Vom begehrtesten Vampir der Filmgeschichte in der „Twilight“-Saga über Batman bis zum Klon „Mickey 17“. Zwischen den Fantasy-Mainstream-Filmen drehte der Brite Robert Pattinson auch immer wieder Independent-Movies und schärfte sein Darstellerprofil. Gerade war er in Christopher Nolans Epos „Die Odyssee“ zu sehen.
und Robert Pattinson mit „Twilight“ weltberühmt - Foto: imago / ZUMA Press
Ein Blick von Edward Cullen – und Bella Swan fühlt sich auf irritierende Weise zu ihm hingezogen. Der Vampir und die 17-Jährige gehen auf dieselbe Schule in der verregneten Kleinstadt Forks, haben aber anfangs große Probleme, sich näher zu kommen. Es dauert eine ganze Weile, bis Edward und Bella in der Teenie-Romanze „Twilight – Biss zum Morgengrauen“ schließlich zueinanderfinden und sich unsterblich – sorry für das Wortspiel – ineinander verlieben. Die sechs „Twilight“-Filme (von 2008 bis 2012) nach den Romanen von Stephenie Meyer waren für Robert Pattinson als Edward und Kristen Stewart als Bella der Durchbruch zu einer internationalen Karriere, die für beide bis heute andauert. Befeuert wurde ihr Starruhm auch noch dadurch, dass sie im wirklichen Leben von 2009 bis 2013 ein Liebespaar waren. Eine bessere Projektionsfläche für die Sehnsüchte romantischer Teenager hat Hollywood selten hervorgebracht. Auch in den Medien wurde die beiden nonstop gefeiert. Robert Pattinson wurde vom amerikanischen „People“-Magazin gleich zweimal hintereinander (2008 und 2009) zum „Sexiest Man Alive“ gewählt und 2009 von der britischen „Glamour“ zum „World’s Sexiest Man“. Immer im gleißenden Spotlight zu stehen, war für den eigentlich introvertierten, ja schüchternen, jungen 20-Jährigen ziemlich stressig, wie er selbst sagte: „Auf einen so überwältigenden Erfolg kann man sich wahrscheinlich nie richtig vorbereiten, aber ich hätte nicht gedacht, dass er mir den Boden unter den Füßen wegziehen könnte. Gott sei Dank hatte ich ein gutes familiäres Umfeld und Freunde, die mir sehr geholfen haben, diesen Wahnsinns-Hype gut zu überstehen.“
Der „Twilight“-Hype war zu viel
Dabei hatte Robert Pattinson schon drei Jahre vorher Gelegenheit gehabt, ein bisschen Star-Ruhm zu schnuppern. 2005 übernahm er die Rolle des Cedric Diggory in „Harry Potter und der Feuerkelch“, worauf ihn die englische Tageszeitung „The Times“ zum „British Star of Tomorrow“ kürte. Sein Debüt als Schauspieler gab er übrigens schon ein Jahr zuvor als Giselher im TV-Film „Die Nibelungen – Der Fluch des Drachen“ unter der Regie von Uli Edel.
Robert Douglas Thomas Pattinson wurde 1986 in London geboren. Seine Mutter leitete eine Modelagentur, sein Vater war Gebrauchtwarenhändler. Er hat zwei ältere Schwestern. Als Kind war Robert Pattinson, wie es heißt, flatterhaft und unkonzentriert und zeigte wenig Interesse daran, seine Hausaufgaben zu machen. In seiner Freizeit spielte er am liebsten Fußball und Videospiele und saß stundenlang vor dem Fernseher. Mit zwölf Jahren wurde er beim Klauen erwischt – er hatte ein paar Porno-Magazine abgestaubt. Als Teenager arbeitete er eine Zeit lang als Model, spielte Gitarre und Klavier und trat mit seiner Band Bad Girls in den Pubs von London und Umgebung auf. Alles sprach eigentlich dafür, dass der junge Pattinson sein Glück als Musiker versuchen würde.
Im Alter von 13 Jahren wurde er Mitglied der Barnes Theatre Company, nachdem ihm sein Vater geraten hatte, sich diesem Amateurtheater anzuschließen, um seine Schüchternheit zu überwinden. Und wie es das Schicksal wollte, sprang er bei einer Theateraufführung von „Unsere kleine Stadt“ für einen erkrankten Kollegen ein. Zufällig saß genau an diesem Abend auch ein Theater-Agent im Publikum, dem gefiel, was er da sah; er ermunterte Robert Pattinson dazu, es doch einmal mit dem professionellen Theaterspielen zu versuchen. „Das war wohl die Zeit, in der ich mich mit dem Schauspielvirus infiziert habe. Denn eigentlich hatte ich vor, auf die Uni zugehen. Aber dann bekam ich immer mehr Angebote und habe mich schließlich entschlossen, Schauspieler zu werden. Ich hatte ja nicht nur Auftritte am Theater, sondern auch im Fernsehen und spielte sogar im Kinofilm ‚Vanity Fair‘ den Sohn von Reese Witherspoon.“ Und mit einem Lachen fährt er fort: „Allerdings wurde meine Rolle komplett herausgeschnitten.“
Vorliebe für exzentrische Rollen
Das ist ihm seitdem nie wieder passiert. Im Gegenteil. Nach dem großen Erfolg der „Twilight“-Saga war Robert Pattinson einer der gefragtesten Jungstars in Hollywood. Seine Performance als einfühlsamer, guter Vampir, der seine große Liebe Bella vor den Menschenblut saugenden, bösen Vampiren mit aller Macht beschützen will, ist eine faszinierende Melange aus unterdrücktem sexuellem Verlangen und verantwortungsvoller Fürsorge. Ganz nebenbei empfahl er sich mit dieser Rolle auch für weitere männliche Hauptrollen, mit denen er seiner eigentlichen Vorliebe für vielschichtige und exzentrische Charaktere nachkommen konnte.
2011 stand er im Zirkusdrama „Wasser für die Elefanten“ wieder mit Reese Witherspoon vor der Kamera. Dann holte ihn 2012 der kanadische Regisseur David Cronenberg für die Verfilmung des Don-DeLillo-Romans „Cosmopolis“ vor die Kamera und zwei Jahre später für seine Hollywood-Satire „Maps of Stars“ mit Julianne Moore. 2015 war Pattinson in Werner Herzogs Orient-Saga „Königin der Wüste“ neben Nicole Kidman zu sehen. Seine eklektische Filmauswahl stellte Robert Pattinson erneut unter Beweis, als er in dem Independent-Film „Die versunkene Stadt Z“ (2016) mitspielte. In diesem Abenteuerfilm macht er sich zusammen mit einer Handvoll Verwegener im brasilianischen Dschungel auf die Suche nach einem magischen Ort. Und in dem Horrorfilm „Der Leuchtturm“ (2019) spielt er den mörderischen Gehilfen des tyrannischen Willem Dafoe. Ein extrem verstörendes Movie, das in seiner Schwarzweiß-Ästhetik an die Stummfilme des deutschen Expressionismus der 1930er-Jahre erinnert.
Diese Ausflüge ins relativ unkommerzielle Independent-Kino konnte sich Robert Pattinson auch deshalb leisten, weil er mit seinen Hollywood-Blockbustern bereits über fünf Milliarden Dollar eingespielt hatte. Er ist auch heute noch einer der bestbezahlten Schauspieler weltweit. Vor allem in diesen „künstlerisch wertvollen“ Filmen konnte man sehen, wie aus dem Teenie-Star ein ernsthafter und sehr wandlungsfähiger Charakterdarsteller wurde. Seine Gesichtszüge wurden markanter, seine Ausdruckskraft nuancierter, sein Spiel weniger stilisiert.
Kehrt als Batman ins Kino zurück
Als Hollywoodstar Ben Affleck keine Lust mehr hatte, sich das Fledermaus-Kostüm für Batman anzuziehen, suchte man händeringend einen Nachfolger – und die Wahl fiel schließlich auf Robert Pattinson. Seine Rückkehr zum Mainstream-Kino mit „The Batman“ (2022) unter der Regie von Matt Reeves war ein voller Erfolg. Pattinson spielte Batman und sein Alter Ego Bruce Wayne als innerlich zerrissene, düstere Außenseiter und kam mit seiner komplexen Interpretation der Comic-Vorlage ziemlich nahe. Kritiker und Fans wussten das sehr zu schätzen. Natürlich gab es im Vorfeld –
wie immer – auch ein paar Nörgler. Aber, so Pattinson: „Ich hatte mir eigentlich viel hasserfülltere Reaktionen vorgestellt. Es gibt eben immer Leute, die sich einen ganz anderen Schauspieler für Batman wünschen. Aber mir hat die Rolle sehr viel Spaß gemacht.“ Also hat er sich auch sehr gerne bereit erklärt, Batman noch einmal zu spielen. „The Batman 2“ kommt 2028 ins Kino.
Robert Pattinson ist dafür bekannt, dass er sein Privatleben nicht in die Öffentlichkeit trägt. Bekannt wurde allerdings, dass er nach der Trennung von Kristen Stewart zwei Jahre lang in einer Beziehung mit der britische Musikerin FKA Twigs war und sich sogar mit ihr verlobt hatte. Kurze Zeit später folgte die Trennung. Seit 2018 ist er mit der britischen Schauspielerin Suki Waterhouse zusammen. Im März 2024 sind sie Eltern einer Tochter geworden.
„Sehr verliebt in Suki“
Interessant ist hier auch die Frage, wie Schauspieler eigentlich damit umgehen, wenn sie Sexszenen drehen. Immer wieder kam es im Filmgeschäft in der Vergangenheit da zu sehr unangemessenen Vorfällen, sogar zu übergriffigen Handlungen. Deshalb stellen viele Studios den Schauspielern beim Drehen solcher Szenen seit einiger Zeit einen Intimitäts-Koordinator zur Seite. Ein solcher war auch bei den Dreharbeiten zu „Die My Love“ eigentlich am Set. Ein Film, bei dem es zu sehr expliziten Sexszenen zwischen Jennifer Lawrence und Robert Pattison kommt. „Wir hatten keinen Intimitäts-Koordinator – oder vielleicht doch, aber wir haben ihn nicht wirklich gebraucht. Ich habe mich bei Rob sehr sicher gefühlt“, erzählte Lawrence in einem Interview. „Er ist kein Perverser und sehr verliebt in seine Partnerin Suki. Wir haben uns am Set auch meistens nur über unsere Kinder unterhalten.“ In dem Psychodrama „Die My Love“ spielen die beiden ein Liebespaar, das aus der Stadt auf ein sehr abgelegenes Anwesen auf dem Land zieht. Schnell wird das vermeintliche Idyll zu einem Horrortrip, bei dem lange nicht klar ist, wer mit dem Leben davonkommt. Hier kann man hautnah erleben, wie zwei hoch dotierte Hollywoodstars physisch und psychisch an ihre Grenzen gehen.
An seine Grenzen – wenn auch eher auf skurrile Art – ging Robert Pattinson auch in „Mickey 17“. In diesem abgedrehten Science-Fiction-Film von Bong Joon-ho wird er ein menschliches Versuchskaninchen, das auf diverse gefährliche Missionen geschickt wird. Der Clou an der Sache: Immer wenn er dabei stirbt, wird mit Hilfe eines Bioprint ein Klon von ihm hergestellt. Ein herrlicher Filmspaß. Vor Kurzem war er auch gemeinsam mit Zendaya im Film „Das Drama“ zu sehen, einer Mischung aus Liebesfilm, schwarzer Komödie und Drama von Regisseur Kristoffer Borgli, in der die Beziehung eines verlobten Paars, das kurz vor seiner Hochzeit steht, durch ein unerwartetes Geheimnis ins Wanken gerät.
Und dann hat Robert Pattinson auch wieder mit Christopher Nolan zusammengearbeitet, in dessen Film „Tenet“ (2020) er bereits in einer kleineren Rolle zu sehen war. Nolans Mammutprojekt, die Verfilmung des Homer-Epos „Die Odyssee“, war in diesem Sommer in aller Munde. Mit Matt Damon als Odysseus, Anne Hathaway als dessen Frau Penelope, Tom Holland als ihrem gemeinsamernSohn Telemachos, Robert Pattinson als intrigantem Freier und windigem Odysseus-Widersacher Antinoos und einem weiteren hochklassig besetzten Cast wurde der Film zum Erlebnis. Die unangenehmen Charaktere scheinen es Pattinson momentan angetan zu haben, denn auch im dritten Teil von „Dune“ wird er im Winter – kaum wiederzuerkennen – in einer Schurkenrolle zu sehen sein. Das unterstreicht einmal mehr die bewusste Abkehr von den Klischees des Teenieschwarms und Schönlings, die ihm nach „Twilight“ lange anhafteten.
Das amerikanische „GQ“-Magazin brachte schon vor Jahren auf den Punkt, was die Karriere von Robert Pattinson beflügelt: Eine Kombination aus Talent, Willen zum Erfolg, Glück, Ruhm und Bereitschaft, mutige Entscheidungen zu treffen.