In ein paar Monaten wird Zoh Amba vielleicht nicht in aller, bestimmt aber in sehr vieler Munde sein. Warum? Weil ihr Debütalbum wirklich spektakulär geraten ist.
Bereits die Eröffnung von „Eyes Full“ legt die Besonderheiten dieser jungen Singer-Songwriterin offen. Ein akustisches Saiten-Picking zaubert zunächst einschmeichelndes Folk-Feeling, alsbald aber provozieren schräge Töne. Und dann schlägt diese wahrhaft ungewöhnliche, komplett unverstellt schlingernde, knurrende, bisweilen kippende, fast schon schmerzhaft authentische Stimme unwiderstehlich in ihren Bann.
Im Opener „OCD“ geht es um ein durch Medikamente abgestumpftes Kind. Zoh Amba zwingt uns, hinzuschauen, uns einzufühlen. Sie gibt Menschen eine Lobby, die nicht das große Los gezogen haben und von einer immer gnadenloseren Leistungsgesellschaft abgehängt wurden. Songtitel wie zum Beispiel „Dead End Street“ oder „Odd Jobs“ transportieren das. Und ihre Herzblut-Themen werden nicht nur von stimmlicher Emotion, sondern auch von extrem energie- und spannungsgeladener, stets fantasiereicher musikalischer Begleitung befeuert.
Jene Menschen, die diese Empathie verdienen, findet sie genauso in ihrer Heimat Tennessee wie auch in New York City, wo sie gerade lebt. Dort hatte sich Amba übrigens als Free-Jazz-Saxofonistin einen bemerkenswerten Ruf erspielt. So gesehen ist „Eyes Full“ vermeintlich eine Kehrtwende in irgendetwas zwischen Noisepop und amerikanischem Folk. Dass der freie Jazz in jede Pore dieser unbändigen Weisen hineindrängt, registriert man aber freilich sofort.
Jene von Zoh Amba gespielte akustische Gitarre schrabbt und schrammelt, die elektrischen Saiten werden von ihrem Freund Kevin Hyland gezerrt, gedehnt, gestreichelt, gen Himmel geschraubt, und am Schlagzeug sitzt mit Jim White ein legendärer, ohnehin durch kein Genre limitierter Freigeist.
Wer auf diesem Album, auf „Blueberry Thorn“, diese entfesselte, gänsehauttreibende Geige beiträgt, war nicht zu erfahren, doch am Ende lässt sich sagen: Ein dermaßen vor Kraft und Empathie strotzendes Album hat man ewig nicht gehört.