Margaret Qualley spielt die Hauptrolle im zweiten Film von Ethan Coens Trilogie queerer B-Movies. „Honey Don’t!“ läuft ab sofort im Kino und verspricht eine Menge schwarzen Humor und einen Cast, der sich sehen lassen kann.
Eine Frau, die ihre Weiblichkeit demonstrativ zur Schau stellt, säuft, flucht und keine Gelegenheit auslässt, attraktive Frauen zu vernaschen – kann das funktionieren? In Ethan Coens Film „Honey Don’t!“ ist das ganz offensichtlich der Fall. Hauptfigur Honey O’Donahue (Margaret Qualley) erfüllt so ziemlich alle Klischees, die man von Privatdetektiven kennt. Außer dass sie kein Mann ist.
Mit „Honey Don’t!“ setzt Coen seine Trilogie queerer B-Movies fort. Der erste Teil der Reihe war der Film „Drive Away Dolls“ aus dem Jahr 2024. Auch in diesem Film spielte Margaret Qualley eine der Hauptrollen. Der neue Film ist optisch bis ins Detail durchkomponiert. Und obwohl der Film in der Gegenwart spielt, erinnern die Farben und Motive stark an die B-Movies der 1970er-Jahre.
Honey fährt im 1970er-Jahre-Muscle-Car herum, trägt High Heels und Kleider oder auch schon mal einen Hosenanzug, der auch Pam Grier gut gestanden hätte. Sie ist Privatdetektivin in der kalifornischen Stadt Bakersfield und ähnlich gezeichnet wie viele ihrer männlichen Filmkollegen: Sprüche im Macho-Stil, hier allerdings aus dem Mund einer Frau. Die keinen Hehl daraus macht, dass sie selbst eine Vorliebe für Frauen hat. Und die kaum eine Gelegenheit für Sex – zumindest für gleichgeschlechtlichen Sex – auslässt. Es ist ungewöhnlich, dass sich eine weibliche Figur im Film so verhält, aber gerade das macht viel von dem Reiz des Films aus.
Ermittlungen führen Honey zu einer Sekte
Normalerweise treten die Brüder Joel und Ethan Coen gemeinsam auf, als Regisseure, Drehbuchautoren und auch Produzenten. So entstanden Filme wie „Arizona Junior“ (1987), „The Big Lebowski“ (1998) oder „True Grit“ (2010), um nur einige wenige der zahlreichen Arbeiten des Duos zu nennen. Bei der queeren B-Movie-Trilogie jedoch arbeitet Ethan Coen ohne seinen Bruder. Das Drehbuch zu dem Film hat er gemeinsam mit seiner Frau Tricia Cooke geschrieben.
Hauptdarstellerin Margaret Qualley dürfte vielen Kinogängern durch eine vergleichsweise kleine Rolle in Erinnerung sein. In Quentin Tarantinos Film „Once upon a time in Hollywood“ (2019) spielte sie Pussycat, eine junge Frau aus der Gang um Charles Manson, die versucht, den von Brad Pitt gespielten Stuntman Cliff Booth zu verführen. Qualley hat aber auch in einer Reihe anderer Filme mitgespielt. So ist sie unter anderem in dem in diesem Jahr erschienenen Film „Blue Moon“ des Independent-Regisseurs Richard Linklater zu sehen.
Honey untersucht einen Autounfall mit einer Toten, einer Frau, die eigentlich zu ihr ins Büro kommen wollte. Bei der Polizei ermittelt Detective Marty Metakawich (Charlie Day) in dem Fall. Da er nicht wirklich bereit ist, der Privatdetektivin weiterzuhelfen, besorgt sie sich Informationen über eine Polizistin, die sie kennt: MG Falcone (Aubrey Plaza) versorgt Honey mit der Adresse der Eltern der Toten. Dort stellt sich heraus, dass Mia, die Verstorbene, Mitglied in einer etwas seltsam anmutenden Glaubensgemeinschaft war, die von einem ebenfalls seltsamen Geistlichen angeführt wird: dem sexbesessenen Reverend Drew Devlin (Chris Evans).
Sex gibt es in dem Film zur Genüge zu sehen, aber auch verdammt viel Gewalt. Ob der Film in der queeren Community gut ankommen wird, darf man zumindest bezweifeln. Zu klischeehaft ist dafür vermutlich die Hauptdarstellerin gezeichnet, zu brutal ist dann doch an vielen Stellen die Handlung.
Während Honey in dem Fall der Toten im Auto ermittelt, kreuzt ein weiterer Kunde bei ihr auf: Mr. Siegfried (Billy Eichner), der den Verdacht hat, dass sein Partner ihn betrügt. Und dann tut sich auch noch ein Problem in der Familie auf: Honeys Nichte Corinne (Talia Ryder), die mit ihrer Mutter im Streit liegt, verhält sich seltsam – und verschwindet später. Mit der Zeit wird klar, dass die Ereignisse, die Honey beschäftigen, auf irgendeine Art miteinander verbunden sind. Und dass sich vieles um die seltsame Glaubensgemeinschaft dreht. Und dann ist da noch eine mysteriöse Unbekannte (Lera Abova), die in perfekt abgestimmter Kleidung mit einem Motorroller durch die wüstenartige Landschaft fährt.