Drei Fragen
Stabiles Spendenaufkommen
Es seien vor allem die vielen Spender, die selbst wenig Geld haben und trotzdem Misereor regelmäßig mit kleineren Beträgen unterstützen, freut sich der Vorstand des Hilfswerks Misereor, Pfarrer Andreas Frick.
Herr Dr. Frick, wie groß ist die Spendenbereitschaft angesichts der angespannten Haushaltslage
in Deutschland?
Wir sind uns sehr bewusst, dass auch in Deutschland Menschen zu wenig Geld für den Alltag haben, dass Reserven aufgebraucht sind. Wir gucken in die Welt insgesamt und sehen, dass es da eine noch viel eklatantere Armut gibt. Da gibt es Menschen, die von der Hand in den Mund leben, die am Anfang einer Woche nicht wissen, wie sie am nächsten und übernächsten Tag dastehen. Und wir versuchen, auch diese Menschen nicht zu vergessen, obwohl es viel Solidarität auch in unserem Land geben muss. Und viele nicht so begüterte in Deutschland unterstützen uns weiter nach Kräften.
Wie hoch war das Spendenaufkommen bei Misereor im letzten Jahr?
Wir haben fast 60 Millionen Euro eingenommen, das sind zwar ungefähr zwei Millionen Euro weniger als im Vorjahr, aber es ist eine starke Zahl, ein tolles Bekenntnis der Menschen in Deutschland. Unter unseren Spendern sind Menschen, die haben sehr viel geerbt, die haben sehr viel verdient, die geben dann entsprechend großzügig. Aber es gibt auch viele Menschen, Junge, Alte, mitten im Berufsleben Stehende, die trotzdem wenig haben, trotzdem jeden Monat zwei Euro geben. Das ist gelebte Solidarität für die Ärmsten der Welt, durch alle Generationen, durch alle Einkommensschichten in Deutschland, das macht mir, macht uns Mut.
Warum sind gerade in dieser Zeit Spenden für Misereor, aber auch andere Hilfswerke, so wichtig?
Eine simple Frage, hinter der sehr viel mehr steckt, als man denkt. Und wie gesagt, die Höhe der Spende ist nicht entscheidend. Es gibt Projekte, die mit relativ wenig Geld ganz viel bewirken, das wissen wir von Wasserprojekten, das wissen wir von kleinen, bäuerlichen Betrieben, die selbst mit ein paar Ziegen, mit ein paar Quadratmetern viel in ihrer Region ausrichten können. Sie können gesund für die eigene Ernährung arbeiten und ein bisschen was verkaufen, um damit Schulgeld zu bezahlen. Da reichen oft wenige kleine Spenden in ein Netzwerk von guten Ideen, und da kommt eine ganze Region von ganz allein wieder auf die Füße.
Interview: Sven Bargel
E-Autos werden immer günstiger
Elektroautos sind in den vergangenen fünf Jahren deutlich billiger geworden. Inflationsbereinigt sanken die Listenpreise von 2020 bis 2025 um 18 Prozent, wie eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) und des International Council on Clean Transportation (ICCT) ergab. Die Preise für Verbrenner legten im gleichen Zeitpunkt inflationsbereinigt um zwei Prozent zu. Damit verschieben sich die Kosten pro Kilometer klar zugunsten der Elektroautos. Rechne man die aktuelle Entwicklung, steigende Stückzahlen und sinkende Batteriepreise, weiter, dürften bis etwa 2030 Elektroautos in Europa gleich viel kosten wie vergleichbare Verbrenner, sagt Prof. Patrick Plötz vom Fraunhofer Institut. „Bei den Gesamtkosten pro Kilometer wären sie dann klar günstiger.“ Erfahrungen aus anderen Märkten zeigten, dass bei gleichen Preisen Elektroautos auf rund 50 Prozent Marktanteil kämen.
Saar-Abgeordnete mit einer Ausnahme auskunftsfreudig
Die saarländischen Bundestagsabgeordneten sind in den vergangenen zwölf Monaten dialogbereiter geworden: Das zeigt das Antwortranking des unabhängigen Dialogportals „Abgeordnetenwatch“. Dort können Bürgerinnen und Bürger Anfragen an ihre Abgeordneten in den Parlamenten schicken. Die saarländischen Abgeordneten haben in diesem Zeitraum 82 von 94 insgesamt gestellten Fragen beantwortet (Quote von 87 Prozent), mehr als im Vorjahr (64 Prozent). An der Spitze stehen Josephine Ortleb (SPD), Esra Limbacher (SPD) und Philip Hoffmann (CDU), die alle Fragen beantworteten. Es folgen Michael Arndt (Linke) und Roland Theis (CDU) mit 75 beziehungsweise 74 Prozent Antwortquote. Keine Fragen beantwortete Boris Gamanov (AfD). Wie überzeugend die Antworten inhaltlich ausfallen, bleibt dem Urteil der Fragesteller überlassen.
EU reformiert Emissionshandel
Die EU-Kommission hat Pläne für eine Lockerung des Emissionshandels vorgestellt. Kritiker befürchten eine Verwässerung der Klimaschutzziele. Die saarländische Stahlindustrie kritisiert, es gehe um „erhebliche kritische Änderungen“, was das Unternehmen vor „massive Herausforderungen“ stelle. Die Idee des Emissionshandels: Für jede Tonne CO2-Ausstoß müssen Unternehmen Zertifikate erwerben. Diese werden auf der Zeitachse immer weniger und damit teurer, was für Unternehmen ein Anreiz ist, CO2 einzusparen bis zum Ziel der europäischen Klimaneutralität 2050. Unter diesen Voraussetzungen hat die Saar-Stahlindustrie Investitionen von 4,6 Milliarden Euro zur Umstellung auf „grünen Stahl“ auf den Weg gebracht und ist damit Vorreiter. Weil das unter geänderten Bedingungen in Gefahr gerät, fordert sie daher Korrekturen an den Plänen, damit diese Investitionen gesichert werden und Planungssicherheit auf dem Weg zu grünem Stahl herrscht.
Kampf dem Steuerbetrug
Die Arbeitskoalition will härter gegen Steuerbetrüger vorgehen. Finanzminister Lars Klingbeil und Justizministerin Stefanie Hubig (beide SPD) stellten dazu einen Aktionsplan vor. Beim Zoll soll ein „Gemeinsames Zentrum gegen Steuer- und Finanzkriminalität“ eingerichtet werden. Dort sollen Analyse, Ermittlung und Verfolgung von Geldwäsche und Steuerkriminalität bundesweit gebündelt werden, um länderübergreifend agierende Organisationen besser aufspüren zu können. Dazu sieht der Aktionsplan vor, dass Selbstanzeigen nicht mehr generell zur Straffreiheit führen. Kriminelle sollten sich nicht mehr so einfach „freikaufen“ dürfen, heißt es in dem Papier. Besonders schwere Straftaten sollen stärker geahndet werden. Außerdem soll der Datenerwerb ausgebaut werden, um Steuerbetrügern auf die Spur zu kommen. „Wer unseren Staat und unsere Gesellschaft betrügt, darf damit nicht mehr so einfach durchkommen“, kündigte Finanzminister Klingbeil an.
Preiswertere Schuhe und Bekleidung
Eine neue Vorschrift in der EU-Ökodesign-Verordnung verlangt von großen Unternehmen in der EU, unverkaufte Kleidung und Schuhe künftig erneut in den Verkauf zu geben oder zu spenden. Es klingt paradox, aber seit Jahren ist es günstiger, Produkte zu entsorgen als sie zu lagern, aufzubereiten und dann erneut anzubieten und auszuliefern. Ausnahmen von dieser Regelung gelten etwa, wenn Ware beschädigt oder verschmutzt ist und nicht wiederverwendet werden kann. Vernichtet werden darf auch, was mehreren sozialen Einrichtungen als Spende angeboten, aber nicht innerhalb einer Frist angenommen wird. Diese Regelung gilt aber nur für große Anbieter, für kleinere Unternehmen treten die Vorgaben später in Kraft. Der Handelsverband Deutschland (HDE) geht davon aus, dass das Angebot an reduzierter Ware in den Geschäften steigen wird und auch Outlets durch ein größeres Angebot profitieren und damit am Ende sich die Kunden über mehr Sonderangebote freuen können.
Hitzeschutz für Schienen
Die extremen Temperaturen setzen europaweit den Bahnnetzen erheblich zu. In Frankreich, Deutschland, Österreich und der Schweiz führten die jüngsten Hitzewellen zu Gleisverformungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen und Zugausfällen. „Sobald die Temperaturen steigen und die Hitzewellen den üblichen Bereich verlassen, kommt die Infrastruktur schnell an ihre Grenzen“, sagt Patrick Braess von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Schienen können sich durch direkte Sonneneinstrahlung deutlich stärker erwärmen als die Umgebungsluft: bei 40 Grad Außentemperatur auf über 60 Grad. Besonders anfällig sind ältere Streckenabschnitte oder enge Kurven. „Langfristig müssen klimaangepasste Infrastruktur, widerstandsfähigere Materialien und neue Bauweisen die Schienennetze für häufigere Extremtemperaturen rüsten“, sagt Harald Loy, Institut für Infrastruktur der Universität Innsbruck.
Volkswagen
Nervenkrieg um Jobs
Beim Volkswagen-Konzern in Wolfsburg liegen die Nerven blank, nachdem VW-Chef Oliver Blume angekündigt hatte, dass vier Produktionsstandorte „keine wettbewerbsgerechte Belegung“ hätten und ohne Veränderung der Arbeitskosten bis 2032 insgesamt 50.000 Arbeitsplätze infrage stehen. Als betroffene Standorte gelten Neckarsulm (Audi), Emden, Zwickau und Hannover. Erwartungsgemäß gibt es wegen dieser eher vagen Aussagen von Oliver Blume Widerstand von Gewerkschaften, Betriebsrat und dem VW-Miteigentümer Niedersachsen. Blume ruderte nun zurück, „es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen“, versicherte Blume dann plötzlich via Bild am Sonntag. Doch damit herrscht in den Werken keineswegs jetzt wieder Ruhe. Die Arbeitnehmervertreter beklagen weiter, dass Blume „den betroffenen Beschäftigten außerhalb des Managements die genauen Pläne weiterhin vorenthält“. Nachdem er ein Gesprächs-Ultimatum der Betriebsratschefin Daniela Cavallo verstreichen ließ, soll Blume nach der Sommerpause in Betriebsversammlungen direkt vor den Kolleginnen und Kollegen in drei von vier betroffenen Werken Rede und Antwort stehen.
Mehr Rechte für Flugreisende
Bei verspäteten oder gestrichenen Flügen sollen Reisende in der EU künftig leichter ihre Rechte geltend machen können. Dafür gaben die EU-Länder in Brüssel endgültig grünes Licht nach jahrelangem Ringen um den Gesetzestext. Die Regeln sind voraussichtlich ab Mitte 2027 verbindlich. Haben Passagiere einen Anspruch auf Ausgleich, muss die Fluggesellschaft diese innerhalb von vier Tagen nach Ankunft elektronisch darüber informieren, wie sie die Entschädigung beantragen können. Verbraucher haben dann neun Monate Zeit für eine Antwort. Die Airline muss daraufhin innerhalb von 30 Tagen auszahlen oder den Reisenden mitteilen, warum sie in diesem Fall keine Entschädigung zahlt. Verbraucher bekommen auch einige neue Rechte, etwa bei den Zusatzkosten. So sollen Kinder unter 14 Jahren künftig im Flugzeug neben ihren Eltern sitzen dürfen, ohne dass Geld für die Sitzplatzreservierung fällig wird. Die Befreiung gilt auch für Schwangere sowie Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und Begleitung. Die Regeln für Entschädigungen bei verspäteten und gestrichenen Flügen sollen unverändert bleiben.
Bürokratieabbau
Erste lange Liste
Die Bundesregierung hat nach einjähriger Vorbereitung eine lange Liste von Maßnahmen zum Bürokratieabbau beschlossen. Damit, so Digitalminister Karsten Wildberger (CDU), sollen jährlich 600 Millionen Euro eingespart werden. Etliche Initiativen betreffen den Straßenverkehr. So sollen die Regeln für Taxi- und Mietwagenunternehmen vereinfacht und etwa die Pflicht zu einem Nachweis von Ortskenntnissen abgeschafft werden. Zudem reicht künftig das Kennzeichen von E-Autos statt zusätzlicher grüner Plakette aus, um in Umweltzonen in Innenstädten fahren zu dürfen. Arbeitslose sollen künftig mit dem Jobcenter per E-Mail verbindliche Vereinbarungen treffen können. Zustimmung fand auch ein Vorhaben aus dem Arbeitsministerium, die regelmäßige Prüfung elektrischer Anlagen und Geräte einzudampfen. Diese sollen nur noch bei Gefährdungspotenzial gelten. Bislang müssen von der Kaffeemaschine bis zur Großanlage alle zwei Jahre Funktionstüchtigkeit und Sicherheit überprüft und mit entsprechenden Aufklebern versehen werden.
Wiegand Will’s wissen
Blickpunkt Europa
Der Toaster streikt. Die Waschmaschine zeigt einen Fehlercode. Der Smartphone-Akku schwächelt. Allzu oft heißt es dann: neu kaufen, reparieren ist zu teuer, zu kompliziert oder unmöglich. Genau das will Europa ändern. Es ist eine der besten Entscheidungen aus Brüssel seit Langem: das „Recht auf Reparatur“. Klingt sperrig, ist aber vernünftig. Toaster wegen eines kleinen Defekts wegzuwerfen, ist weder nachhaltig noch wirtschaftlich. Und es kostet Geld. Geräte reparieren und länger nutzen spart bare Euros.
Künftig sollen Verbraucher defekte Geräte einfacher und günstiger instand setzen lassen können. Hersteller müssen für viele Produkte länger Ersatzteile bereitstellen, Reparaturinformationen zugänglich machen und Abhilfen nicht unnötig erschweren.
Davon profitieren nicht nur Verbraucher. Auch kleine Handwerksbetriebe und Reparaturwerkstätten erhalten neue Chancen. Wertschöpfung, Know-how und Arbeitsplätze bleiben vor Ort. Das ist Wirtschaftspolitik zum Anfassen.
Und der Kunde? Wer sich für eine Reparatur entscheidet, kann eine Verlängerung der gesetzlichen Gewährleistung um ein Jahr erhalten. So wird Reparieren eine echte Verbraucheroption.
Natürlich lässt sich nicht jedes alte Gerät retten. Manches lohnt nicht. Aber darüber sollte der Kunde entscheiden – und nicht ein Hersteller, der Reparaturen unnötig erschwert.
Ganz nebenbei spart jedes Gerät, das länger genutzt wird, Rohstoffe, Energie und Importe. Das schont Umwelt, stärkt Wirtschaft. Die Regelung zeigt: Manchmal beschließt Brüssel Gesetze, die den Alltag der Menschen tatsächlich einfacher machen. Dieses gehört dazu.
Wolf Achim Wiegand ist freier Journalist mit EU-Spezialisierung.