Drei Fragen
„Wir sind wieder komplett im Zeitplan“
Die A 100 zwischen Funkturm und Spandauer Damm in Berlin wird wohl in einem Jahr wieder durchgängig befahrbar sein. Davon geht Projektleiter Christian Rohde von der DEGES GmbH aus.
Herr Rohde, vor einem halben Jahr war Spatenstich für die neue Ringbahnbrücke. Haben Sie die Herausforderungen in Gänze richtig eingeschätzt?
Ich bin gerade erst zwei Monate vor dem unumgänglichen Abriss der beiden Brücken in meine Funktion gekommen. Die Komplexität und auch der Termindruck sind sehr groß. Gar nicht mal wegen der Bauwerke. Es ist europaweit einer der am dichtesten befahrenen Autobahnabschnitte, an dem obendrein die A 100 auf einen Bahnknotenpunkt trifft. Wir von der Autobahn GmbH und die Bahn AG müssen ganz eng zusammenarbeiten. Es geht um Totalsperren für die Bahn, um die neuen Brückenbauwerke der Autobahn zu errichten. In 30 Berufsjahren die größte Herausforderung.
Ein harter Winter liegt hinter uns, ist trotzdem alles weiterhin im Zeitplan, die Ringbahnbrücke im Sommer 2027 fertig?
Prinzipiell ist der Winter an uns nicht spurlos vorbeigegangen, dafür hat uns das Frühjahr echtes Bauwetter beschert. Die Kollegen an den Brücken haben natürlich alles gegeben, alle Arbeiten auch unter Frostbedingungen durchgeführt. Klingt komisch, aber Beton und Stahl sind sehr sensible Werkstoffe, ab bestimmten Temperaturen unter null dürfen sie nicht mehr ver- und bearbeitet werden. Das gilt auch für Bodenarbeiten, aber wir sind jetzt wieder komplett im Zeitplan.
Abgesehen vom Wetter, was ist für Sie die größte Herausforderung: die Koordinierung der Bauarbeiten an den Autobahnbrücken oder mit der Bahn?
Das ist auf jeden Fall das Komplizierte. Zwei Hauptverkehrsmittel Berlins treffen am Kreuz Funkturm aufeinander. Herausforderung bei der Bahn: Hier laufen S- und Regionalbahn zusammen, dazu kommt dann noch der IC- und ICE-Fernverkehr. Für Brückenbaumaßnahmen über die Gleise hinweg müssen alle Strecken gesperrt werden! Für die Bahn eine Riesenherausforderung, für uns Autobahnbauer nicht minder. Für die Baumaßnahmen an den neu zu stellenden Brückenelementen haben wir klare Zeitfenster, in denen wir fertig sein müssen. Ansonsten bringen wir deutschlandweit den gesamten Bahnverkehr komplett aus dem Takt.
Interview: Sven Bargel
Erschöpfte Erde
Deutschland hat bereits am 10. Mai so viele Ressourcen verbraucht, wie die Erde natürlich regenerieren könnte. Das heißt: Ab jetzt leben wir auf Kosten von Natur und Umwelt. Der „Erdüberlastungstag“ (World Overshoot Day) wird vom Global Footprint Network (Netzwerk Globaler Fußabdruck) jährlich weltweit und für die einzelnen Staaten berechnet. Rein rechnerisch bedeutet es, dass Deutschland die Ressourcen von 1,8 Erden pro Jahr verbraucht. Dieser Wert ist seit den 1970er-Jahren, als das Verhältnis noch ausgeglichen war, kontinuierlich gestiegen. Lediglich während der Pandemie gab es einen kurzzeitigen Rückgang (Stichwort: Lockdown). Ermutigend allerdings: Die Entwicklung hat sich deutlich verlangsamt, unter anderem durch den Anstieg erneuerbarer Energien. Problembereiche blieben in Deutschland aber weiter energieintensive Industrien, Wohnung und Verkehr.
Biontech baut Stellen ab
Das Mainzer Medikamentenunternehmen Biontech wird seine Covid-Impfstoffherstellung in Deutschland einstellen und alle seine deutschen Produktionsstandorte schließen. Bis zu 1.900 Stellen sollen gestrichen werden. Im Laufe des Jahres werde man „die letzten Chargen“ des Covid-Impfstoffs Comirnaty in Deutschland herstellen, kündigte eine Unternehmenssprecherin an. Die Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen sollen bis Ende 2027 geschlossen werden, das in Singapur bereits Anfang 2027. An den Unternehmensstandorten Mainz, Berlin und München wolle man jedoch festhalten. Bereits Mitte März hatten die beiden Biontech-Gründer Özlem Türeci und Ugur Sahin überraschend ihren Rückzug zum Jahresende angekündigt. Nun soll sich das Unternehmen neu ausrichten. Man wolle sich künftig verstärkt auf die Entwicklung von Krebs-Medikamenten konzentrieren. Mit dem Umbau reagiert Biontech auf die stark gesunkene Nachfrage nach Corona-Impfstoffen.
Weniger Stromverbrauch
Der Stromverbrauch in Deutschland ist erneut leicht gesunken und lag im vorigen Jahr bei knapp 500 Terawattstunden (TWh), trotz einer Zunahme von mehr E-Mobilität und vor allem dem Zubau von Wärmepumpen. Wobei die Stromerzeugung in Deutschland bei 440 TWh lag, und diese stammte zu 62 Prozent aus erneuerbaren Energien. Der Rest musste aus dem Ausland zugekauft werden. Der ehemalige Bundeswirtschafts- und Energieminister Robert Habeck (Grüne) hatte bei seinem Amtsantritt im Dezember 2021 noch einen Verbrauch bis 2030 von gut 750 Terawattstunden Strom vorhergesagt. Damals lag der Verbrauch bei fast 560 TWh. Unterm Strich ein Rückgang von 60 Terawattstunden innerhalb von vier Jahren. Energieexperten sind sich noch nicht ganz klar, ob dies an den privaten Verbrauchern liegen könnte, die aufgrund der erheblichen Preissteigerungen weniger Strom verbrauchen. Die anhaltende lahmende Konjunktur dürfte sich jedenfalls auf den Verbrauch von Industriestrom auswirken.
Sorge um Sommer-Flugreisen
Angesichts der angespannten Versorgungslage bei Kerosin streichen Airlines weltweit ihr Angebot, so die „Financial Times“ unter Berufung auf eine Übersicht des britischen Datenspezialisten Cirium. Demnach haben Fluggesellschaften alleine in der zweiten Aprilhälfte weltweit zwei Millionen Sitzplätze aus dem Programm genommen. Insgesamt lag die Zahl der verfügbaren Sitzplätze im Mai noch bei 130 Millionen, nach 132 Millionen im April. Zudem steigen viele Airlines auf kleinere Jets um, was Sprit spart, so auch die Lufthansa. Bis Oktober fallen 20.000 Kurzstreckenflüge weg. Dazu überlegt die Airline, mehrere Jets komplett stillzulegen. In Deutschland liegt der Kerosinpreis (Jet A-1) derzeit für die allgemeine Luftfahrt bei etwa drei Euro pro Liter. Damit dürften sich auch die Flugpreise vor den bevorstehenden Sommerferien noch weiter erhöhen. Nun hat das Bundeskabinett eine Senkung der Luftverkehrssteuer zum 1. Juli dieses Jahres beschlossen, um die deutsche Luftfahrtbranche zu stärken. Die Steuer wird um etwa 16 Prozent auf das Niveau vor der Erhöhung 2024 gesenkt.
Banken
Commerzbank bedroht
Die italienische Bank Unicredit erhöht den Druck auf die Commerzbank. Wie angekündigt hat Unicredit ein Kaufangebot für sämtliche Anteile des Dax-Konzerns offiziell vorgelegt, einen Tag, nachdem ihre Anteilseigner der dafür notwendigen Kapitalerhöhung zugestimmt hatten. Die italienische Großbank hält bereits knapp 30 Prozent an der Commerzbank und will nun bis zum Ablauf des 16. Juni weitere Anteile kaufen. Doch die Bundesregierung lehnt dies bislang vehement ab. Der Bund hält an der Commerzbank immerhin noch zwölf Prozent, nachdem das Kreditinstitut im Zuge der Finanzmarktkrise 2008 vom Bund komplett übernommen werden musste. Unicredit-Chef Andrea Orcel gibt sich ob der Haltung der Bundesregierung gelassen. „Wenn sie nicht verkaufen wollen, haben wir in Deutschland einen starken Partner, nämlich die Regierung. Und das ist großartig“, so Unicredit-Chef Orcel doch recht selbstbewusst.
Bezahlen mit Smartphone
Immer mehr Deutsche greifen an der Kasse zu Smartphone, Smartwatch oder Karte. Zwei Drittel der Bevölkerung zahlen selbst kleinste Beträge digital. Insgesamt jede und jeder Zehnte zahlt inzwischen sogar mehrmals täglich mit Smartphone oder Smartwatch, weitere 22 Prozent täglich, so Alina Bone-Winkel, Expertin für Digital Finance vom Digitalverband Bitkom. Überraschend: Darunter sind ein Drittel Seniorinnen und Senioren, die mit Smartwatch oder Smartphone zahlen. Damit haben über 66 Prozent der Deutschen insgesamt in den vergangenen zwölf Monaten vor Ort mindestens einmal mit Smartphone oder Smartwatch kontaktlos bezahlt. Noch vor drei Jahren waren es gerade mal die Hälfte. „Smartwatch und -phone oder Karte erfreuen sich beim Bezahlen wachsender Beliebtheit, weil sie ein sicherer, schneller und bequemer Weg an der Kasse sind“, so Alina Bone-Winkel von Bitkom.
Regierung
Wirtschaftsrat besorgt
Auf der Tagung des CDU-Wirtschaftsrats versuchte Bundeskanzler Friedrich Merz die schlechte Stimmung zu retten, was ihm aber nicht wirklich gelang. Bei seiner Rede vor dem wichtigen CDU-Gremium verließen einige Delegierte demonstrativ den Saal. Erklärung von Astrid Hamker, Präsidentin des Wirtschaftsrats der CDU: „Von einem Bundeskanzler erwarte ich mir noch deutlich mehr Führung.“ Er müsse, so Hamker, „von seiner Richtlinienkompetenz mehr Gebrauch machen“ und dürfe nicht zulassen, dass die internen Konflikte seiner Koalition das Land lähmten. Ein Jahr nach dem Start der schwarz-roten Koalition sind die Umfragewerte für die Koalition im Keller. Die Zufriedenheit mit der Regierungsarbeit und dem Bundeskanzler ist auf einem Tiefpunkt.
Saarland macht Sprung bei Digitalisierung
Das Saarland hat in Sachen Digitalisierung einen großen Schritt nach vorne gemacht. Im Länderindex des Digitalverbandes Bitkom hat sich das Land von Platz zwölf auf Platz sechs verbessert und liegt nun mit 61,7 (von 100 möglichen) Punkten nur knapp hinter Baden-Württemberg (61,8). Ermittelt wurde das Ranking für vier Bereiche. In Sachen „digitale Gesellschaft“ (73,2 Punkte) belegt das Saarland sogar Platz eins. Im Bereich Wirtschaft liegt das Land auf Platz sechs. Aufholbedarf für das Saarland gibt es offenbar noch in Sachen Verwaltung und Infrastruktur (jeweils Platz zehn).
Insgesamt Spitzenreiter ist Hamburg, das als einziges Land über 70 Punkte erreicht hat. Dahinter folgen Berlin, Hessen und Bayern.
Das Bitkom-Ranking wird alle zwei Jahre veröffentlicht. Dazu werden Statistiken und Studien ausgewertet und Bürger repräsentativ befragt.
Zweiter Pflegetag
Am 22. Mai findet der zweite Pflegetag Saarland statt. Unter dem Motto: „Starke Pflege kennt keine Grenzen“ gibt es ein umfangreiches Informations- und Unterhaltungsangebot auf dem Saarbrücker Schlossplatz, einen „lebendigen Treffpunkt rund um das Thema Pflege“, wie die Veranstalter sagen. Die Angebote richten sich sowohl an Pflegekräfte als auch an Studierende, Auszubildene, alle, die am Pflegeberuf interessiert sind, und letztlich alle Bürgerinnen und Bürger, die sich zum Thema Pflege informieren wollen. Es gibt 70 Fachstände, Podiumsgespräche, aber auch ein abwechslungsreiches Kulturprogramm, das unterstreicht: Pflege ist vielfältig. Veranstalter sind die Konzertierte Aktion Pflege Saar, das Gesundheitsministerium, die Arbeitskammer, Uni- und Winterbergklinik und in Kooperation das mexikanische Konsulat. Termin: 22. Mai, 10 bis 17 Uhr, vor dem Saarbrücker Schloss.
Bundeswehr
Musterung in Saarlouis
Seit Beginn des Jahres haben junge Menschen ein Schreiben bekommen, in dem sie unter anderem ihr mögliches Interesse an einem Dienst in der Bundeswehr bekunden sollen. Männer müssen darauf antworten, Frauen dürfen. Es dient zunächst der Wehrerfassung, die seit dem Aussetzen der Wehrpflicht auch ausgesetzt war. Das gilt auch für Musterungen. Aus den ehemaligen Kreiswehrersatzämtern wurden Karrierecenter der Bundeswehr. Jetzt soll die Bundeswehr wieder wachsen, möglichst auf freiwilliger Basis. Voraussetzung ist dann auch eine Musterung. Dafür werden bundesweit Musterungszentren aufgebaut. Für das Saarland wird das am Standort Saarlouis erfolgen. Erste Musterungszentren sollen noch 2026 ihre Arbeit beginnen, bis Anfang 2027 soll die neue Musterungsorganisation stehen.
Luxemburg
Regierungspartei verliert
Nicht nur die deutsche Regierungskoalition verliert an Ansehen. Auch die Luxemburger Koalition würde – wenn jetzt Wahlen wären – keine Mehrheit mehr bekommen. Vor allem die konservative CSV (vergleichbar mit der CDU) mit ihrem Premierminister Luc Frieden müsste gegenüber den Wahlen 2023 einen Verlust von acht Prozentpunkten hinnehmen. Der Koaliionspartner, die liberale DP, würde zwar leicht gewinnnen, aber zusammen würde es nicht mehr für eine Mehrheit in der Luxemburger Chamber (Parlament) reichen. Die Oppositionspartner könnten alle leichte Zugewinne erzielen, am meisten die Linke (plus 2,2 Punkte) und die Luxemburgische Arbeiterpartei LSAP (plus 2,3 Punkte). Die Grünen würden 1,2 Punkte gewinnen, die ADR (vergleichbar der AfD) ein Plus von 1,8 Punkten. Für die Regierungsbildung wären folglich mindestens drei Koalitionspartner erforderlich. Bis zur nächsten regulären Wahl dauert es. Die findet erst 2028 statt.
Wiegand will’s wissen
Blickpunkt Europa
Der Sommer steht vor der Tür – für viele Europäer die wichtigste Zeit des Jahres. Millionen reisen an Küsten, in Städte, auf Inseln. Urlaub gilt als Ausdruck von Freiheit, Wohlstand, Lebensqualität.
Doch dieses Modell gerät zunehmend unter Druck. Die Schattenseiten der Erfolgsgeschichte: Massentourismus verändert Städte, treibt Preise, verdrängt Einheimische. Orte, einst für ihre Authentizität geschätzt, werden Kulisse einer globalen Freizeitindustrie.
Besonders im Süden Europas wird die Belastung sichtbar. An der kroatischen Adria stößt Infrastruktur an Grenzen. In Barcelona wird Wohnraum knapp. Doch auch abgelegenere Regionen sind betroffen – die norwegischen Lofoten-Inseln melden Besucher-Tsunamis.
Hinzu kommt die ökologische Dimension. Flüge, Kreuzfahrten, Ressourcenverbrauch: Europas Reisestil steht im Widerspruch zu eigenen Klimazielen. Der Wunsch nach Erholung kollidiert mit Belastungsgrenzen eines ohnehin strapazierten Planeten. Zugleich bleiben viele Orte wirtschaftlich abhängig vom Tourismus – ein Ausstieg ist kaum möglich.
Die zentrale Frage ist ungelöst: Wie lassen sich individuelle Freiheit und kollektive Verantwortung vereinbaren? Die Antworten bleiben widersprüchlich. Manche Orte begrenzen Besucherzahlen. Andere setzen weiter auf Wachstum. Touristen mögen keine Regulierung.
Urlaub ist damit längst ein Politikum. Er spiegelt Europa im Spannungsfeld zwischen Wohlstand und Wandel, zwischen Offenheit und Überforderung. Und doch: Der Sommer wird kommen, die Strände werden voll sein, die Flüge ausgebucht. Das Wandern ist eben des Müllers Lust. Gönnen wir’s ihm!
Wolf Achim Wiegand ist freier Journalist mit EU-Spezialisierung.