US-Präsident Trump sucht verzweifelt nach einem Ausweg aus dem Iran-Konflikt
Ja, was denn nun? US-Präsident Donald Trump hat in dem rund vier Wochen andauernden Krieg gegen Iran einen derartigen Zickzack-Kurs hingelegt, dass jedem ernsthaften Beobachter schwindelig werden muss. Amerikas Kriegsziele flackerten wild umher zwischen Regime-Wechsel, Volksaufstand, der kompletten Zerstörung des iranischen Atomprogramms und der Pulverisierung des Raketenarsenals. Mal erklärte Trump den Krieg als „praktisch vorbei“. Mal gab er den Befehl, Tausende Marine-Infanteristen an den Persischen Golf zu entsenden. Am Sonntagmorgen drohte er Iran, alle Kraftwerke in Schutt und Asche zu legen, wenn das Regime nicht innerhalb von 48 Stunden die de facto blockierte Straße von Hormus öffnet. Einen Tag später schwärmte er von „sehr guten und produktiven Gesprächen über eine vollständige und endgültige Beilegung unserer Feindseligkeiten“. Das Ultimatum verlängerte er daraufhin bis zu diesem Samstag.
Trump vollzieht so viele Kehrtwenden, dass man sich die Frage stellen muss: Weiß der Mann, was er da tut? Es gilt festzuhalten, dass die massive Überlegenheit der USA und Israels bei Luftwaffe und Marine das iranische Regime nicht in die Knie gezwungen hat. Das Herrschaftssystem ist resilient.
Der wichtigste Grund für Trumps jüngste Kehrtwende liegt wohl in den panischen Reaktionen der Märkte. Als Konsequenz der iranischen Vergeltungsangriffe auf Energieanlagen der mit Amerika verbündeten Golfstaaten explodierten die Preise für Öl, Gas und Düngemittel. Die Börsen schossen in den Keller. Plötzlich hing das Gespenst von Inflation und Rezession über der Weltwirtschaft. Wenige Monate vor den Zwischenwahlen zum US-Kongress sind das düstere Vorzeichen für die Republikaner. Die Macht der Märkte ist vermutlich der einzige Faktor, der Trumps hybrider Selbsteinschätzung als König der Welt Grenzen setzen kann.
Vor diesem Hintergrund sucht der Präsident verzweifelt nach einem Ausweg aus dem Iran-Krieg. Einen Triumph wie bei der Blitz-Entführung des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro kann er allerdings nicht verkünden. Bei einer Einigung mit Teheran müsste Trump zugestehen, dass das „böse Mullah-Regime“ im Amt bleibt. Er könnte nur die Dezimierung der militärischen Fähigkeiten Irans als Erfolg vorweisen. Ein Schlüsselpunkt einer möglichen Übereinkunft wäre die Frage, ob Teheran der Zerstörung von 440 Kilogramm Uran zustimmt. Also jenes Metalls, das zur Herstellung einer Nuklearwaffe benötigt würde und das Iran zu 60 Prozent angereichert hat. Das Regime mit den übermächtigen Revolutionsgarden würde sein Überleben in jedem Fall als Sieg verkaufen.
Für Israel wäre dieser Ausgang problematisch. Die Regierung von Premier Benjamin Netanjahu hatte sich zum Ziel gesetzt, die Mullah-Herrschaft zu stürzen und die iranische Bedrohung für den Judenstaat ein für alle Mal zu beseitigen. Es besteht daher eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Israel weiter Ziele in Iran angreift und versucht, Führungsfiguren des Regimes auszuschalten.
Iran dementiert zwar die Trump-Version von direkten Gesprächen mit den USA. Doch scheint es zumindest diplomatische Initiativen in der Region zu geben. Nach Medienberichten sind Pakistan, Oman, Katar, Ägypten und die Türkei darum bemüht, zwischen Amerika und Iran zu vermitteln. Nach Ansicht des politischen Analysten Zvi Bar’el von der israelischen Zeitung „Haaretz“ ist der Chef des Weißen Hauses ein Getriebener, der einen schnellen Exit sucht. „Es sieht jetzt so aus, als ob die vorrangige – vielleicht sogar einzige – Frage, die Trump beschäftigt, nicht darin besteht, welches Regime Iran regieren wird. Vielmehr geht es ihm darum, wie er die Schifffahrt im Golf sicherstellen kann, ohne ein Abenteuer im Stile Vietnams in der Marine-Version zu wiederholen.“
Trumps optimistisches Gemälde dürfte sich allerdings als Luftschloss erweisen. Iran hat vor dem Zwölftagekrieg im Juni und vor den amerikanisch-israelischen Luftschlägen ab dem 28. Februar intensiv mit den USA verhandelt – und wurde trotzdem zweimal angegriffen. Die Führung in Teheran wird Sicherheitsgarantien verlangen, dass dies nicht erneut passiert. Weder Trump noch Netanjahu dürfte dazu bereit sein. Die Welt muss damit rechnen, dass sich der Nebel des Krieges über der Straße von Hormus nicht so schnell lichtet.