Drei Fragen
„Biokraftstoffe sind nicht zu ersetzen“
Klimaschutz ist nicht der einzige Grund für den Einsatz von Biokraftstoffen. Sie sind auch als Ergänzung bei knappem Kraftstoffangebot nicht zu unterschätzen, sagt der Chef des Biokraftstoffverbandes Elmar Baumann.
Herr Baumann, welche Rolle spielen Biokraftstoffe angesichts der drastisch gestiegenen Spritpreise?
Biodiesel, Bioethanol und Biomethan ergänzen das Angebot an Kraftstoffen für den gesamten Straßenverkehr. Ohne sie wären die Auswirkungen der Knappheit, die durch den Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus entstanden ist, noch deutlich gravierender. Biokraftstoffe werden noch lange für Fahrzeuge mit einem Verbrennungsmotor gebraucht, denn diese ergänzen die Elektromobilität, und sie sind für unsere Energiesicherheit und die Senkung der CO2-Emissionen bis auf Weiteres überhaupt nicht zu ersetzen.
Welcher Biokraftstoff spielt beim Ersatz knapper fossiler Energie die bedeutendste Rolle?
Das ist natürlich Biodiesel, und zwar sowohl mengenmäßig als auch in Bezug auf den Kraftstoff, den er ersetzt. Denn Diesel ist bei uns der wichtigste Kraftstoff, unverzichtbar für Nutzfahrzeuge wie Lkw, Busse und Traktoren, nicht zu vergessen Rettungsfahrzeuge und außerdem im Einsatz in Pkw und Lieferverkehr. Deutschland muss Dieselkraftstoff importieren, weil die hiesigen Mineralölraffinerien nicht genug produzieren. Biodiesel hilft seit Jahren, diesen Mangel auszugleichen. Rapsöl ist dabei der wichtigste Rohstoff für Biodiesel. Auf dem zweiten Platz folgen gebrauchtes Speiseöl und tierische Fette. Rohstoffe, die ohnehin anfallen und damit sinnvoll weitergenutzt werden.
Welche Bio-Beimischungen beim Diesel sind gängig an den Tankstellen?
Biokraftstoffe sind bis auf Weiteres der wichtigste erneuerbare Energieträger im Straßenverkehr und praktisch in jeder Tankfüllung enthalten, also im Benzin wie E5 oder E10. Beim Diesel ist derzeit B7 der Standard, zukünftig erwarten wir mit B10 die Möglichkeit, zehn Prozent Biodiesel beizumischen. Dazu muss man wissen, für Nutzfahrzeuge sind höhere Beimischungen wie B20 oder B30 zugelassen, häufig sogar reiner Biodiesel, also B100. Die Nachfrage der deutschen Biokraftstoffindustrie ist von erheblicher Bedeutung für die Landwirtschaft. Und in Zeiten von Nahrungsmittelknappheit bieten die zur Biokraftstoffproduktion gedachten Rohstoffe eine sofort verfügbare Reserve. Interview: Sven Bargel
Edel-Immobile unter Wert
Das Quartier 206 galt vor 30 Jahren in der neu entstehenden Mitte Berlins rund um die Friedrichstraße als eines der teuersten in der Stadt, noch vor dem KaDeWe in der City West. Doch der Traum, dass die über drei Kilometer lange Friedrichstraße der neue Ku’damm wird, ist spätestens vor zehn Jahren zerplatzt. Das Quartier 206 steht seit Langem komplett leer. Der Berliner Senat wollte die ehemalige Luxusimmobile endlich loswerden, doch die Zwangsversteigerung ging gründlich schief. Das Mindestgebot wurde auf 178 Millionen Euro taxiert, und man hoffte, zumindest auf über 200 Millionen zu kommen. Lediglich zwei Interessenten, beide aus Luxemburg, einer davon war bis vor zehn Jahren der Vorbesitzer, meldeten sich mit Geboten. Und die sorgten beim Auktionator für keine gute Laune. Das erste eingereichte Gebot lag bei 39 Millionen, das zweite dann vom Alteigentümer bei 40 Millionen Euro, also nicht mal bei einem Viertel des aufgerufenen Mindestgebots. Daraufhin unterbrach der Auktionator im Sinne Berlins die Zwangsversteigerung und hofft nun auf bessere Gebote.
Bereit für Olympia
Die olympische Bewerbungsoffensive von deutschen Städten und Regionen für eine Austragung der Spiele in Deutschland hat Fahrt aufgenommen. Nach der Zustimmung der Münchner mit über zwei Dritteln haben wollen sich nun auch Kiel für die Segelwettbewerbe und die Köln-Rhein-Ruhr-Region um die Ausrichtung der übrigen olympischen Disziplinen bewerben. Bürgerentscheide in 16 potenziellen Austragungsstädten fielen eindeutig pro Olympia aus. Lediglich in Herten (NRW) scheiterte das Votum. Zwar gab es bei den abgegebenen Stimmen auch eine klare Mehrheit, aber weil die Beteiligung unter 20 Prozent lag, gilt das Votum als gescheitert. Letzte Stadt bei der Bewerbung ist nun Berlin. Hier wird es keinen Bürgerentscheid geben, sondern das Abgeordnetenhaus soll über eine Bewerbung entscheiden. In Berlin konkurriert eine mögliche Olympia-Berwerbung mit der Bewerbung um die Weltausstellung Expo 2025.
Befristeter Tankrabatt
Nach dem Bundestag hat auch der Bundesrat, also die Vertretung der Länder, der Steuersenkung für Diesel und Benzin in einer Sondersitzung ebenfalls zugestimmt. Damit sinken die Spritsteuern um 17 Cent je Liter, ab dem 1. Mai, zunächst befristet für zwei Monate. Das soll Autofahrer angesichst explodierender Preise an den Zapfsäulen entlasten. Für den Bund bedeutet das einen Verzicht auf 1,6 Milliarden Euro Steuereinnahmen. Die Bundesregierung hat die Mineralölkonzerne dringend aufgefordert, diese Steuersenkung auch komplett weiterzugeben. Die Maßnahme ist umstritten. Die Energie-Expertin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW, Claudia Kemfert, spricht von einem „energiepolitischen Kurzschluss“. Die Grünen von einem „falschen Signal“. Besser wäre, ein Neun-Euro-Ticket zu finanzieren.
Knappes Kerosin
Die weiter andauernde Blockade der Straße von Hormus hat Befürchtungen ausgelöst, es könnte in Deutschland bald einen Mangel an Kerosin geben. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) fordert als Sofortmaßnahme ein koordiniertes Krisenpaket auf EU- und nationaler Ebene mit der Möglichkeit einer Kerosin-Triage. Das würde bedeuten: Es gibt Prioritäten, und möglicherweise würde dann nicht mehr jedes Flugzeug betankt werden. Sollte es dazu kommen, sollen als Erstes Kurzstrecken und Urlaubsflieger ausfallen, dagegen soll es für die Luftfracht überhaupt keine Beschränkungen geben, da die als „systemrelevant“ eingestuft wird.
Nach einem Spitzentreffen mit Vertretern der Luftfahrtwirtschaft hat Wirtschaftsministerin Reiche (CDU) versichert, dass es keine Kerosin-Engpässe gebe und auch vermutlich nicht geben werde. Der Grund: Deutschland verfügt über eigene Produktionskapazitäten mit insgesamt acht Raffinerien.
Iran-Krieg
Bedingungen für Einsatz
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat bestätigt, dass sich sowohl die Bundesmarine als auch die Luftwaffe seit Mitte April auf einen möglichen Einsatz von deutschen Minenräumern in der Straße von Hormus vorbereiten. Ein solcher Einsatz gehe nicht von jetzt auf gleich, sondern müsse geplant und die entsprechenden Boote seeklar gemacht werden. Allerdings will sich Deutschland an einer Minenräumung erst dann beteiligen, wenn sich die USA und der Iran auf einen stabilen Friedensabschluss geeinigt haben. Kommt es dazu, würde diese Marine-Mission eine europäische sein. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Großbritanniens Premier Keir Starmer und Bundeskanzler Merz haben sich darauf bei der Hormus-Konferenz in Paris geeinigt. Konkret kündigte Merz an, die Bundeswehr könnte Minensuchboote, ein Versorgungsschiff und Luftaufklärung bereitstellen.
Aber nur, wenn drei Voraussetzungen erfüllt sind: ein dauerhaftes Ende der Kampfhandlungen, ein internationales Mandat, am besten der Vereinten Nationen, gegebenenfalls aber auch der EU, und grünes Licht vom Bundestag für solch einen Einsatz.
Sozialstaat
Zukunft der Rente
In der Diskussion um die Zukunft des Rentensystems hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nun klargestellt: „Es wird mit uns keine Kürzungen der gesetzlichen Rente geben.“ Ziel bleibe ein „starkes und solidarisches Deutschland“, betonte der Kanzler bei der Bundestagung der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). Wenige Tage zuvor hatte der Kanzler noch davon gesprochen, die gesetzliche Rente werde künftig wohl nur noch eine „Basisversorgung“ sein. Das hatte heftigen Widerspruch, auch beim Koalitionspartner SPD, ausgelöst. Zu möglichen Reformen bei der Rente soll eine von der Bundesregierung eingesetzte „Alterssicherungskommission“ bis Mitte des Jahres Vorschläge vorlegen. Die Experten beraten sowohl über die gesetzliche Rente als auch betriebliche und private Altersvorsorge. Die Kommission, die unabhängig und frei von Weisungen ihre Vorschläge ausarbeiten soll, wird geleitet vom ehemaligen Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sowie der Sozial- und Verwaltungswissenschaftlerin Constanze Janda.
Drohende Hornissenplage
Die Asiatische Hornisse breitet sich rasant in Deutschland aus und macht Experten zunehmend Sorgen. Innerhalb weniger Jahre ist die Zahl der gemeldeten Nester sprunghaft gestiegen. In Baden-Württemberg etwa wurden zuletzt über 3.000 gezählt. In den Jahren davor waren es noch deutlich unter hundert. „Wir haben also einen exponentiellen Anstieg“, erklärt der Biologe Stephan Härtel vom Naturschutzbund (Nabu). Die invasive Art, die ursprünglich aus Südostasien stammt, bedroht vor allem heimische Insekten wie Bienen. Laut Härtel lasse sich die Ausbreitung kaum noch aufhalten. Besonders problematisch sei die Größe der Völker: Diese können das Zehnfache der heimischen Hornisse erreichen und benötigen entsprechend mehr Nahrung. Zwar gelten einzelne Tiere derzeit nicht als gefährlicher für den Menschen, doch die schiere Anzahl kann zur Belastung werden. Um die Ausbreitung einzudämmen, sollten Nester möglichst vor der Fortpflanzungsphase im Frühjahr entfernt werden, um die Entstehung neuer Königinnen zu verhindern.
Mehr Gründer im Saarland
Die Zahl der Unternehmensgründungen hat im vergangenen Jahr im Saarland einen Höchststand seit zehn Jahren erreicht. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums gab es 3.310 Gründungen, das entspricht einem Plus von zehn Prozent. Damit liegt das Saarland leicht über dem Bundesdurchschnitt (9,7 Prozent). Das Saarland sei ein „attraktiver und zukunftsfähiger Standort“ für Gründerinnen und Gründer, meint Wirtschaftsminister Jürgen Barke. Er führt die Entwicklung auch darauf zurück, dass die Landesregierung gute Rahmenbedingungen geschaffen habe mit vielen Förderinstrumenten, vom Starter-Stipendium bis zu Finanzierungsinstrumenten. Dass zudem „SouthwestX – The Bridge to Innovation“ im bundesweiten Leuchtturm-Wettbewerb als „Startup-Factory“ ausgezeichnet wurde, unterstreiche das gute „Ökosystem für Gründungen“.
Ungarn stellt sich neu auf
Nach der herben Wahlniederlage hat Ungarns früherer Ministerpäsident Viktor Orban angekündigt, auf sein Abgeordnetenmandat zu verzichten. Er will sich stattdessen auf den Vorsitz seiner Fidesz-Partei konzentrieren. „Ich werde jetzt nicht im Parlament gebraucht, sondern bei der Neuaufstellung des nationalen Lagers“, erklärte Orban. Er war nach 16 Jahren an der Macht abgewählt worden, seine Partei hat nur noch 52 von 199 Sitzen.
Gleichzeitig hat Wahlsieger Peter Magyar, der mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit regieren kann, davor gewarnt: „Im Hintergrund bleibt die Mafia nicht untätig.“ Er spielt damit auf die unter Orban weit verbeitete Korruption an. Mit dem erklärten Kampf gegen korrupte Systeme hat Magyar die Wahl gewonnen. Derzeit gibt es Gerüchte, dass Oligarchen und ehemalige Orban-Vertraute planen, sich ins Ausland abzusetzen, um sich vor möglicher Strafverfolgung in Sicherheit zu bringen.
Zufriedene Gäste
Das Saarland als Tourismusland belegt einen Spitzenplatz in Sachen Gästezufriedenheit. Im „dwif & TrustYou Destinations-Ranking“ landet das Saarland zusammen mit Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich der Bundesländer ganz vorne. Das Saarland liegt damit wieder knapp auf dem Niveau von 2019 (vor Corona). Besonders positiv bewertet wurden Preis-Leistungs-Verhältnis und die Qualität der Unterkünfte. Sauberkeit, Location und kulinarisches Angebot würden besonders geschätzt. Die Geschäftsführerin der Tourismus Zentrale Saarland, Birgit Grauvogel betont: „Der Spitzenplatz im Trustscore 2025 ist eine großartige Bestätigung für die harte Arbeit und das Engagement aller Akteure im saarländischen Tourismus“. Die sei Ansporn, „auch in Zukunft auf Qualität zu setzen und innovative Tourismuskonzepte zu entwickeln, die unsere Region noch attraktiver machen“. Das Ranking beruht auf einer Auswertung von Gästekommentaren auf relevanten Online-Portalen.
Wiegand will’s wissen
Blickpunkt Europa
Der Tag der Arbeit ist ein seltsamer Fixpunkt im europäischen Kalender: kämpferisch und zugleich ritualisiert, international gedacht, aber national gelebt. Auch dieses Jahr begehen ihn die 27 EU-Staaten stark unterschiedlich. Mal als Demonstration und Maifeier, mal als Protest und Picknick, mal als Tradition und politisches Signal.
In dieser Vielfalt liegt die Bedeutung des 1. Mai – und sein Problem. Vieles, was einst erkämpft wurde, ist längst überall Gesetz: Arbeitszeiten, Tarifrechte, Mitbestimmung. Errungenschaften, um die man nicht kämpfen muss. Um Elendsbefreiung geht es nicht.
Die Zeiten haben sich also geändert – und doch wirken manche Rituale des „Kampftages“ wie ein Echo der Vergangenheit. Demonstrationszüge, Bühnenreden, Plakate – erreicht das jene, die nicht mitlaufen? Und greift das Fragen unserer flexibel gewordenen Arbeitswelt auf – Digitalisierung, Plattformökonomie, Homeoffice, globale Verflechtungen?
Die Frage regt zum „Abgucken“ an. In Osteuropa wandelt sich der einst kommunistisch verordnete Aufmarschtag zum volksfestartigen Tag für Familie, Freizeit und Erholung. In Finnland trifft man sich im Park mit Luftballons, Krapfen und Met – fröhlich und politisch gedämpft. Nur in Frankreich oder Italien dominiert noch die sichtbare, teils konfrontative Mobilisierung.
Und bei uns? „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ – das Motto des DGB klingt altbacken. Der 1. Mai erstarrt in bierernster Wiederholung. Nichts dagegen, soziale Gerechtigkeit, Transformation oder politische Unsicherheit aufzuspießen. Aber die Inszenierung ist Routine. Wer den Tag der Arbeit wichtig findet, sollte seine Formen mutig erneuern.
Wolf Achim Wiegand ist freier Journalist mit EU-Spezialisierung.