Die närrischen Tage nähern sich ihren Höhepunkten. Verlässlich, mit allem, was dazu gehört, inklusive Rathaus-Erstürmungen. Nur kurz zur Klarstellung, weil in diesen Zeiten ja so vieles nicht mehr so sicher ist: Es handelt sich dabei um ein symbolisches Spiel, nach klarem Ritual, friedlich und heiter. Und niemand hat die Absicht, daran etwas zu ändern.
Das Mitführen von Kettensägen ist untersagt, goldene Geschenke nicht nötig. Prinzen und Prinzessinnen sind per se dem närrischen Volk gewogen und neigen eher dazu, für die prinzipale Ehre ein bisschen eigenes Vermögen zu investieren. Das Volk selbst dankt es mit einem Treiben, das so bunt und vielfältig ist wie nur irgend möglich.
Alles Sitten, die für einige Leute ein ziemlich sicheres weiteres Indiz dafür sein dürften, dass es mit einem Volk mit derartigem buntem Lifestyle nur den Bach runtergehen kann.
Apropos Lifestyle: Es soll ja Leute geben, die sich kurz vor den närrischen Tagen noch mit Ideen bemerkbar machen, womöglich angetrieben vom unbedingten Ehrgeiz, auf den letzten Drücker doch noch Eingang in Büttenreden finden zu können.
„Kein Recht auf Lifestyle-Teilzeit“ ist so eine Idee mit großen Chancen, formuliert vom Wirtschaftsflügel der Bundes-CDU. Der Widerspruch ließ nicht lange auf sich warten, selbst aus den eigenen Reihen, auch von der Saar-CDU.
Da geriet jeder Versuch, sich dem Thema sachlich zu nähern, zu einem ziemlich bemüht wirkenden Unterfangen. Was nämlich getroffen hat, sind die unterschwelligen Töne in der Formulierung „Lifestyle“. Nicht nur, dass die Begriffsverwendung völlig überflüssig wäre, wenn es um die Sache gehen sollte. Eine andere Debatte mit ähnlich unterschwelligem Tonfall wenige Tage zuvor war da erst gerade abgeebbt, nämlich die über telefonische Krankschreibung.
Und dann wundern sich einige, wenn sich der Eindruck breitmacht, so mancher von denen in der „großen Politik“ hätte reichlich wenig Ahnung von der praktischen Realität des Lebensalltags.
Da kommt Fastnacht gerade recht, mit der guten Tradition, „den Mächtigen den Spiegel vorzuhalten“ und im närrischen Treiben so manche Narretei zu entlarven. Davon gibt es derzeit wahrlich mehr, als sich in nur einer Session überhaupt verarbeiten lässt.