„Zwischen Fernweh und Heimweh / Mein Leben ist wie ein Hotel“: Dieser Text ziert das Booklet des neuen Albums „Hotel“, das Johannes Oerding veröffentlicht hat. Wie ein Hotel sei auch sein ganzes Leben. Er sei immer unterwegs, lebe aus dem Koffer – und leide zuweilen unter der Einsamkeit während der stillen Stunden eines Tages.
Dabei geht es ihm mittlerweile wieder gut, könnte man vermuten: Zwar besingt Johannes Oerding auf dem aktuellen Album auch die gescheiterte Beziehung zu seiner Ex-Partnerin Ina Müller, aber schon ein paar Tracks später folgt Licht am Ende der Verzweiflung: Im Duett von Oerding und Peter Maffay „Märchen aus Hollywood“, einer Ballade, schwärmen beide Musiker in höchsten Tönen von dem Beginn einer märchenhaften Beziehung. Und daraus lässt sich unschwer folgern: Offenbar gibt es wieder eine neue Frau an seiner Seite –
über die Beziehung hält er sich aber bedeckt.
Es verwundert dennoch nicht, dass diese CD einen positiven Grundton besitzt. Eingängige, optimistische Popsongs, die zuweilen aber trotzdem zum Nachdenken animieren sollen. Der Titel „Hamburger Regen“ ist nicht nur ein Loblied auf seine Wahlheimat Hamburg, sondern ein Seitenhieb auf eine ansonsten eher bodenlose nationale Verklärung. Denn Johannes Oerding schwärmt hier nicht von Linden, sondern besingt stattdessen das „Tor zur Welt“, wie die Stadt Hamburg oft genannt wird.
Hamburg ist eine der weltoffensten Städte Deutschlands. Hier fahren täglich unzählige Schiffe in andere Länder und zurück. Hier wohnen zahlreiche Musiker und Künstler. Und hier geht man ganz anders mit den kleinen alltäglichen Fehlern eines Menschen um, als es vielleicht in einem kleinen, abgeschotteten Dorf der Fall wäre.
Doch auch hier wird der Ton zuweilen rauer. Daher hat Johannes Oerding den Song „Eiszeit“ neu aufgenommen, ebenfalls mit Maffay als Duett-Partner. Trotzdem erinnert er sich auch immer wieder gerne an frühere Jahre. Der Song „Mehr Glück als Verstand“ ist eine sympathische, aber auch sehr treffende Bestandsaufnahme einer Künstlerbiografie und zeichnet ein versöhnliches Bild des „Älterwerdens“. Ein gelungenes Album.