Vor zweieinhalb Jahren hatte uns A.S. Fanning mit dem dunkel-majestätischen, äußerst intensiven Album „Mushroom Clouds“ schwer beeindruckt. Diese Melancholie de luxe zog in den Bann. Das sehnlichst erwartete Nachfolgewerk knüpft exakt dort an.
Immer noch barmt der irische Wahl-Berliner mit seinem charismatischen Bariton im Verbund mit einer meist opulenten Instrumentierung von den eher trostlosen Facetten des Seins.
„Eine poetische Erkundung des Chaos, eine Umarmung der Auflösung“ formuliert es der Presse-Texter durchaus fatalistisch. „Take Me Back To Nowhere“ ist ja ohnehin schon ein pessimistischer Albumtitel… Und der dazugehörige Track wird in drei Dosen über das Album verteilt.
Empfangen wird der Hörer zunächst mit „Save Us“ – einem tastenden Song über Verwirrung und Einsamkeit – , bevor „Today Is For Forgetting“ mit saftigem Synthie-Sound überraschend poppig vom Niemandsland im Übergang von einem Leben in das nächste erzählt… Ein derartiges Hit-Potenzial war dem Barden nicht zuzutrauen. Hoffentlich merkt das auch jemand.
Der Songtitel „Romance“ klingt hübscher als der Inhalt, schließlich wird hier mit Bedacht und Schmacht sowohl dramaturgisch als auch melodisch ziemlich grandios Desillusionierung verhandelt, aber sicher keine klassische Vorstellung von Romantik. „Idiot Leader“ ist ein verstörender, repetitiver, gleichwohl gelungener Krautrock-Versuch mit Schräg-Charme. Wer Joy Division kultig verehrt, sollte mit diesem Lied einsteigen… „Stay Alive“ gemahnt an gloriose Scott-Walker-Zeiten – als gelungene Verbindung zwischen dessen genial-opulenter „Scott 1 - 4“ - Phase mit seinem erratisch-sperrigen Spätwerk. Ähnlich triumphal, wenngleich leichtgängiger, ja, beinahe tröstlich geriet „Western Medicine“.
Hier ist Matt Berninger (The National) nicht weit. Dessen Fans werden vermutlich auch A.S. Fanning zu schätzen wissen. Wen die Bühnen-Umsetzung solch düsterer Weisen lockt, hat im Frühling mehrere Möglichkeiten, unter anderem in Hamburg, Berlin, Dresden und Offenbach.