Durch ihre Ausstrahlung und ihr großes schauspielerisches Talent war sie in den 80ern und 90ern ein umschwärmter Hollywoodstar. Auch danach hatte sie viele Filmerfolge. Vor zwei Jahren wurde sie Großmutter und plant, kürzerzutreten, um mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen.
Wie gelingt es einer Supermarkt-Kassiererin aus Orange County, die in ihrer Freizeit am liebsten mit den Surfer-Boys am Strand herumhängt, zu einer der beliebtesten und besten Schauspielerinnen Hollywoods zu werden? Und in ihrer fast 50-jährigen Karriere dreimal für den Oscar nominiert zu werden, sechsmal für den Golden Globe – und ihn einmal sogar zu gewinnen? Doch damit nicht genug: Sie wurde sehr schnell zum – wahlweise – It-Girl, Sex-Symbol sowie zur Stil-Ikone der 80er-Jahre gekürt. In den 90ern wurde sie vom „People Magazine“ ganze sechs Mal auf die Liste der „50 Most Beautiful People in the World“ gewählt. Bei so viel Erfolg kann man schon mal die Bodenhaftung verlieren, oder?
Mit Anfang 20 kurz auf Abwegen
Michelle Pfeiffer antwortet darauf mit einem strahlenden Lächeln: „Ich habe mich nie vom schnellen Ruhm blenden lassen. Auf die oft zwielichtigen Versprechen von Agenten und Produzenten bin ich auch nicht hereingefallen. Und auf Liebes-Avancen von Kollegen schon gar nicht. Ich war immer in festen Beziehungen und hatte einen sehr gesunden Freundeskreis. Ich bin glücklich verheiratet und habe mit meinem Mann zwei Kinder großgezogen. Ich hatte also immer festen Boden unter den Füßen.“ Ihr Ehemann, der amerikanische Filmproduzent David E. Kelly, hielt ihr auch beruflich immer den Rücken frei. „Es ist von großem Vorteil, wenn man einen Vertrauten an seiner Seite hat, der sich sehr gut im Filmbusiness auskennt und einem immer mit Rat und Tat zur Seite stehen kann.“
Das einzige Mal, als Michelle Pfeiffer ihren moralischen Kompass vorübergehend verlor, war, als sie mit Anfang 20 nach Hollywood kam. Dort fand sie sich bald innerhalb einer Künstler-Clique wieder, in der Alkohol- und Drogenkonsum an der Tagesordnung waren. „Damals habe ich auch geraucht wie ein Schlot“, meint sie lachend. „Dann bin ich einem Ehepaar begegnet, das mir half, von all dem wegzukommen. Sie waren die Gründer eines Vegetarier-Kults. Wir lebten lange von Zeit von Luft und Liebe. Es hat nicht lange gedauert, da haben sie praktisch mein ganzes Leben kontrolliert. Das war Gehirnwäsche pur. Es hat mich im wahrsten Sinne des Wortes viel gekostet, schließlich den Absprung zu schaffen.“
Als Michelle Pfeiffer wieder sie selbst war, fokussierte sie sich schließlich und endlich ganz und gar auf die Schauspielerei. Sie war in einigen TV- und Film-Produktionen zu sehen und bekam die Hauptrolle in „Grease 2“. Ihren internationalen Durchbruch hatte sie 1983 in Brian De Palmas Gangster-Thriller „Scarface“. Unvergessen ihr Auftritt, als sie wunderschön, gefährlich, mysteriös und gertenschlank in einem eng anliegenden Satinkleid einen gläsernen Aufzug benutzt.
Wie kaum eine andere Schauspielerin ihrer Generation verband sie Glamour und Verletzlichkeit. Auch in Kult-Filmen wie „Die Hexen von Eastwick“ (1987) „Gefährliche Liebschaften“ (1988) oder „Die fabelhaften Baker Boys“ (1989) überstrahle sie mit ihrer charismatischen, erotisch aufgeladenen Performance das Geschehen auf der Leinwand.
„Mein Enkelkind begleiten“
Michelle Pfeffers Privatleben ist in all den Jahren bemerkenswert skandalfrei verlaufen. Von 1981 bis 1990 war sie mit dem Schauspieler Peter Horton verheiratet. Danach lebte sie drei Jahre lang mit dem Schauspieler Fisher Stevens zusammen. 1993 adoptierte sie Tochter Claudia Rose und heiratete David E. Kelly. Mit ihm hat sie 1994 Sohn John Henry bekommen. Seitdem steht ihr Familienleben an erster Stelle. Und sie ist durchaus stolz darauf, dass es ihr gelang, Berufs- und Privatleben über lange Zeit miteinander vereinbaren zu können. Trotzdem nahm sie hin und wieder auch eine Auszeit, um sich intensiver um ihre Kinder kümmern zu können.
Ihr Comeback auf die große Leinwand 2017 war ein voller Erfolg: Kenneth Branagh engagierte sie für sein Remake von Agatha Christies Krimi „Mord im Orient-Express“. Als Neuzugang im Marvel-Comic-Universum spielte sie außerdem in den „Ant-Man“-Movies und in „Avengers: Endgame“ mit. Im April wird man sie in der Serie „Only Mango“ sehen. Danach hat sie noch eine Hauptrolle in „The Madison“.
Doch dann ist erst mal wieder Schluss. Denn Michelle Pfeiffer will sich ab sofort für unbestimmte Zeit aus der Öffentlichkeit zurückziehen. 2024 bekam nämlich ihre Tochter Claudia ein Baby und machte Michelle Pfeiffer zur Großmutter. Dem amerikanischen „People Magazine“ verriet sie: „Ich bin jetzt an einem Platz in meinem Leben, wo ich die Zeit, die mir noch bleibt, sehr sinnvoll verbringen will. Das heißt, mit den Menschen, die ich liebe. Vor allem werde ich mich um meine Tochter und ihr Baby kümmern. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich nun die Gelegenheit am Schopf packen kann, Großmutter zu sein. Für mich sind meine beiden Kinder das größte Geschenk meines Lebens. Und wie wunderbar ist es doch, jetzt auch mein Enkelkind beim Aufwachsen begleiten zu können.“