Vom großen Fußballfieber vor der WM ist noch vergleichsweise wenig zu spüren. Ob das mit der Fußballweisheit zu tun hat, dass das Abschneiden der Nationalmannschaft irgendwie spiegelbildlich zum Zustand der Nation ausfällt? Was wir nicht hoffen wollen. Es reicht schon das Abschneiden beim Eurovision Song Contest. Drittletzter Platz für den deutschen Beitrag. Gehässige Kommentatoren meinen, das sei etwas überbewertet. Im Vorfeld haben wir schließlich selbst vor allem intensiv über die akrobatische Einlage diskutiert – über den Song selbst gab es ja auch nicht allzu viel zu sagen.
Wal Timmy alias Hope hat es auch nicht geschafft – was ernstzunehmende Experten vorausgesagt hatten. Auch hier war die mediale Show offenbar wichtiger als die Sache. Ein Spektakel, als ginge es heutzutage nicht mehr anders.
Geht es aber doch.
Glückwunsch SVE!
So klammheimlich, leise, ohne viel Brimborium, mal gerade in die 1. Liga zu den großen Bayern und all den anderen aufgestiegen, dass die Republik erst mal googeln musste, wo dieses Elversberg überhaupt liegt.
Dieser Erfolg hat durchaus etwas Historisches, sodass dabei eine andere beachtliche Erfolgsmeldung fast ein wenig untergegangen ist: der Spatenstich für die Ansiedlung des Pharma-Unternehmens Vetter auf dem Gelände des ehemaligen Ford-Werks.
Was in gewisser Weise ähnlich spektakulär ist, weil auch das das Land in eine andere Liga bringen könnte.
Die neuen Arbeitsplätze, die dort entstehen, sind enorm wichtig.
Aber fast noch wichtiger ist das grundsätzliche Signal: eine hochmoderne Großansiedlung, die wesentlich zur vielbeschworenen Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur beiträgt, natürlich verbunden mit den Erwartungen, dass sich auch damit der Blick auf das Saarland verändert.
Auch hier war der Weg nicht von allzu lautem Getöse, sondern von viel beharrlich-solider Arbeit begleitet, an der das Familienunternehmen Vetter seinen Anteil hatte. Das hat sich schließlich selbst auf ruhig-beharrlichem Weg aus einer kleinen Apotheke zum Global Player entwickelt.
Mal abgesehen von der zufälligen Gleichzeitigkeit sind die Parallelen durchaus bemerkenswert.
Oliver Hilt, Politik-Redakteur bei FORUM