Drei Fragen
Kita-Sozialarbeit setzt bei Eltern an
Die Fähigkeiten zur sozialen Kompetenz seien in den vergangenen Jahren sehr ins Rutschen geraten – und das komme mittlerweile in den Kitas an, erläutert Sabine Clausen, eine der ersten Kita-Sozialarbeiterinnen Deutschlands.
Frau Clausen, was macht eine Kita-Sozialarbeiterin?
Mein Ausbildungsberuf ist Diplom-Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin, das habe ich an der Evangelischen Fachhochschule Berlin studiert. Zu diesem Zeitpunkt gab es das Berufsbild einer Kita-Sozialarbeiterin noch gar nicht, diese Anforderung hat sich erst in den letzten zehn Jahren entwickelt und ist eine staatlich anerkannte Zusatzausbildung. Ich habe erst in den Schulen angefangen und jetzt bin ich im Tätigkeitsfeld der Kita-Sozialarbeit unterwegs. Berlin ist aufgrund der besonderen sozialen Anforderungen schon bei den Kleinsten Vorreiter gewesen, was sich in den letzten Jahren aber auch bundesweit etabliert hat.
Stehen im Mittelpunkt Ihrer Arbeit vor allem die Eltern der Kinder?
Ja, die Fähigkeiten zur sozialen Kompetenz sind in den letzten zehn Jahren ins Rutschen geraten, das kommt mittlerweile auch in den Kitas an, und da setzen wir an. Das beginnt bei Erziehungsfragen, aber auch bei der Vermittlung von zusätzlichen Deutschkursen oder sonstigen Hilfen rund um die Versorgung der Kleinsten. Das können die Betreuungskräfte in den Kitas nicht auch noch leisten, Sie kennen die ohnehin sehr engen Betreuungsschlüssel in den Einrichtungen. Wir gehen aber auch zum Beispiel zu den Eltern nach Hause, wenn die Kinder nur sehr unregelmäßig in den Betreuungseinrichtungen erscheinen. Das alles ist Aufgabe einer Kita-Sozialarbeiterin.
Dazu gehört doch sicherlich der Umgang mit dem Handy. Finden Sie ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige richtig?
Das Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige ist absolut richtig, ich frage mich nur, wie man das durchsetzen und überwachen will. Nun ist glücklicherweise der Umgang mit Social Media im Kita-Bereich bei unseren Kindern noch kein Thema, aber bei den Eltern. Die sind nun mal Vorbild, und dazu gehört unter anderem, dass Eltern, wenn sie ihre Kinder betreuen, nicht die ganze Zeit auf dem Handy rumwischen und die Kinder gar nicht beachten und mit ihnen spielen. Diese Sensibilität versuchen wir zu vermitteln. Wir hatten tatsächlich vereinzelt Fälle, wo Fünf- oder Sechsjährige mit einem Handy in unseren Einrichtungen aufgetaucht sind. Interview: Sven Bargel
Autoreparaturen immer teurer
Europas größter Autofahrer-Interessenverein, der ADAC, beklagt immer höhere Reparaturkosten für vergleichsweise kleine Kfz-Schäden. Laut einer Studie können schon überschaubare kleine Parkrempler laut eines ADAC-Sachverständigen mehrere Tausend Euro kosten. Der extreme Kostenanstieg in den vergangenen Jahren ist, neben gestiegenen Lohnkosten, auch der Bauweise der Autos geschuldet, die die Reparaturkosten nach oben treibt. Der ADAC hat für 21 Fahrzeugmodelle von einem Gutachter drei fiktive Reparatur-Szenarien berechnen lassen. Im Extremfall kostete eine kleine Karosserie-Reparatur mehr als 7.800 Euro, im billigsten Fall immer noch knapp 3.100 Euro. Richtig teuer ist die Lichttechnik, der Austausch eines beschädigten Scheinwerfers schlägt mit rund 3.300 Euro zu Buche. Weitere Herausforderung: Viele Hersteller verbieten zum Beispiel Reparaturen an den Stoßfängern. Begründung: Diese müssen dann nachlackiert werden, und das wiederum kann zu einer Fehlfunktion bei den eingebauten Sensoren führen. Der ADAC hat allerdings Zweifel an dieser Argumentation.
Hälfte der Ukraine-Flüchtlinge arbeitet
Von den in den ersten sechs Kriegsmonaten nach Deutschland geflüchteten Ukrainern im erwerbsfähigen Alter hat die Hälfte einen Job gefunden, so eine Analyse der Bundesagentur für Arbeit und des Bundesamts für Migration zum vierten Jahrestag des Angriffs Russlands auf die Ukraine. Die Beschäftigungsquote liegt damit aber immer noch deutlich unter der der erwerbsfähigen Gesamtbevölkerung. Allerdings sind unter den Flüchtlingen wegen der Ausreisebeschränkungen für wehrpflichtige Männer viele Frauen, die sich allein um ihre minderjährigen Kinder kümmern, so die Erklärung der Bundesagentur und des Bundesamtes. Im vergangenen September waren lediglich 21 Prozent der Ukrainerinnen mit Kindern unter drei Jahren und ohne Partner abhängig beschäftigt. Da viele der übrigen Ukrainerinnen in Teilzeit arbeiten, lebten 41 Prozent der ukrainischen Flüchtlinge mit Job in einem Haushalt, der zusätzlich Leistungen vom Amt erhält.
Grüne fänden Merkel geeignet
Vor dem CDU-Parteitag in Stuttgart war eine Debatte um die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) entbrannt. Dabei wurde die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Spiel gebracht, die Steinmeier als erste Frau im Amt des Bundespräsidenten nachfolgen könnte. Die Grünen zeigten sich begeistert von der Idee, dass endlich eine Frau das höchste Staatsamt bekleiden könnte. Für die einstigen Parteispitzen Jürgen Trittin und Renate Künast wäre die Altbundeskanzlerin eine Top-Besetzung. „Natürlich ist eine ehemalige Kanzlerin mit dieser weltpolitischen Erfahrung geeignet für das Amt des Staatsoberhaupts“, so Trittin. „Frau Merkel wäre eindeutig qualifiziert“, betonte Künast. Doch die Altkanzlerin hatte die Spekulationen darüber abgewiesen. Auch für Bundeskanzler Friedrich Merz stellt sich diese Frage derzeit überhaupt nicht, er will erst mal die Landtagswahlen in diesem Jahr abwarten.
Winter verzögert Bahnarbeiten erheblich
Nachdem bei der Generalsanierung der Riedbahn alle Zeitpläne eingehalten wurden, sollte bereits vor dem anstehenden Osterfest die Sanierung der Strecke Berlin–Hamburg abgeschlossen sein und pünktlich zum 1. April wieder komplett ans Netz gehen. Doch der Termin musste nun kassiert werden, da der Boden bis zu 70 Zentimeter tief über Wochen gefroren war und damit die Signalkabel nicht verlegt werden konnten. Die Kälte verzögert aber auch die Arbeiten an den Oberleitungen, die nicht bei Minusgraden ausgeführt werden dürfen. Der Abschluss der Generalsanierung der Strecke Berlin–Hamburg ist nun für Mitte Mai, mit sechs Wochen Verspätung, vorgesehen. Das hat für den bundesweiten Gesamtplan der DB Infrago unabsehbare Folgen: Sicher ist, dass die Sanierung der Strecke Hamburg–Hannover verschoben werden muss, bis die Strecke Berlin–Hamburg fertig ist, weil die generalsanierte Trasse für die Umleitungen während der Totalsperrung benötigt wird. Mitte März will DB Infrago den neuen Zeitplan für die Bauarbeiten vorlegen.
Gasspeicher
Kritik von Grünen
Die Grünen üben angesichts der niedrigen Füllstände der Gasspeicher deutliche Kritik an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). „Ministerin Reiche ist ein Standortrisiko. Ihre Wetter-Wette wird täglich kritischer, diese Woche werden wir die 20-Prozent-Füllstandsmarke unterschreiten“, kritisiert der energiepolitische Sprecher der Grünen, Michael Kellner, ehemals Staatssekretär im Wirtschaftsministerium unter Reiches Vorgänger Robert Habeck. „Seit August 2025 haben wir Ministerin Reiche immer wieder gewarnt, alle Bedenken wurden ignoriert und nichts wurde unternommen“, so Kellner. Die Speicher sollen Deutschland drei Monate mit Erdgas versorgen können. Derzeit stehen gut 25 Prozent unter dem langjährigen Mittel, rechnet Kellner vor. Ohne die üblichen Importe könnte das nur noch für wenige Wochen reichen. Der besonders kalte Winter ließ den Verbrauch nach oben schnellen und die Speicherstände sinken, die bereits im Dezember nicht optimal gefüllt waren, sagte Kellner.
Kassenärzte: freiwillige Leistungen streichen
Laut den deutschen Kassenärzten könnte im deutschen Gesundheitssystem gut eine Milliarde Euro eingespart werden – wenn man freiwillige Leistungen wie homöopathische Medizin oder Zahnreinigungen komplett streichen würde. Das sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. Wenn nicht genug Geld für den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung da sei und gespart werden müsse, seien „Nice to have“-Leistungen als Erstes zu streichen, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die freiwilligen Leistungen stehen seit Langem in der Kritik auch in der Politik. Kassen zahlen unter anderem Zuschüsse zu Fitnesstrackern oder Gesundheitskursen. Über die finanzielle Lage der Krankenkassen wird derzeit kontrovers diskutiert, Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) musste bereits wegen hoher Defizite der Kassen Milliardensummen zuschießen.
Arbeitslosigkeit in Luxemburg steigt
Der Trend hat sich schon abgezeichnet. In Luxemburg waren Ende Januar 21.255 Menschen arbeitslos gemeldet. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Anstieg um fast zehn Prozent (genau 9,4 Prozent). Die Arbeitslosenquote betrug 6,3 Prozent, ein Wert, der im Großherzogtum sonst nur in Krisenzeiten erreicht wird wie zuletzt während der Corona-Pandemie. Arbeitsminister Marc Spautz nennt die Entwicklung „beunruhigend“, zumal in den nächsten Wochen aufgrund angekündigter Entlassungen die Zahl weiter steigen dürfte. So hatte etwa Amazon Ende letzten Jahres die Streichung von knapp 500 Stellen in Luxemburg angekündigt. Minister Spautz kündigte verstärkte Maßnahmen etwa im Bereich von Qualifizierung an. Zugleich forderte er aber auch: „Wir müssen uns mit der Attraktivität Luxemburgs beschäftigen.“ Damit zielt er auf bessere Rahmenbedingungen zur Ansiedlung von Unternehmen ab.
Steuern
Milliardenlücke stopfen
Zwar dauert es noch ein halbes Jahr, bis in der Koalition die Beratungen für den Bundeshaushalt 2027 in die heiße Phase gehen. Doch im Vorfeld laufen im Bundesfinanzministerium bereits die Planungen. Demnach gibt es eine erhebliche Finanzierungslücke im Bundeshaushalt 2027, die zwischen 20 und 40 Milliarden Euro liegen soll. Genauere Schätzungen können erst im Frühjahr nach der nächsten Steuerschätzung vorgelegt werden. Doch der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW), Marcel Fratzscher, rechnet in Anbetracht der drohenden Milliardenlücke mit einer Erhöhung der Mehrwertsteuer von derzeit 19 auf 21 Prozent. „Wenn ich mir die Zahlen anschaue, bleibt eigentlich keine andere Möglichkeit, wenn die Union sich weiter weigert, zum Beispiel die Vermögenssteuer wieder einzuführen“, so Wirtschaftsforscher Marcel Fratzscher. Die Befürchtung des DIW-Chefs ist für den Bundesgeschäftsführer der Linken, Janis Ehling, eine Steilvorlage.
„Eine Mehrwertsteuererhöhung zu einer Zeit, in der die meisten Menschen im Alltag schon unter den Preisen ächzen, wäre einfach nur widerlich. Die Mehrwertsteuer ist keine gerechte Steuer, wie immer wieder behauptet wird“, sagte Ehling.
Neuer Regierungschef in Den Haag
Die Niederlande haben eine neue Regierung: den Linksliberalen Rob Jetten. Knapp vier Monate nach der Parlamentswahl vereidigte König Willem-Alexander den neuen Ministerpräsidenten sowie seine Minister in Den Haag. Er ist der erste Regierungschef seiner Partei D66 und mit 38 Jahren auch der jüngste der Landesgeschichte. D66 hatte die Wahl Ende Oktober knapp vor der Partei des Rechtspopulisten Geert Wilders gewonnen und bildet nun eine Koalition mit der christdemokratischen CDA und der rechtsliberalen VVD. Das Bündnis hat aber in beiden Kammern des Parlaments keine Mehrheit. Mit Antritt der neuen Koalition endet die erste Regierung mit Beteiligung des Rechtsaußen Wilders. Die Regierung unter dem parteilosen Ex-Beamten Dick Schoof war gekennzeichnet von Streit und Stillstand. Nach nur elf Monaten brachte Wilders wegen eines Streits um Asylgesetze die Koalition zum Platzen. Eine erneute Zusammenarbeit mit Wilders schlossen alle etablierten Parteien aus. Seine Fraktion brach nach einem parteiinternen Aufstand auseinander.
Wiegand will’s wissen
Blickpunkt Europa
Europas Dauerblockierer hat es erneut getan: Viktor Orbán. Mitten im russischen Kältekrieg gegen die Ukraine erhob der Ungarn-Premier Einspruch gegen ein beschlossenes Hilfspaket. Grund: Er will weiter am Tropf einer abgeschalteten Pipeline hängen, die über ukrainisches Gebiet günstiges Sibirien-Öl lieferte.
Der Fall zeigt: Die EU ringt nicht nur mit Russland, China oder den USA. Sie ringt mit sich selbst. Wieder blockiert ein Mitglied zentrale außenpolitische Entscheidungen – aus nationalem Kalkül. Das Prinzip der Einstimmigkeit, einst Garant für Zusammenhalt, wird zur Bremse. Was als Schutz kleiner Staaten gedacht war, wirkt in Krisenzeiten wie ein strukturelles Risiko.
Die Frage ist nicht technisch, sondern existenziell: Kann die EU handlungsfähig sein, wenn sie sich bei Sanktionen oder Militärhilfen von einem einzelnen Land stoppen lässt? Wer außen Stärke zeigen will, darf innen nicht erpressbar sein. Gerade in einer Phase wachsender globaler Spannungen wird institutionelle Schwerfälligkeit zum strategischen Nachteil.
Es geht nicht um Moral, sondern um Struktur. Eine Gemeinschaft von 27 Staaten, die global Macht projizieren will, braucht Verfahren, die Verlässlichkeit schaffen. Sonst reagieren Washington, Peking, Moskau schneller und entschlossener – und definieren die Spielregeln.
Die Debatte über Mehrheitsentscheidungen oder eine „Koalition der Willigen“ ist zentral. Sie berührt den Kern europäischer Souveränität und die Frage, wie viel nationale Vetomacht sich Europa noch leisten kann. Europa muss sich entscheiden: Union des kleinsten Nenners – oder politischer Akteur? Die Welt wartet nicht auf Einstimmigkeit.
Wolf Achim Wiegand ist freier Journalist mit EU-Spezialisierung.