Mit Anfang 50 kann man sich schon mal fragen, ob man noch relevant ist – zumal man einst das musikalische Maß aller Dinge war. Rekordverkauf an Konzerttickets, Rekordzahl an Brit Awards und Rekordzahl an Nummer-eins-Alben in England: Robbie Williams hat es dank „Britpop“ mit 16 Alben an die Pole Position der englischen Charts geschafft und damit sogar die Beatles überholt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sein 13. Studioalbum kurz darauf wieder aus der Hitliste herausfiel. Sogar sein Weihnachtsalbum von 2019 verkaufte sich besser. Der geringe Impact ist schade, denn „Britpop“ ist ein solides, unterhaltsames Album, mit dem Robbie Williams der Zeit nach seinem Ausstieg aus Take That huldigt, als Bands wie Oasis und Blur ihre Höhepunkte hatten.
Mit „Rocket“ geht er direkt in die Offensive. Die fast schon punkmäßige Schrammelgitarre steuert Black-Sabbath-Legende Tony Iommi bei, der auch mitkomponierte. Früh wird klar, dass Williams vor allem Spaß haben will. Das sei ihm nach 30 Jahren Karriere gegönnt. Klar wird aber auch, dass das, was Ende der Neunziger frisch und frech klang, nun eben nostalgisch und anachronistisch daherkommt – aber keineswegs schlecht. Songs wie „Spies“ schrauben das Drama mit tollen Stadion-Refrains in die Höhe. Lieder wie „It’s OK Until The Drugs Stop Working“ erzählen im 60er-Retro-Stil ungeschönt und introspektiv von seinem Drogenmissbrauch.
Mit „Human“ – gemeinsam mit dem mexikanischen Latin-Pop-Duo Jesse & Joy – hat er eine angenehm zurückhaltende Ballade am Start. „Morrissey“ ist gemeinsam mit Ex-Take-That-Mastermind Gary Barlow komponiert und kommt als ironisch-schwungvolle Synthiepop-Nummer à la Pet Shop Boys daher. „Cocky“ ist ein Glamrock-Stampfer, an dem unter anderem Gaz Coombes von Supergrass mitschrieb. „All My Life“ könnte auch direkt aus den Sessions seines Debütalbums stammen.
Wie fast immer bei Robbie Williams ist nichts so einfach, wie es ausschaut. „Britpop“ ist kein kompromissloser Output, wie er es wohl gerne hätte, fasziniert aber mit einer Stringenz, die seinen letzten Alben abging. Auch wenn im Endeffekt leider die ganz großen Songs fehlen.