Anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens ging die erfolgreiche Crossover-Band Gregorian „aufs Ganze“: Sollte irgendjemand bisher noch nicht gewusst haben, dass es sich bei der vergangenen Tournee nicht um ein Weihnachtskonzert, sondern um echte Religionskritik gehandelt hat, so wurde er eines Besseren belehrt.
Thematisiert – und nun auf einem Live-Doppelalbum festgehalten – werden unbequeme Wahrheiten, um die Fallstricke des Glaubens offenzulegen, um ein besseres Miteinander zu ermöglichen – und auch dies sollte kein Widerspruch sein: Gesungen wird über den Tod („The Raven“), das erhoffte Ende des Krieges („Masters of Chant“, „World without End“), aber auch über das unlösbare Dilemma des „ewigen Lebens“ („Forever Young“) und das an und für sich positiv besetzte Reisen in andere Länder („Voyage Voyage“), das für viele aber nicht möglich ist – und für Einwanderer zudem ein existenzielles Problem, zumal diese aus Angst vor dem Krieg die Flucht ergreifen („Children of the Sea“).
Mit „Dreamer“ thematisiert das Ensemble ein weiteres Problem. Was passiert, wenn man ohnehin gefährdete Menschen sich selbst überlässt, bis sie sozial auffällig werden? Der Song „Dreamer“ handelt nur vordergründig von den vermeintlichen „Flausen im Kopf“, die viele verträumte Jugendliche haben.
Insgesamt steht das Ensemble Gregorian also für ein moderneres und offeneres Glaubensbekenntnis, das nicht die Augen vor Fragen und Problemen verschließt. Das Ensemble mixt gregorianische Gesänge mit modernen Songs, ein gelungenes Sound-Experiment, das 1989 startete. Frank Peterson setzte die Idee erstmals mit Michael Credu und dem weltweiten Sound-Experiment „Enigma“ um. Das erste Album erschien 1990 und wurde ein internationaler Erfolg.
Peterson produzierte bereits Songs von Stars wie Andrea Bocelli, Sarah Brightman, José Carreras, aber auch Justin Timberlake und den Backstreet Boys. „Und im Jahr 2026 sind wir anlässlich einer Weihnachtstour wieder unterwegs“, verkündete einer der „Mönche“ bereits Anfang 2025 in der Saarbrücker Saarlandhalle. Nun denn, wir dürfen gespannt sein.