Zahlen lügen nicht. Mag sein, dass sich Statistiken so zusammenstellen lassen, dass sie ein gewünschtes Bild darstellen. Dafür kann aber die einzelne Zahl nichts. Vorausgesetzt, sie wurde nicht bewusst gefälscht, erfunden oder manipuliert, gibt sie zunächst einfach nur eine Tatsache wieder.
Etwa die Zahl 3.700. So viel muss im Schnitt ein pflegedürftiger Mensch in einem Heim im Saarland aufbringen. Pro Monat. Das ist gut doppelt so viel wie die durchschnittliche Rente (von Männern). Klar, dass das nicht aufgehen kann.
Das Defizit der Gesetzlichen Sozialen Pflegekasse dürfte bis Jahresende geschätzt bei 1,2 Milliarden Euro liegen. Auch das kann nicht aufgehen.
So weit, so klar – so unvollständig.
Was die Zahlen nicht zeigen: das tägliche doppelte Drama. Das Kümmern um die Pflegedürftigen – und die ständige Frage, wie das noch zu packen ist, zeit- und kraftmäßig – und finanziell.
Grund genug, um intensiv um eine Lösung dieses doppelten Dilemmas zu ringen.
Die einen haben vor allem das Defizit bei den Kassen im Blick und wollen folglich die Ausgaben, sprich Leistungen, senken. Die anderen sehen das Defizit, das sich bei Pflegebedürftigen und deren Angehörigen auftut, und wollen folglich eher die Einnahmenseite stärken.
Und dann weist ausgerechnet der Bundeskanzler auf ein drittes Problem hin: die Gerechtigkeitsfrage. Wie bei Krankenversicherung und Altersversorgung klaffen auch bei der Pflege erhebliche Lücken zwischen gesetzlich und privat Versicherten.
Solange die gesetzlichen Systeme stabil, verlässlich und auskömmlich waren, war das kein allzu großes Problem. Das hat sich geändert. Und damit auch die Wahrnehmung. Der Ruf nach ausgleichender, solidarischer Gerechtigkeit ist folglich mehr als nachvollziehbar.
Wer dabei vor einer Neiddebatte warnt, befördert genau diese angesichts der Zahlen und Wahrnehmungen.
Das Mindeste ist ein akzeptabler solidarischer Ausgleich zwischen den Systemen. Dann wäre der Schritt zur Bürgerversicherung nicht mehr weit. Ob die wirklich ein derartiges Teufelszeug wäre, wie manche meinen, ist gar nicht ausgemacht. Erst recht im Vergleich dazu, wohin eine dauerhaft als ungerecht empfundene Situation führen kann.