Nach dem Wechsel von Ole Book zu Dortmund musste die SV Elversberg ihre sportliche Führung neu aufstellen: Christian Weber wird Sportdirektor, Josef Welzmüller Technischer Direktor. Die Rollen sind klar getrennt, die Zuständigkeiten präzise definiert.
Dass der Abschied von Ole Book im Club nicht als gewöhnlicher Personalwechsel betrachtet wird, machte Präsident Dominik Holzer schon in den ersten Sätzen der Vorstellung deutlich. „Vor wenigen Wochen ist uns unser Sportvorstand abhandengekommen“, sagte Holzer und erinnerte daran, wie eng Books Name mit dem Aufstieg der Elversberger verknüpft ist: „Wir haben viele Jahre sehr erfolgreich mit Ole Book zusammengearbeitet, und er hat einen riesigen Anteil an unserem Erfolg.“ Es war ein Satz, der einerseits Dank ausdrückte, andererseits aber auch den Rahmen für das setzte, was nun folgen soll: kein nostalgischer Rückblick, sondern eine bewusst neu geordnete Zukunft.
Verein suchte zwei neue Blickwinkel
Denn die SVE reagiert auf den Abgang nicht nur personell, sondern strukturell. Aus der bisherigen Vorstandslogik wird eine Direktorenlösung. Künftig sollen im sportlichen Bereich Christian Weber und Josef Welzmüller gemeinsam Verantwortung tragen, direkt dem Präsidium unterstellt. Auch das ist ein Signal. Elversberg will den Verlust von Book nicht dadurch kompensieren, dass wieder eine einzelne, alles überragende Figur installiert wird. Stattdessen setzt der Verein auf ein Modell, das Kompetenzen aufteilt und zugleich enger verzahnt.
Die Aufgabenverteilung ist dabei klar umrissen. Weber übernimmt die Verantwortung „für die Kaderzusammenstellung, Transfers sowie die operative Steuerung des sportlichen Bereichs“, während Welzmüller „die Bereiche Spielphilosophie, Methodik sowie Spielerentwicklung“ verantwortet. Oder, wie Holzer es in der Pressekonferenz formulierte: Der Technische Direktor sei der „Hüter der Spielphilosophie“. Er kümmere sich um „die Entwicklung der Spieler, der Mannschaft und Trainer“. Das klingt nicht nach Konkurrenz, sondern nach arbeitsteiliger Führung.
Dass die SVE diese neue Struktur offensiv als Fortschritt verkauft, passt zur Entwicklung des Vereins. Elversberg versteht sich seit Jahren als Club, der nicht aus dem Reflex handelt, sondern aus Systematik. Genau dieses Selbstbild spiegelten auch die Aussagen zu den beiden Neuen wider. Holzer sprach bei Weber von einem Mann, „der den deutschen Profifußball aus unterschiedlichen Perspektiven kennt und über große Erfahrung in der Kaderplanung und im Scouting verfügt“. Er stehe „für eine klare, strukturierte Arbeitsweise und für verantwortungsvolle Entscheidungen im sportlichen Bereich“. Zusammen mit Welzmüller werde er „die sportliche Entwicklung der SV Elversberg auf ein stabiles und zukunftsorientiertes Fundament stellen“. Und noch grundsätzlicher: „Wir sind überzeugt, dass dieses Führungsduo die richtige Balance aus strategischer Weitsicht, methodischer Kompetenz und operativer Stärke mitbringt.“
Gerade diese Formulierung verrät viel über das Anforderungsprofil, das die SVE nach Books Abgang offenbar im Kopf hatte. Elversberg suchte nicht bloß zwei Lebensläufe, sondern zwei unterschiedliche Blickwinkel. Weber bringt die operative Erfahrung aus Düsseldorf mit, Welzmüller den konzeptionellen Zugang. Der eine war bei Fortuna Düsseldorf über viele Jahre Spieler, Scout und später Sportdirektor, der andere arbeitete in Unterhaching in einem familiären Umfeld und befasste sich intensiv mit methodischen Fragen und Entwicklungsprozessen. Zusammen sollen sie etwas herstellen, das bei Elversberg inzwischen fast noch wichtiger ist als bloße Kaderarbeit: die Fortsetzung einer klaren sportlichen Idee.
Dass Christian Weber diesen Weg nicht als Baustelle, sondern als Chance versteht, machte er schnell deutlich. „Ich habe natürlich den Weg der SV Elversberg verfolgt. Und für mich ist es ein sehr imposanter Weg“, sagte der 42-Jährige. Viel verrät auch der nächste Satz: „Das Grundgerüst in Elversberg steht.“ Darin steckt Anerkennung für die Arbeit der vergangenen Jahre, aber auch ein Hinweis auf die Ausgangslage. Weber übernimmt keinen Scherbenhaufen, sondern ein bestelltes Feld. Genau so wurde es in der Pressekonferenz auch beschrieben. Book habe eine Situation hinterlassen, in der „alle Leistungsträger mittel- oder längerfristige Verträge haben“. Für einen neuen Sportdirektor ist das ein komfortabler Einstieg, auch wenn sofort operative Fragen auf dem Tisch liegen.
Weber formulierte seinen Auftrag entsprechend nicht revolutionär, sondern entwickelnd. „Mein Ziel ist es, gemeinsam mit Josef Welzmüller und dem gesamten Team die bestehende sportliche Qualität weiterzuentwickeln, den Kader gezielt und nachhaltig zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit der SVE langfristig zu sichern“, sagte er. Besonders wichtig ist dabei der zweite Teil seiner Aussage: „Entscheidend wird sein, den eingeschlagenen Weg mit Überzeugung weiterzugehen und die sportliche Identität des Vereins konsequent zu fördern.“ Für Elversberg ist das vermutlich die entscheidende Passage der gesamten Vorstellung. Denn sie macht klar, dass die neue Doppelspitze nicht für einen Kurswechsel steht, sondern für kontrollierte Kontinuität.
Empfangen mit unglaublicher Offenheit
Gleichzeitig bringt Weber auch etwas mit, das für einen Club wie Elversberg hochinteressant ist: das Profil des nüchternen, wirtschaftlich denkenden Kaderplaners. Holzer hob hervor, Weber habe in Düsseldorf „einen Transferüberschuss zwischen 30 und 40 Millionen Euro erwirtschaftet“. Solche Zahlen werden in Elversberg nicht zufällig genannt. Sie passen zum Selbstverständnis eines Vereins, der seine sportliche Entwicklung stets auch als Ergebnis kluger, disziplinierter Entscheidungen verstanden hat.
Josef Welzmüller wiederum verkörpert stärker die inhaltliche, fast akademische Seite des Konstrukts. Der 36-Jährige, promovierter Betriebswirtschaftler, soll nicht primär an einzelnen Transfers gemessen werden, sondern daran, ob die SVE ihre sportliche Handschrift schärft. Holzer nannte seine Verpflichtung „einen zentralen Baustein unserer sportlichen Weiterentwicklung“. Welzmüller bringe „genau das mit, was wir für diese Rolle gesucht haben: methodische Tiefe, eine klare Vorstellung von moderner Spielerentwicklung und die Fähigkeit, eine sportliche Handschrift über alle Mannschaften hinweg zu prägen“. Das ist ein bemerkenswert hoher Anspruch, weil er über die Profimannschaft hinausweist und die Gesamtarchitektur des Clubs in den Blick nimmt.
Welzmüller selbst legte den Schwerpunkt weniger auf Positionen oder Prozesse als auf Kultur. „Ich bin mit einer unglaublichen Offenheit empfangen worden. Die Werte, die einem aufgezeigt werden, werden hier tatsächlich gelebt“, sagte er. In Elversberg passt er allerdings zum Bild, das der Verein seit Jahren von sich zeichnet. Auch deshalb ergänzte Welzmüller: „In Unterhaching ist es ähnlich familiär wie hier in Elversberg. Was mir hier so gut gefällt, ist, dass Strukturen und Konzepte zu Ende gedacht wurden.“
Nach außen klingt das kontrolliert und durchdacht. Entscheidend wird nun sein, ob es in der Praxis ebenso reibungslos funktioniert, wie es auf der Pressekonferenz vorgestellt wurde. Der erste Eindruck aber ist eindeutig: Die SV Elversberg will nach dem Ende einer erfolgreichen Ära nicht neu anfangen. Sie will weitermachen – nur anders organisiert.