Spät gibt der 1. FC Saarbrücken einen sicher geglaubten Sieg in Ulm aus der Hand. Nun richten sich die Blicke nach Schweinfurt. Da muss unbedingt gewonnen werden.
Vor dem Spiel bei den Ulmer Spatzen hätten wohl die meisten im Lager der Blau-Schwarzen eine Punkteteilung unterschrieben. Ein Konkurrent im Kampf um den Klassenverbleib wurde auf Distanz gehalten, immerhin drei Spiele ist das Team nun ungeschlagen.
Doch das 1:1 im Donaustadion beim Zweitliga-Absteiger fühlte sich nicht nur wegen des Dauerregens wie eine kalte Dusche an. Eine Halbzeit unterstrichen beide Teams eindrucksvoll, warum sie da stehen, wo sie nun mal stehen. Ulm war aktiver, engagierter und präsenter. Der FCS verteidigte weitestgehend aufmerksam, hatte einige gute Balleroberungen, brachte es aber zu keinem Abschluss: „Wir hatten gute Momente, haben die Bälle aber teilweise zu leicht weggegeben“, sagte Trainer Argirios Giannikis nach der Partie.
Sontheimer kommt wieder in Form
Kapitän Patrick Sontheimer sah es so: „Wir haben Ballgewinne in interessanten Zonen, sind dann aber nicht konkret genug geworden.“ Der 27-Jährige wäre am Fuße der Schwäbischen Alb fast zum Saarbrücker Klassenerhalts-Helden geworden. 57 Minuten waren gespielt, als sich der zentrale, defensive Mittelfeldspieler ein Herz fasste und den Ball mit dem schwächeren linken Fuß in den rechten Winkel schlenzte. Danach ließ er den gesamten Frust der vergangenen Monate raus. „Ich war fast ein halbes Jahr verletzt, konnte der Mannschaft nicht helfen. Umso mehr freut es mich, dass es heute geklappt hat.“
Der FCS schien danach alles im Griff zu haben, zog sich aber zu weit zurück. „Wir waren nicht griffig genug in den Zweikämpfen, hatten zu wenig Kontrolle“, monierte der eingewechselte. Ulms Coach Pavel Dotchev wechselte alles ein, was er an Offensivkräften auf der Bank finden konnte. Einer von ihnen, Streli Mamba, erzielte nach einer schwachen Flanke von Abu-Bekir El-Zein den Ausgleich, nachdem FCS-Torwart Phillip Menzel der Ball durch die „Hosenträger“ gerutscht war. „Er sieht nicht gut aus, da brauchen wir nicht zu diskutieren. Aber da gibt’s keine Vorwürfe, solche Dinge passieren im Fußball. Er hat uns auch schon Spiele gerettet“, sagte Sontheimer.
Zur Wahrheit gehört auch, dass Rodney Elongo-Yombo und Sebastian Vasiliadis zuvor für die Entscheidung hätten sorgen können. Ob beim Schuss des eingewechselten Vasiliadis eine Ulmer Hand im Spiel war, wie ein TV-Kommentator gesehen haben wollte, lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen. Für Coach Giannikis stand ohnehin fest: „Wir hatten die Gelegenheiten und haben diese nicht optimal ausgespielt.“
So musste der FCS mit einem Punkt leben, der in der Endabrechnung noch Gold wert sein könnte. Doch so richtig zufrieden war niemand. „Wir machen kleine Schritte, haben wenig zugelassen. Darauf müssen wir aufbauen. Fußballerisch ist Luft nach oben“, sagte Kreativmann Kasim Rabihic. Am Sonntag muss der FCS zum abgeschlagenen Schlusslicht FC Schweinfurt. Ein Sieg ist absolute Pflicht, das wissen alle Beteiligten. „Wir dürfen die auf keinen Fall unterschätzen, müssen uns sehr seriös vorbereiten. In dieser Liga kann jeder gegen jeden gewinnen“, warnte Sontheimer, und Giannikis verwies auf vier Punkte aus zwei Spielen, die unter seiner Ägide eingefahren wurden. Der Klassenerhalt ist kein Wunschkonzert, sondern Millimeterarbeit“, sagte der Trainer und fügte hinzu: „Wir haben im ganzen Spiel nur eineinhalb Chancen zugelassen. Sicherlich müssen wir mit dem Ball noch selbstbewusster und mutiger werden. Es ist aber normal in der Situation, dass es ein bisschen Zeit braucht, um zu wachsen. Aber ich sehe eine Tendenz nach oben.“ Personell warf das Unentschieden in Ulm abermals die Frage auf, ob der Kader so gut ist, wie er von vielen Experten vor der Saison gemacht wurde. In der Offensive hängt nahezu alles von der Tagesform Florian Picks ab. In Ulm gelang ihm wenig, er übertrieb zudem das Einzelspiel. Kai Brünker, beim Sieg gegen Stuttgart mit aufsteigender Form, fiel aufgrund eines Infekts aus. Zuvor hatte er bereits zwei Spiele aufgrund einer Bänderverletzung verpasst. Dominic Baumann, abermals von der Tribüne in die Startelf beordert, blieb blass. Der eingewechselte Schmidt bemüht sich, ist aber kaum torgefährlich. Im zentralen Mittelfeld sticht nur Sontheimer heraus. Tim Civeja arbeitet defensiv zu wenig, Elijah Krahn, der in Ulm den Vorzug erhielt, wirkt phlegmatisch.
Kreativ kommt von beiden ohnehin zu wenig. Mit „zu wenig“ ist die desaströse Bilanz bei Standardsituationen ohnehin noch zu positiv beschrieben. Nur zwei Treffer gelangen dem FCS. Selbst Schweinfurt und Havelse haben öfter getroffen. Unter der Woche übernahm Giannikis selbst das Kommando bei ruhenden Bällen. Offenkundig hat er nach wenigen Tagen bemerkt, dass das Knowhow im Trainerstab begrenzt ist. Für den neuen Sportvorstand Markus Thiele steht viel Arbeit an. Bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte in Ulm wurde er nur wenig freundlich begrüßt. Die Stimmungslage in Saarbrücken wird ganz entscheidend vom Ausgang der Partie in Schweinfurt abhängen.