Mit dem 4:2 gegen den FC 08 Homburg hat sich der 1. FC Saarbrücken den Saarlandpokal gesichert. Der Erfolg zeigte allerdings auch noch einmal die Probleme einer enttäuschenden Saison.
Als der gute Schiedsrichter Tobias Ewerhardy die Partie nach über 90 intensiven Minuten abpfiff, war beim 1. FC Saarbrücken vor allem eines spürbar: Erleichterung. Der Fußball-Drittligist gewann das Saarlandpokalfinale gegen den FC 08 Homburg mit 4:2 und rettete damit eine Saison, die lange Zeit deutlich schlechter zu enden drohte. Entsprechend sprach Trainer Argirios Giannikis anschließend von einem „versöhnlichen Abschluss“. Ganz zufrieden konnte der Coach mit dem Auftritt seiner Mannschaft allerdings nicht sein. „Wir brauchen nicht drumherum zu reden, dass wir in der ersten Halbzeit gar nicht gut waren und vieles falsch gemacht haben“, sagte Giannikis. Immerhin habe seine Mannschaft nach der Pause Charakter gezeigt. „Ich ziehe dennoch den Hut davor, wie sie sich in der Halbzeit berappelt hat.“
Inanoglu macht auf sich aufmerksam
Tatsächlich wirkte die Partie gegen den Regionalligisten aus dem Saarpfalz-Kreis wie ein Spiegelbild der gesamten Saison. Zumindest in den ersten 45 Minuten präsentierte sich der FCS in einem erschreckenden Zustand. Ein Zuschauer auf der Tribüne sprach von „der schlechtesten Halbzeit, die ich jemals im Ludwigspark gesehen habe“. Und das will angesichts zahlreicher schwacher Auftritte in den vergangenen Monaten durchaus etwas heißen.
Der FC Homburg ging früh durch Kaan Inanoglu in Führung. Der 20-jährige Offensivspieler, der in der Winterpause aus dem Nachwuchsbereich von Eintracht Frankfurt zum Regionalligisten gewechselt war, war der auffälligste Akteur auf dem Platz und erzielte in der Nachspielzeit auch den Treffer zum 2:4-Endstand. Dem Vernehmen nach beschäftigen sich unter anderem Dynamo Dresden und die SpVgg Greuther Fürth mit dem Angreifer. „Ich bin dankbar, dass ich mich beim FC Homburg weiterentwickeln konnte“, sagte Inanoglu und fügte hinzu: „Es ist ganz normal, dass man als junger Spieler Ambitionen hat und höchstmöglich spielen möchte. Ob das am Ende 2. oder 3. Liga sein wird, wird man sehen. Grundsätzlich habe ich noch einen Vertrag bei Eintracht Frankfurt. Ich bin selbst gespannt, was die kommenden Wochen bringen.“
Vor allem in der ersten Halbzeit stellte der Angreifer die Saarbrücker Hintermannschaft immer wieder vor erhebliche Probleme. Beim FCS herrschte nach dem Schlusspfiff vor allem Erleichterung darüber, dass man nach der katastrophalen ersten Halbzeit doch noch die Kurve bekam. „Wir waren richtig schlecht. Wir haben schlechte Bälle gespielt, sind zu wenig gelaufen, und es ist kaum ein Pass angekommen“, analysierte Florian Pick ungewöhnlich offen. Nach der Pause stellte Giannikis sein Team um. Der FC Homburg benötigte zu lange, um sich darauf einzustellen. Innerhalb weniger Minuten drehte der Drittligist die Partie. Pick traf in der 53. Minute zum Ausgleich, nur zwei Minuten später erzielte Amine Naifi die Führung. Anschließend erhöhten Kai Brünker und Dominic Baumann auf 4:1, ehe Inanoglu den Schlusspunkt setzte.
Naifi brachte nach seiner Einwechslung sichtbar Leben in das Offensivspiel des FCS. Dennoch spricht derzeit wenig dafür, dass der Publikumsliebling noch einmal ein neues Vertragsangebot erhält. Nach dem Spiel starteten Fans sogar eine Online-Petition für einen Verbleib des Offensivspielers. Am Ende einer unbefriedigenden Spielzeit gab es für den FCS dennoch eine gute Nachricht. Überraschend kündigte Topscorer Florian Pick an, seinen ursprünglich bis 2027 laufenden Vertrag nicht nur erfüllen, sondern sogar vorzeitig verlängern zu wollen. „Wir hatten gute Gespräche. Ich fühle mich wohl, genieße hier Wertschätzung, und in den vergangenen Monaten hat man gezeigt, dass hier etwas entstehen kann“, sagte Pick nach dem Pokalsieg.
Markus Thiele bestätigte die positiven Gespräche: „Wir sind in guten Gesprächen, aber unterschrieben ist noch nichts“, erklärte der Saarbrücker Sportvorstand. Überschattet wurde das Finale allerdings von der schweren Verletzung von Maurice Multhaup. Der Außenspieler, der erst wenige Tage zuvor seinen Vertrag verlängert hatte, verletzte sich nach einem unglücklichen Zusammenprall an der Schulter und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Die erste Verdachtsdiagnose lautete Schulterbruch.
Bitterer Tag für Maurice Multhaup
Eigentlich war geplant, die Außenbahnen mit dem erfahrenen Duo Florian Pick und Maurice Multhaup sowie zwei U23-Spielern zu besetzen. Einer davon steht bereits fest. Der Wechsel des Esseners Kelsey Owusu gilt seit Längerem als beschlossene Sache, wurde mit Rücksicht auf die Relegation von Rot-Weiss Essen bislang allerdings noch nicht offiziell verkündet.
Klarheit herrscht dagegen inzwischen auf der Position des Torwarttrainers. Frank Kackert verlässt seinen Stammverein nach nur einem Jahr wieder und wechselt zur SpVgg Greuther Fürth. Sein Nachfolger soll Dirk Orlishausen werden. Der frühere Schlussmann arbeitete bereits beim Karlsruher SC mit Cheftrainer Argirios Giannikis zusammen und wurde 2018 von Markus Thiele zu Hansa Rostock geholt. Wie das Torwartteam insgesamt aussehen wird, ist dagegen weiter offen. Phillip Menzel hielt sich zuletzt mit Aussagen zu seiner Zukunft zurück. Mit den Ersatzkeepern Tim Paterok und Jonas Nickisch wird dagegen nicht verlängert.
Am 25. Juni startet der FCS mit einem stark veränderten Kader in die Vorbereitung. Vor allem in der Defensive besteht erheblicher Handlungsbedarf. Die beiden Innenverteidiger Lasse Wilhelm und Joel Bichsel müssen ersetzt werden. Auch im Angriff stehen noch Entscheidungen aus. Dominic Baumann machte nach dem Finale zumindest deutlich, dass er aktuell nicht an einen Abschied denkt. „Ich habe einen Vertrag. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen“, erklärte der Stürmer knapp. Für den FC Homburg geht es derweil erneut in der Regionalliga weiter. Die rund 200.000 Euro aus der Teilnahme am DFB-Pokal hätte der Verein gut gebrauchen können. Entsprechend groß war die Enttäuschung bei Trainer Roland Seitz. „Wir müssen sie in der ersten Halbzeit killen“, sagte der frühere Profi. „Da müssen wir mindestens das zweite, wenn nicht sogar das dritte Tor machen.“ Dennoch überwog beim Homburger Trainer am Ende der Stolz. „Ich kann meiner Mannschaft nichts vorwerfen. Sie hat ein gutes Spiel gemacht und sich teuer verkauft.“