Depeche Mode und Mexiko-Stadt sind Superlative: Hier eine der erfolgreichsten Rockbands, dort eine der größten Städte der Welt. Hier der Tag der Toten, dort Texte, die Sinnfragen stellen. Dass die mittlerweile nur noch aus zwei Stammkräften bestehende Band in der Musikwelt noch relevant ist, untermauerte sie eindrucksvoll mit der „Memento Mori“-Tour: Drei Millionen Fans wanderten zwischen März 2023 und April 2024 in die Stadien und Hallen in Europa, in den USA – und eben in Mexiko-Stadt.
28 Tracks umfasst der in den drei Nächten entstandene Mitschnitt vor rund 200.000 Menschen, der als „Memento Mori: Mexico City“ erschienen ist. Wie immer wurde Depeche Mode live unterstützt von Schlagzeuger Christian Eigner sowie Bassist und Keyboarder Peter Gordeno. Der Mitschnitt klingt mitunter etwas übersteuert, dafür meint man aber, mittendrin im Geschehen zu sein, so hautnah ist das Publikum untergemischt.
Wunderbar fügen sich die Stücke des aktuellen Albums „Memento Mori“ in 40 Jahre Bandgeschichte. „Wagging Tongue“ ist die Pop-Perle, die das Konzert anfangs richtig in Wallung bringt – neben Dave Gahans Bariton natürlich. Hauptsongschreiber und Genie Martin Lee Gore hebt mit seiner engelsgleichen Stimme „Soul With Me“, nur vom Piano begleitet, auf eine dunkle Wolke. „Ghosts Again“ verbindet Trauer und Schmerz eindrucksvoll mit der Freude am Leben. „Stripped“ bollert auch nach 40 Jahren noch gewaltig. „A Pain That I’m Used To“ ist in der Liveversion ein Kultstück. Ihre perfekten Poplieder „Everything Counts“, „Enjoy The Silence“ und „Precious“ haben nichts von ihrer Kunst verloren.
Vielleicht noch wichtiger: Es gibt vier neue Songs. „In The End“ zeigt einmal mehr Sarkasmus, der auf Zuckermelodie trifft: „We’re all nothing / In the end“. Die Ode an die Dystopie „Life 2.0“ erinnert mit ihrer repetitiven Art ein wenig an Kraftwerk. „Give Yourself To Me“ vereint eingängige Strophen mit hymnischem Instrumentalausbruch im Refrain. Das von Gore und Gahan gemeinsam geschriebene „Survive“ klingt wie eine Depeche-Mode-B-Seite, von der sich viele Künstler wünschen würden, sie würden das als A-Seite hinbekommen.