„This Mirror Weighs a Ton“ ist das achte Album der New Yorker Band Interpol seit dem famosen Debüt „Turn On the Bright Lights“ von 2002. Und es geriet – wie man so schön sagt – back to form. Die Glorie des Beginns, die noch auf „Antics“ (2004) hinüberschwappte, dann aber auf weiteren Alben mitunter verwässerte, ist zurück.
Wie das gelang? Vermutlich mit der Verbindung aus Vertrautheit und einer nun größeren Konsequenz im Umgang mit Horizonterweiterungen. Was eine ungemein attraktive Gleichzeitigkeit von mehr Tiefe und größerer Leichtigkeit ermöglicht.
Schon der titelgebende Eröffnungssong überrascht. Dieser könnte auch ein Album von Matt Berninger und seiner Band The National eröffnen.
Es ruckelt und pocht zunächst ungewohnt zurückgenommen und seltsam schräg-charmant. Paul Banks’ Stimme klingt reserviert, reflektierend, fast flüsternd, um im Refrain ihre volle majestätische Dichte zu entfalten. Der Hörer wird förmlich mit Klang und Emotion geflutet. Der Text liefert die Erklärung: Der Spiegel der Selbstreflexion wiegt zwar beinahe unerträglich viel, doch es lohnt, ihn zu tragen. Wer sich darauf einlässt, wird umgehend belohnt mit der Befreiung von emotionalem Ballast, der so viel schwerer wiegt als eben jener Spiegel.
Spürbar wird dieser Effekt im Verlauf dieses schier überwältigenden Werkes. „See Out Loud“ vermittelt Kraftaufwand und Willen, „Iron City“ tönt danach beinahe euphorisch. Synthesizer, Streicher, diverse Perkussion und sogar Bläser werden regelmäßig strategisch klug, oft melodienselig aufgefahren. Was gewiss auch dem scheuklappenfreien, aber eben auch pop-affinen Sound-Design des Produzenten Andrew Wyatt (Rosalia, Charli xcx) zu verdanken ist. „This Mirror Weighs a Ton“ geriet dadurch welt-
umarmender und fokussierter zugleich.
Weitere Höhepunkte lassen sich außerdem mit dem hypnotisierenden „Ever the Actor“ und dem drahtigen „Wake Up“ ausmachen. Man kann also sagen: Die dezent integrierten U2-, The National- und R.E.M.-Verweise stehen Interpol ganz vorzüglich. Und übrigens: Im November sind sie auf Tour.