Benjamin Chait (45)
Kantor Synagogengemeinde Saar | Saarbrücken
„Stehe ich in unserer Synagoge am Altar, fühle ich mich in einer direkten Verbindung zu den Menschen: eingerahmt von zwei großen siebenarmigen Leuchtern, die an die biblische Menora von vor 2.000 Jahren im Jerusalemer Tempel erinnern, über mir das ewige Licht, das mir sagt: ‚Gott ist immer anwesend.‘ Hinter mir steht der Thora-Schrein, der unsere Geschichte und Traditionen beherbergt.“ Benjamin Chait blickt mit großer Begeisterung und Wertschätzung auf die Ausstattung der Saarbrücker Synagoge, die nach dem NS-Terror von 1933 bis 1945 das erste neu erbaute jüdische Gotteshaus auf heutigem deutschen (damals noch französischem) Boden war und bereits 1951 eingeweiht wurde. „Bis 1935 lebten rund 4.600 Juden in 23 Gemeinden im Saarland. Rund 80 Prozent von ihnen flohen nach dem Anschluss an Nazideutschland. Heute gehören rund 700 Mitglieder zu unserer Gemeinde, der einzigen im Saarland. Ungewöhnlich für unsere Synagoge ist die Orgel, für deren Einbau sich die jüdisch-liberale Gemeinde damals entschied zum Gefallen aller Mitglieder, die das Erklingen der Orgel als eine besondere Wohltat empfinden. Eine weitere Besonderheit ist die goldene Thorarolle, die unsere drei silbernen Rollen ergänzt.“ Aus ihnen liest Benjamin Chait freitags und samstags auf Hebräisch vor und freut sich, wenn auch Nicht-Juden an den Gottesdiensten teilnehmen.