Hertha BSC braucht für den Aufstieg ein mittleres Wunder. So oder so geht es für den Hauptstadtclub aber auf Sparflamme weiter: Für die Saison 2026/27 muss die Hertha den Etat weiter kürzen.
Maximilian Mittelstädt war ein gefragter Mann, als er vergangene Woche seiner alten Heimat einen Besuch abstattete. Der Profi des VfB Stuttgart ließ sich als Botschafter des hiesigen Icon-League-Teams Eintracht Spandau in der Hauptstadt blicken und machte dabei keinen Hehl daraus, dass ihm Hertha BSC, wo er als Eigengewächs auch acht Jahre bei den Profis aktiv war, immer noch am Herzen liegt. Insofern durfte er auch ein Thema ansprechen, das eigentlich im Klub ein No-Go ist: „Ich drücke fest die Daumen, dass es mit dem Aufstieg klappt.“ Und als hätte er selbst bemerkt, dass das „A-Wort“ von Trainer Stefan Leitl und seinen Schützlingen seit der 2:5-Pleite in Paderborn im Februar immer wieder beflissen zu den Akten gelegt erklärt wurde, fügte der 29-Jährige noch an: „Dieses Jahr ist es nicht so leicht, aber auch nicht unmöglich.“ Und dürfte dabei sicher vielen Fans, aber auch manchem Spieler oder Verantwortlichen insgeheim aus der Seele gesprochen haben. Mit den schwachen Phasen zu Beginn der Hin- und Rückrunde hat sich die Alte Dame gerade in den direkten Duellen mit den Spitzenteams aber eine Hypothek aufgeladen, die immer noch schwer wiegt – trotz einer Siegesserie von fünf Ligaspielen in Folge im Spätherbst und aktuell vier Partien ohne Niederlage.
Paderborn-Pleite hallt noch immer nach
Zu Saisonbeginn jedoch hatte Hertha BSC nur vier von 15 möglichen Punkten gegen die Teams erreicht, die aktuell vor den Berlinern in der Tabelle stehen – und lief so von Anfang an der Musik hinterher. Auch die vor dem zweiten Halbjahr postulierte Aufholjagd, um noch ins Rennen um die vorderen Plätze einzugreifen, blieb in diesen Duellen angesichts von fünf Zählern im Sand stecken. Gerade die Niederlagen zu Hause gegen Hannover 96 (2:3) und in Paderborn zum Abschluss dieses Blocks sorgten für brutale Ernüchterung und das zumindest öffentliche Abhaken des Aufstiegs. Mit den folgenden zehn Punkten aus vier Begegnungen haben Leitls Schützlinge aber zumindest Charakter bewiesen und vor allem bei den Fans wieder Hoffnung aufkommen lassen. „Wenn die Jungs jetzt einen Run starten“, hatte auch Maximilian Mittelstädt eine Voraussetzung für das unmöglich Erscheinende genannt. Die Grundlage dafür wurde zwar schon mal geschaffen, es bliebe aber tatsächlich weiterhin eine Herkulesaufgabe. Denn legt man zum Beispiel diesen schon kaum zu haltenden Schnitt von 2,5 Zählern pro Partie aus den letzten vier Begegnungen zugrunde, könnte Hertha BSC zum Saisonende auf 61 Punkte kommen.
Mit diesem Wert wurde der 1. FC Köln zwar vergangene Saison Meister und kehrte in die Bundesliga zurück – nach der Hälfte der letzten zehn Spielzeiten reichte diese Anzahl aber nicht für einen Aufstiegsplatz (plus einmal „nur“ für die Relegation). Mancher Beobachter bemängelte dazu, dass die Serie ungeschlagener Spiele zuletzt nur auf wenig überzeugende Weise zustande gekommen sei. Der 2:1-Heimsieg über schwache Nürnberger, so der Tenor, gelang nur dank zweier Geistesblitze von Josip Brekalo, in Münster half ein ganz später Treffer durch Marten Winkler gegen abstiegsbedrohte Preußen noch zu drei Punkten – und beim 1:1 im Duell mit über weite Strecken harmlosen Bochumern bekam man die späte Quittung in Form des Ausgleichs dafür, dass man das zweite eigene Tor nicht zu erzielen beziehungsweise erzwingen vermocht hatte. Selbst den zuletzt furiosen 5:2-Erfolg in Düsseldorf sahen die Kritiker vor allem als Resultat des haarsträubenden Defensivverhaltens der Fortuna an. Beim Gastspiel in Dresden am Samstagabend muss Hertha BSC also erneut unter Beweis stellen, dass man – ob nun überzeugend oder nicht – gerade von den Ergebnissen her im Aufwind bleibt. Dynamo scheint da gerade der richtige Gegner zu sein, denn die Sachsen liegen in der Rückrundentabelle auf Rang fünf und haben sich damit vom letzten Platz zur Winterpause bis ins beinahe schon komfortable Mittelfeld vorgeschoben.
Finanzielle Fragen sorgen für Probleme
Die Ligapause rückte aber auch wieder andere Themen in den Mittelpunkt, zum Beispiel geht es um die Personalplanung für kommende Saison. Diese wird aktuell natürlich für die zweite Liga erstellt – und selbst ihr federführender Verantwortlicher, Sportdirektor Benjamin Weber, wird hier einmal mehr kritisch betrachtet. Das gilt im Übrigen auch für Trainer Stefan Leitl, dem manche ein fehlendes tragfähiges Konzept für ernsthafte Aufstiegsambitionen vorhalten. Auf der Spielerebene verbuchte man jüngst die Vertragsverlängerung bis 2028 mit Pascal Klemens als Erfolg – auch wenn diese eine Ausstiegsklausel erhalten soll. Aber Weber und seinen Mitstreitern wie dem erst im Februar verpflichteten Kaderplaner Bastian Huber steht hier insgesamt noch eine komplexe Aufgabenstellung bevor. So laufen alleine die Verträge von neun weiteren Profis in diesem Sommer aus – vier davon (Brooks, Demme, Hoffmann, Leistner) dürften Stand heute wohl nicht verlängert werden. Bei den anderen geht es auch um eine grundlegende Kosten-Nutzen-Rechnung: Denn Josip Brekalo, Jeremy Dudziak, Michal Karbownik, Dawid Kownacki und auch Maurice Krattenmacher würde man sicher gerne über den Sommer hinaus halten – das ist allerdings auch erneut eine finanzielle Frage. Die könnte auch Einfluss auf die Zukunft längerfristig gebundener Spieler im Kader haben, die jedoch mit einem Vereinswechsel im Sommer liebäugeln. Natürlich würde man auch mit Kennet Eichhorn oder Linus Gechter weiter zusammenarbeiten, bei entsprechenden und auch zu erwartenden Angeboten aber müsste man die beiden auch im Interesse des Vereins wohl ziehen lassen. Sogar Torwart Tjark Ernst oder Fabian Reese werden nicht zu halten sein, wenn der Aufstieg nicht gelingt und sie nicht länger in der 2. Liga spielen wollen. Denn in jedem Fall muss der Etat für 2026/27 weiter schrumpfen, wurde doch in Zusammenhang mit dem aktuellen Lizenzierungsverfahren von Hertha BSC eine erneut negative Entwicklung beim Eigenkapital publik. Diese könnte eine Finanzstrafe oder einen Punktabzug für 2026/27 zur Folge haben, die wohl nur mit finanzieller Unterstützung des US-amerikanischen Anteilseigners A-CAP vermieden werden kann – Verhandlungen diesbezüglich sollen hinter den Kulissen stattgefunden haben.