Es ist schon bemerkenswert. Da hat sich das sonst viel gescholtene China klammheimlich zu einem wichtigen Klimaschützer gemausert, und hierzulande hat Fridays for Future Mühe, eine ansehnliche Demo zustande zu bringen. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass wir darüber heftig gestritten haben. Schließlich ist Schulschwänzen für ein noch so hehres Ziel nicht vorgesehen. Ansonsten, ja klar, Klima retten ist gut.
Paris mit dem 1,5-Grad-Ziel ist bekannt. Ob wir uns auch Belém merken müssen? Die COP 30 (30. Weltklimakonferenz) hat erstmal so angefangen, dass es kaum für Schlagzeilen reicht. Klimaschutzziele von Paris kaum noch erreichbar – bei dieser Headline gähnen selbst die Algorithmen. Was nicht der einzige Grund ist, warum das keine Klicks bringt.
Wir haben erstens andere Sorgen, zweitens uns daran gewöhnt und drittens: Mach’ mal nicht so ’ne Hektik! Erstmal verschieben wir die Zwischenziele auf später und machen dann alles „technologieoffen“, heißt, wir machen erst mal nichts und warten ab, ob uns ein Zauberstab in die Hände fällt, und Simsalabim: Alles wird gut.
Was weitgehend, aber nicht ganz stimmt. Auf Saarlands größter Baustelle, in Dillingen, wird gebaggert, gebohrt, geschweißt und was sonst noch dazugehört. Ehrgeiziges Ziel: Mit grünem Stahl die Pariser Klimaschutzziele erreichen.
Symptomatisch, dass Klimaschutz beim großen Stahlgipfel kein Thema war. Dafür war viel die Rede von offenen Märkten und Zöllen, regelbasiertem Handel und Protektionismus, einer unabhängigen Stahlindustrie. Schließlich wird Stahl für vieles gebraucht: Brücken, Autos, Rüstungsindustrie – ach ja, sogar für Windräder.
Zurück zu den Schulschwänzern: Müssten die morgen noch mal die Schulbank drücken, sie würden sich wohl demnächst im Krisenunterricht mit den Folgen verwässerter Klimaschutzpolitik beschäftigen.
Nun sagen immer noch die meisten Experten: Wir könnten die Pariser Ziele immer noch erreichen. Aber dann müssen wir jetzt richtig Ernst machen. Was auch wehtun und richtig Geld kosten wird.
Auch keine neue Erkenntnis.
Aber offenbar haben wir inzwischen nicht nur ein Umsetzungsproblem, sondern ein neues Erkenntnisproblem. Bis zum nächsten Jahrhunderthochwasser und zur nächsten Rekordhitze.