Es ist 1977. Auf der Erde trudelt ein Signal unbekannter Herkunft ein. Der erkennende Astrophysiker schreibt wegen des spektakulären Messinstrumenten-Ausschlags neben die Aufzeichnung einfach „Wow!“. Seitdem gilt das „Wow!-Signal“ als heißer Kandidat darauf, außerirdischer Herkunft zu sein. Das britische Trio Muse hat sich schon oft genug physikalischer und/oder esoterischer Themen angenommen, und so ist auch ihr zehntes Album –
betitelt eben „The Wow! Signal“ – ein „Wow!“-Erfolg auf ganzer Linie.
Schon die Single „Unravelling“ deutete den Sound des Albums an: weniger Synthie-Spielereien, mehr Bombast-Rock. Nicht umsonst ist der Song mit dem Achtsaiter, der zurückhaltend startet, nur um dann im Refrain sein Gitarrengewitter zu starten, schon jetzt ein Band-Klassiker. Womöglich hat Sänger und Mastermind Matt Bellamy mit dem „Cryogen“-Riff sein spektakulärstes seit „Plug In Baby“ geschrieben. Und arm an großartigen Gitarrenläufen ist die Diskografie von Muse wahrlich nicht. Auch sonst ist die Single Muse pur: eingängig trotz Lärm, nicht hektisch trotz Dynamik.
Ein großer Teil der Inspiration für das Album entstammt seinem Trennungsschmerz, wie er nme.com berichtete. Seine dafür wiedergefundene Liebe zur Musik merkt man unter anderem daran, dass das Trio erneut Stile munter mischt. „Be With You“ startet als Kirchenorgel-Ballade, geht treibend im Vierviertel-Groove weiter und kulminiert in einem Stadion-Solo. Und das alles in nur 3:35 Minuten. Irgendwo zwischen Kitsch, Discofunk und French House platziert sich „Nightshift Superstar“. Hier darf Bassist Chris Wolstenholme einmal mehr mit einem seiner irren Saitenläufe glänzen.
Ihren Heavy-Moment zelebrieren die drei Briten, die seit 1994 zusammen musizieren, mit „The Sickness In You & I“, wo dann auch Schlagzeuger Dominic Howard ordentlich auf seine Instrumente dreschen darf. Der Opener „The Dark Forest“ bereitet im Grunde den perfekten Einstieg der letzten Alben zum neuen Output: Glamrock-Einstieg, ruhiger Mittelteil, lateinischer Liturgie-Gesang, Rocksolo, genüsslich langes Fade-out. Es kann eben nie genug Spektakel sein.