personen). Auch bei Umzügen deutscher Berlinerinnen und Berliner zwischen den Bezirken erreichte er den höchsten Zuzugsüberschuss (plus 2.698). In der Bilanz ausländischer Zu- und Fortgezogener erreichte Treptow-Köpenick sowohl insgesamt (plus 4.792) als auch bei der Binnenwanderung (plus 2.581) die zweithöchsten Gewinne.
Sonderrolle für Reinickendorf
Eine Sonderrolle nimmt der nördliche Bezirk Reinickendorf ein, wo sich noch bis zum 31. Dezember 2025 die zentrale Notunterkunft und das Ankunftszentrum auf dem ehemaligen Flughafen Tegel befand. Als einziger Bezirk verbuchte Reinickendorf eine deutlich negative Wanderungsbilanz von minus 2.241 Personen. Zwar erhielt der Bezirk ein deutliches Wanderungsplus Zugewanderter ausländischer Staatsangehörigkeit aus dem Ausland (plus 9.896), diese Gewinne gingen aber auch wieder durch Abwanderung in andere Bezirke verloren (minus 10.844 Personen). Einzig bei der Binnenwanderung deutscher Berlinerinnen und Berliner erzielte Reinickendorf ein leichtes Plus von 775 Personen.
Auch wer wo wohnt, weiß das Amt: „Jüngere wohnen zentrumsnah, Ältere eher am Stadtrand.“ Im Zentrum leben auch deutlich mehr Menschen mit nicht-deutschem Pass: Im Bezirk Mitte lag der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund mit 59,6 Prozent deutlich über dem berlinweiten Durchschnitt von 42,7 Prozent.
Ob alt oder jung, mit oder ohne sogenannten Migrationshintergrund: Die Berlinerinnen und Berliner leben in 2,23 Millionen Privathaushalten. Wie das Amt mitteilt, dominierten Ein-Personen-Haushalte die Berliner Haushaltsstruktur und machten über die Hälfte aller Haushalte aus (56,8 Prozent). Knapp jeder sechste Haushalt war Ende 2025 ein Familienhaushalt.
Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Privathaushalte in Berlin um 0,7 Prozent. Die Zahl der Ein-Personen-Haushalte stieg um 1,3 Prozent auf 1,27 Millionen an. Gleichzeitig sank die Zahl der Zwei-Personen-Haushalte knapp um 0,3 Prozent sowie die Zahl der Haushalte mit vier und mehr Personen noch knapper um 0,1 Prozent. Der Rückgang von Mehrpersonenhalten wirkte sich auch auf die durchschnittliche Haushaltsgröße aus. Diese sank – rein statistisch – von 1,77 auf 1,76 Personen.
Auch der Wohnort hängt stark vom Alter der Bewohner der Singlehaushalte ab. In den 1,27 Millionen Ein-Personen-Haushalten waren mehr als ein Viertel der Personen (27,1 Prozent) älter als 64 Jahre und 17,4 Prozent unter 30 Jahre alt. Beide Altersgruppen teilten sich in der Stadt wie folgt auf: Ältere Singlehaushalte dominierten in den westlichen Randregionen, während im Zentrum vorrangig Ein-Personen-Haushalte der Unter-30-Jährigen zu finden waren.
Das Amt hat auch einen Rückgang von Haushalten mit Kindern festgestellt. Während die Berliner Haushalte insgesamt um 0,7 Prozent sowie die Berliner Haushalte ohne Kinder um 0,9 Prozent zum Vorjahr 2024 zugenommen haben, nahm die Zahl der Haushalte mit Kindern um 0,3 Prozent ab. In rund 376.000 Haushalten lebten Erwachsene mit Kindern unter 18 Jahren zusammen – knapp jeder sechste Haushalt (16,9 Prozent) war 2025 somit nach den statistischen Kriterien ein Familienhaushalt.
Auch da geht die amtliche Statistik ins Detail. Sie verzeichnet eine Zunahme von Familienhaushalten mit nur einem Elternteil. In Berlin gab es Ende vergangenen Jahres 107.977 Haushalte mit Kindern und nur einem Elternteil. Die Alleinerziehenden-Haushalte machten 2025 rund 28,7 Prozent aller Familienhaushalte aus. Hohen Zuwachs verzeichnete mit 3,9 Prozent der Bezirk Neukölln und hier vor allem der südlich gelegene Raum Buckow Mitte mit 16,2 Prozent. Auch im Bezirk Spandau (plus zwei Prozent) stachen Räume wie Alt-Gatow (plus 25,5 Prozent) und Maselake (plus 18,2 Prozent) mit einem Zuwachs an Alleinerziehenden-Haushalten hervor.
„Wie bei den Haushalten ohne Kinder konzentrierten sich auch die Alleinerziehenden-Haushalte auf bestimmte Regionen; unter anderem auf die östlichen Bezirke Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und den Alt-Bezirk Prenzlauer Berg“, berichten die Statistiker.