Jetzt ist es also raus. Oder doch nicht? Als Antwort bietet sich an: Hängt davon ab, wen man fragt. Es geht um die Rente mit 70.
Große Schlagzeilen künden: Es wird so kommen. Die Experten, die dafür Vorschläge machen sollen, sagen: Wir haben noch über nichts entschieden (siehe auch Bericht Seite 44).
Egal, Hauptsache, es wird wieder heftig diskutiert, bevor überhaupt klar ist, ob wir wirklich darüber streiten müssen – oder es vielleicht ganz andere Vorschläge gibt.
Klar ist, dass bei der Rente mehr passieren muss als nur das Justieren kleiner Schräubchen. „Rente mit 70“ ist ein klassischer Triggerpunkt, der uns auf die berühmte Palme bringt. Da eine sachliche Debatte hinzukriegen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Trotz aller guten Vorsätze, die sich so mancher und manche in der Politik vorgenommen haben, mag als Lehre daraus hervorgehen, dass die allermeisten Menschen den öffentlichen Streit, zumal noch bei derart sensiblen Themen, so gar nicht schätzen.
Warum will es aber so gar nicht funktionieren? Hängt wieder davon ab, wen man fragt.
Die Dauerkrisen sind schuld, die Menschen sind gereizt, überfordert, überlastet. Das stimmt. Und es ist wohl auch nicht von der Hand zu weisen, dass der Medienbetrieb davon nicht unberührt geblieben ist.
Ohne eine empirische Analyse gemacht zu haben, ist „Streit“ wohl das meistgebrauchte Wort in Headlines. Derart inflationär, dass es als Normalfall erscheint.
Nun müssen wir natürlich dort, wo Streit herrscht, das auch so benennen. Aber ist immer gleich „Streit“, wenn Menschen für unterschiedliche Konzepte werben, die sie für gute Lösungen halten, und darum ringen, wie es möglichst gut hinzukriegen ist? Was aber schon mal komplizierter ist. Streit ist da einfacher und hat das größere Trigger-Potenzial.
Bei gesellschaftlichen Triggerpunkten, also Themen, die uns aufregen, geht es immer um Fragen von Zumutungen und damit um Gerechtigkeitsempfinden. Aus der Trigger-Falle rauszukommen, geht nur, wenn eine Lösung alle gleichermaßen in die Pflicht nimmt. Der Eindruck drängt sich aber bei den aktuellen Reformdebatten nun wahrlich nicht auf. Obwohl es an Ideen dazu nicht mangelt.
Bleibt die Hoffnung auf das Vorschlagspaket der Experten.