Mike Patton ist zurück! Der Tausendsassa mit dem hundertfachen stimmlichen Ausdruck ist am bekanntesten als Frontmann der Metal/Alternative/Crossover-Helden Faith No More. Im Laufe seiner Karriere ging der Kalifornier immer wieder ungewöhnliche Kollaborationen ein. Neben Coverversionen italienischer Poplieder der 60er- und 70er-Jahre oder stimmlichen Beiträgen in Videospielen reiht sich nun das neueste Projekt AVTT/PTTN ein und fügt dem Patton-Kosmos etwas Americana hinzu.
Hinter „PTTN“ versteckt sich unschwer erkennbar Sänger und Multiinstrumentalist Mike Patton selbst. „AVTT“ wiederum ist die aus North Carolina stammende Band The Avett Brothers. Das Quartett ist nach den Brüdern Seth und Scott Avett benannt und seit 2000 vor allem in den Vereinigten Staaten erfolgreich. Ihre Musik vereint Folkrock, Country, Bluegrass, Indieklänge und Pop. Das klingt in klassischer Poprock-Besetzung meist gefällig, bietet aber auch einen guten Schuss Melancholie.
Mit „Dark Night of My Soul“ beginnt der neun Songs umfassende Reigen. Die Stimmen harmonieren prächtig, die Melodie packt. Das kinematische Gewand der Produktion zieht sich durch alle Kompositionen – Amerika im Breitwandformat. „Heaven’s Breath“ stellt Pattons Stimme sowie ein rockiges Gitarrenriff in den Fokus und kulminiert in verzerrtem Growling. Bei „The Ox Driver’s Song“ meint man, am Zaun eines Bullenreit-Wettbewerbs zu stehen, doch der verschleppte Rhythmus und der wütend-wehklagende Chor klingen eher nach Cowboyhölle als nach Americana-Romantik.
Der Rest klingt meist wie eine Fahrt auf einem US-Highway: geradeaus statt kurvig. Wüste statt Strand. Harmonie statt Avantgarde. Ankommen statt Abenteuer als Ziel.
Ihre nach sich selbst betitelte Kollaboration „AVTT/PTTN“ dürfte für Patton eine Art Neuanfang im gemütlichen Rahmen gewesen sein. Er litt während und nach der Coronazeit an Depressionen und legte seit 2022 keine vollständige Veröffentlichung mehr vor. 2019 hatten die Avetts erwähnt, dass Patton eines ihrer Idole sei. Sein Management nahm Kontakt auf und ein Jahr später folgten erste Demos.