„Neon Grey Midnight Green“ ist natürlich erneut ein besonders schöner Albumtitel. Vorgänger-Werke hießen „The Tigers Have Spoken“ (2004), „Fox Confessor Brings The Flood“ (2006) oder „The Worse Things Get, the Harder I Fight, the Harder I Fight, the More I Love You“ (2013). Es geht aber auch prägnanter: „Blacklisted“ (2002) und „Hell-On“ (2018).
All das wäre freilich nicht bemerkenswert, wenn die darin enthaltene Musik nicht mindestens ebenso bemerkenswert wäre. Und das ist sie. Weil Neko Case eine grandiose Sängerin ist, eine fantastische Songschmiedin und eine fabelhafte Gitarristin.
Man höre nur ihre charismatischen Interpretationen von Neil Youngs „Dreaming Man“ und Hank Williams’ „Alone & Forsaken“ auf der wunderbaren Cover-EP „Canadian Amp“ von 2001. Case erstarrte nicht in Ehrfurcht – sondern fokussierte die Vorlagen noch. Atemberaubend. Wie so vieles in ihrem eigenen Repertoire.
„Ein perfektes Brüllen weiblichen Trotzes“ attestierte ihr der „Guardian“, etwas platt, aber doch irgendwie stimmig, bezüglich des Vorgängers „Hell-On“.
„Neon Grey Midnight Green“ klingt weniger wütend, doch ebenso konzentriert und kraftvoll. Die Songs sind eine Hommage an einige in den vergangenen Jahren verstorbene Musikerinnen und Musiker, Produzentinnen, Produzenten, Aktivistinnen und Aktivisten aus ihrem Bekanntenkreis. Eine gewisse Melancholie ist somit durchaus zu vernehmen, aber ohnehin passte das Attribut „Country Noir“ immer schon viel besser als das ebenso häufig verwendete „Alternative Country“.
Besonders schmackhaft im großartigen Songdutzend sind neben dem betörenden, coolen, sehr magischen Twang des Titeltracks die sanft pulsierende Klavier-Ballade „Louise“, das raffiniert poppige „Wreck“ und der mit Streicher-Opulenz veredelte Abschluss „Match-Lit“ geraten.
Aufgenommen wurde das Album in Cases eigenem Studio in Vermont sowie in Portland, Oregon, unter der Ägide des Meisterproduzenten Tucker Martine. „Neon Grey Midnight Green“ strotzt nur so vor schierer Musikalität, gewagten Brüchen, Wucht, Sensibilität und Würde.