Die Gefahr lauert überall. Keine Ecke mehr, in der nicht zuckende Finger kleine oder größere Scheiben traktieren. Bisweilen bewundere ich die Fingerakrobatik, und die Bewunderung wächst, wenn lange, bunte Fingernägel die Treffsicherheit eigentlich massiv beieinträchtigen müssten.
Jedenfalls ist aus simplem Alltagserleben plausibel, was zahllose Studien belegen: In den kleinen flachen Dingern steckt ein Stoff, der süchtig machen kann und ein Leben vorgaukelt, das so gar nicht mit der übrigen Welt zusammenpassen will.
Kein Wunder, wenn der spontane Reflex Verbote und Regulierungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen fordert. Dass die Vorschläge dazu an Regeln für den Umgang mit Alkohol erinnern, ist kein Zufall. Klingt einigermaßen vernünftig und schien auch mir plausibel.
Bis mir mein junger Freund aus unserem Musikprojekt nach unserem letzten Konzert mitgeteilt hat, er wollte jetzt einen Youtube-Kanal aufmachen und unsere musikalischen Künste nicht nur unseren Fans hierzulande, sondern gleich der ganzen Welt vorführen. Soll ich dem sagen: Zügele mal deine Kreativität noch zwei Jahre, bis du 14 bist?
Die Forderung nach Jugendschutz angesichts der nachgewiesenen möglichen seelischen und sozialen Folgen von Social-Media-Nutzung ist nachvollziehbar (siehe auch Bericht S. 40). Sie verkennt aber die positive Seite der Medaille.
Und trifft nicht die, die die süchtig machenden Faktoren gezielt implementieren, weil sie davon profitieren. Und hilft auch nicht denen, die selbst einigermaßen verunsichert sind: Eltern, Erziehungsberechtigte, auch Lehrpersonal, die nicht so recht wissen, wie sie Kinder und Jugendliche im guten Umgang mit der schönen neuen Welt begleiten können. Mag sein, dass Verbote und klare Regeln für sie eine Erleichterung wären.
Es gibt einigermaßen klare Vorstellungen, welche Voraussetzungen Plattformanbieter für sogenannte Jugendversionen erfüllen müssten. Die Durchsetzung erfordert Energie.
Mehr als die Debatte um Altersgrenzen von 13, 14, 15 oder 16 Jahren, die wir gleichzeitig führen müssen, wissend, dass damit nicht alle Probleme zu lösen sind.