Die Erde ist erschöpft. Und wir sind es auch. Das ist zu flapsig? Mag sein. Aber von der Hand zu weisen ist es nicht.
Ja, wir sind erschöpft, und ganz nebenbei auch überdrüssig mit dem ständigen Hin und Her.
Zumal dabei nichts Neues zu entdecken wäre. Im Gegenteil. Am 10. Mai haben wir es geschafft, für dieses Jahr so viele Ressourcen zu verbrauchen, wie die Erde regenerieren kann. Ab jetzt leben wir auf deren Kosten. Na und? Machen wir doch schließlich seit mehr als einem halben Jahrhundert. Warum also aufregen über diesen World Overshoot Day?
Schließlich haben wir Krise und Krieg. Krieg, bei dem es um Öl geht – und unsere Spritpreise.
Die subventionieren wir lieber runter, als vernünftigerweise zu sparen. Was womöglich unserem Geldbeutel, mit Sicherheit aber unserer Erde helfen würde. Wir bauen auch gerne noch länger Verbrenner-Autos und installieren Heizungen, die nach Öl und Gas rufen, weil das „technologieoffen“ ist.
Es kommt einem alles vor wie aus den 1970er Jahren. Ist es auch.
Das war übrigens die Zeit, als unsere Ressourcenverbrauchsbilanz noch gerade aufging und trotzdem der Club of Rome weitsichtig vor dem Unfug warnte, den wir in der Folge angestellt haben.
Ja, das erste Heizungsgesetz hat Proteste herausgefordert. Aber muss man dann gleich ein neues machen, das so fossil daherkommt? Oder weiter Autos produzieren, für die andere jetzt schon das Museum bauen? Oder mit Spritsteuersenkung auf Einnahmen verzichten, die wir dringend bräuchten, statt kostenlos ein Tempolimit einzuführen, das überall sonst Normalität ist?
Fast schon überflüssig, zu erwähnen, dass eine Mehrheit hierzulande keineswegs die Fortschritte in Sachen Klima- und Umweltschutz einfach nur zurückdrehen will. Nur soll es in der Umsetzung fair und gerecht zugehen. Ideen und Konzepte dafür gibt es reichlich.
Alles zurück in die fossile Welt ist jedenfalls nicht überzeugend. Das spüren die Menschen. Selbst wenn sie sich gegen Veränderungen erst einmal sträuben, ist den allermeisten klar, dass es notwendig ist.
Auf Dauer fast doppelt so viel verbrauchen, wie zur Verfügung steht, kann nun mal nicht gut gehen.