Es gibt auf diesem Album „Songs darüber, wie glücklich ich mit meinem Leben bin, hier in meinem Garten mit meiner Frau und meinen Hunden zu leben und diese Gemeinschaft zu haben, die uns hilft“, sagt Spencer Cullum.
Ist das Weltflucht? Blickt man auf die Texte von „Coin Collection 3“, wird man das kaum behaupten können. Denn darin geht es beispielsweise explizit um die Klimakrise und übergriffige ICE-Agenten. Das irrlichternde Weltgeschehen beobachtet der Brite also mit wachsamem und scharfem Blick von seiner US-Wahlheimat Nashville aus. Und sein Kummer darüber wird dann auch schonungslos benannt.
Was dennoch stimmt – und sogar vorzüglich funktioniert: Diese wundersame Musik ist ein Gegengift, eine stärkende Nische, ein Seelenbalsam. Unmöglich, voreilig eine Schublade dafür zu ziehen. Man kann es wohl versuchen – mit Folk, Psychedelia, Country, Trance.
Ja, all das, aber noch weit mehr sind diese zehn zauberhaften Weisen. Es ist eine ganz eigene Musikwelt, die sich hier öffnet. Wem Cullum ein Begriff ist, der durfte schon damit rechnen. Aber wer kennt ihn tatsächlich schon? Handverlesene Fans von Miranda Lambert, den Deadstring Brothers oder von Echolalia vielleicht.
Spencer Cullums Solowerk ist fraglos noch spektakulärer in seiner introspektiven, ja: traumverlorenen, köstlich lautmalerischen Art. An der Pedal Steel, an Orgel und Piano sowie mit der akustischen Gitarre erzeugt der Singer-Songwriter höchstselbst magischen Klang. Mit Banjo, Bass, Schlagzeug, elektrischer Gitarre und auch mal Saxofon oder Flöte wird er kongenial begleitet.
Das eröffnende Stück „Rowan Tree“ entführt die Hörenden zunächst noch in vergleichsweise vertraute mystische Folk-Welten – als hätte Richard Thompson mit JJ Cale gejammt.
Im Verlauf des Albums wird das vermeintlich naheliegende Folk-Korsett allerdings so genüsslich wie mühelos gesprengt, stilistische Zuordnungen werden gänzlich egal.
Also: Wohlfühlraum aufsuchen, Türen schließen, Handy aus, „Coin Collection 3“ in den Player und abtauchen. Kraft tanken. Und dann tatsächlich irgendwann mit neuer Kraft in die Realität zurück.