Fast eine Ewigkeit, 15 Jahre, sind seit dem auch hierzulande immens erfolgreichen Vorgänger „Hard Times And Nursery Rhymes“ ins Land gegangen. Nun knüpft die kalifornische Combo Social Distortion um Mastermind Mike Ness nahtlos an dieses Erfolgsalbum an.
„Born To Kill“ zelebriert frei von Abnutzungserscheinungen den bewährten, scheuklappenfreien Punk-Rock der Marke Social Distortion. Die Reise begann 1983 mit „Mommy‘s Little Monster“ und fand mit „White Light, White Heat, White Trash“ 1996 einen Höhepunkt.
Immer zogen sich auch Spuren von Blues, Country, Rock’n’Roll und Psychedelica durch das entfesselt vorwärts treibende Punk-Repertoire. Dass sich die Band für dieses sofort mit einem sensationellen zweiten Platz gecharterte, neue Werk bei Chris Isaaks Überhit „Wicked Game“ bedient, passt ebenfalls, schließlich war ihr auch Pop-Affinität regelmäßig eine Tugend. Dieses Cover gelingt vorzüglich, es fügt sich hier trotz seines adäquat gedrosselten Tempos perfekt ein. Weil auch „Wicked Game“ mit Schärfe, Dichte und Präsenz dargeboten wird – plus entfesselter Saitenherrlichkeit im patentierten Verbund mit Mike Ness’ furios drängelndem Gesang.
Diese markante Stimme war definitiv stets in einer Liga mit Bob Mould und J Mascis zu verorten. Deren Bands Hüsker Dü und Dinosaur Jr. hatten ja ebenfalls jedes vermeintliche Punk-Korsett mit Lust und Leidenschaft gesprengt. Als frühe Inspirationen von Ness werden neben den Ramones und Sex Pistols auch T. Rex, die Stones, CCR und Bowie genannt. Ein Soundtrack, der dem Mann nach eigener Aussage half, über traumatische Erlebnisse seiner Kindheit hinwegzukommen. Das ist sowohl musikalisch wie auch emotional weiterhin deutlich zu spüren. Was übrigens bisweilen – selbst von ihren ergebensten Fans – übersehen wird: R.E.M. hatten 1985/86 (in ihrer allerstärksten Phase!) eine vergleichbare magische Schärfe, Dichte und Präsenz. Social Distortion machen sich rar. Doch haben sie diesen Festival-Sommer mit Wucht und Klasse geprägt. Wer dabei war, darf sich glücklich schätzen.