Eigentlich halten wir uns an dieser Stelle von Wiederveröffentlichungen fern. Aber bei Scritti Polittis „Songs to Remember“ handelt es sich um eines der größten und nachhaltigsten Pop-Meisterwerke der an Pop-Meisterwerken nicht armen ersten Hälfte der 80er-Jahre. Klar, der Kultstatus dieses – wie nur wenige Alben seinem Titel so gerecht werdenden – Werkes ist längst erreicht. Allerdings landet es in Bestenlisten meist hinter „The Lexikon of Love“, „Hounds of Love“ oder „The Queen is Dead“. Zu Unrecht. Es brauchte diese Wiederveröffentlichung zwar nicht unbedingt für diese Erkenntnis, höchst willkommen ist sie aber allemal.
Interessant war für den Rezensenten, der „Songs to Remember“ als Original-LP vom September 1982 Hunderte Male auf seinem Player rotieren ließ, beim Streamen dieser Neuauflage zunächst die Erkenntnis: Schade, dass an den geliebten Tracks herumgebastelt wurde. Remastering halt. Nun, ein Vergleich der Originale mit den remasterten Versionen ergab dann aber: So viel wurde gar nicht justiert. Zum Glück.
So muss die spontan wahrgenommene Differenz wohl schlicht zwischen analogem und digitalem Abspielen liegen. Interessant wäre deshalb, wie die neue Vinyl-Auflage (mit derselben haptischen Prägung wie einst!) im Vergleich abschneidet.
Der immer noch augenblicklich zum Tanzen auffordernde Soul-Reggae „Asylums in Jerusalem“ ist fabelhaft gealtert, „A Slow Soul“ ist exakt das, was der Titel verspricht – und das wundersam jazzig irrlichternde Saxofon setzt weit mehr als ein i-Tüpfelchen. „Jacques Derrida“ pulsiert vergnügt und, wie man so schön sagt, sophisticated. Ja, dieses letzte Adjektiv findet in dem ganzen Werk seine beglückende Erfüllung.
Das krass-funkige „Lions After Slumber“ zählt auf, was Green Gartside so alles sein Eigen nennt: seine Unsicherheit, sein Schlafzimmer, seinen Hunger, seinen Sinn für Romantik, seinen Körper, seinen Sex. Solch einen frei philosophierenden, radikal inszenierten Song hat es danach nie wieder gegeben. Und ein solch berauschendes Pop-Statement auch nicht. Diese Stimme! Diese Rhythmik! Dieser Mut!