Nach Wochen in fremden Hallen kehrt die HG Saarlouis am Samstag endlich zurück in die Stadtgartenhalle. Das Warten hat sich gelohnt: Fortan kann die HG ihr Ziel „Aufstieg in die 2. Bundesliga“ auf einem komplett neuen Glasboden verfolgen.
Es war ein ungewöhnlicher Saisonstart für die HG Saarlouis: Alle fünf Pflichtspiele der neuen Saison musste der Handball-Drittligist bislang auswärts austragen: Zwar hatte die HGS beim DHB-Pokalspiel gegen Erstligist Frisch Auf Göppingen und im ersten Ligaspiel Heimrecht – allerdings musste dies wegen Umbauarbeiten in der heimischen Stadtgartenhalle in der Saarbrücker Joachim-Deckarm-Halle umgesetzt werden. Am Samstag, 26. September, ist damit endgültig Schluss: Dann empfängt die HGS den Interaktiv.Handball Düsseldorf-Ratingen zum ersten echten Heimspiel der Saison. Auf einem komplett neuen, hochmodernen Hallenboden.
Neuer LED-Boden sorgt für Aufsehen
Der Umbau der Stadtgartenhalle war schon bei der offiziellen Saisoneröffnung Ende August das zentrale Thema abseits des Spielfelds. Für rund 1,4 Millionen Euro, finanziert größtenteils über eine Landeszuweisung, erhielt die 1968 erbaute Halle einen hochmodernen LED-Glassportboden, wie ihn in Deutschland bislang nur wenige Standorte besitzen – etwa die Kölner Lanxess-Arena. Der neue Boden erlaubt es, Spielfeldmarkierungen für verschiedene Sportarten flexibel einzublenden, und soll gleichzeitig gelenkschonender sein als der bisherige Parkettboden. Am Montag, 14. September, betrat die Mannschaft von Trainer Jörg Lützelberger erstmals überhaupt den neuen Belag – zum Training, nicht zum Spiel. Die eigentliche Feuertaufe im Pflichtspielbetrieb folgt nun gegen Düsseldorf-Ratingen. HG-Präsident Dr. Steffen Freichel unterstrich bei der Saisoneröffnung, wie wichtig der neue Boden gerade für die HGS ist: Sollte der ersehnte Aufstieg in die 2. Bundesliga gelingen, erfülle der neue Belag bereits automatisch die Bodenvorgaben der Liga – ein aufwendiges Verlegen eines Extrabodens vor jedem Heimspiel, wie es andernorts üblich ist, entfiele damit von Beginn an.
Sportlich tritt die HG Saarlouis mit einem klaren Auftrag in die neue Saison: „Es gibt nur ein logisches und kommunizierbares Ziel für die nächste Saison, und das ist der Aufstieg“, hatte Freichel bei der Saisoneröffnung deutlich gemacht – nachdem die Mannschaft in der vergangenen Spielzeit die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga nur knapp verpasst hatte. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde der Kader im Sommer an mehreren Stellen aufgefrischt. Rückkehrer Laurin Karrenbauer, der die vergangenen fünf Jahre im Nachwuchs der Rhein-Neckar Löwen verbracht hatte, ist dabei ebenso Teil der Verstärkung wie Jan-Ole Schimmel, den es vom Ligakonkurrenten TV Homburg ins Saarland zog. Auf der Kreisläuferposition verstärkt zudem der Franzose Pierre Halimi den Kader, der zuvor beim französischen Zweitligisten Valence Drôme Handball spielte und 2018 mit Fénix Toulouse das nationale Pokalfinale erreichte. Wie sehr ihn das neue Projekt reizt, machte Halimi bereits in den ersten Wochen klar: „Ich bin sehr glücklich, für die HG Saarlouis zu spielen. Es gibt ein großes Projekt mit einer starken Mannschaft.“
Auch Karrenbauer, der schon als Kind das HGS-Trikot trug, fühlt sich in der neuen alten Heimat längst angekommen: „Die ersten Monate sind sehr gut verlaufen, und ich freue mich auf die nächsten Ziele.“ Aus der eigenen A-Jugend rückten außerdem Alex Zwing und Janus Kubera fest in den Kader der ersten Mannschaft auf. Für Kontinuität sorgen unterdessen zwei vorzeitige Vertragsverlängerungen: Sven Eberlein bis 2028 und der schwedische Rückraum-Allrounder Olle Österhall um zwei weitere Jahre. Einzig auf Rückraum rechts entstand durch den Abgang von Zeb Bjerneld, der einen Wechsel in eine höhere Liga anstrebt, eine Lücke, die der Verein bislang nicht neu besetzt hat.
Auf junge Spieler zu setzen, zahlte sich aus
Wie wichtig die Breite im Kader inzwischen geworden ist, zeigte sich in den vergangenen Wochen eindrucksvoll. Nach dem couragierten Pokal-Auftritt gegen Bundesligist Frisch Auf Göppingen (29:34) und dem 32:28-Auftaktsieg gegen die Bergischen Panther häuften sich bei der HGS die Ausfälle: Beim 25:22-Auswärtserfolg in Nieder-Roden musste Lars Weissgerber bereits nach wenigen Minuten verletzt vom Feld, eine genaue Diagnose stand zu Redaktionsschluss noch aus. Beim spektakulären 28:28 in Gelnhausen traf es dann auch noch Kapitän Tom Paetow, der nach einem Foul für längere Zeit pausieren musste. Genau in dieser Situation zeigte sich, wie gut die Rechnung des Sportdirektors Markus Baur aufgeht, bewusst auf junge, entwicklungsfähige Spieler zu setzen statt auf fertige Profis: Janus Kubera und Laurin Karrenbauer übernahmen in Gelnhausen zusätzliche Verantwortung und trafen jeweils fünfmal. Cheftrainer Jörg Lützelberger war hinterher „mächtig stolz“ auf sein Team und sprach von der bisher besten Saisonleistung seiner Mannschaft – maßgeblich getragen von den jungen Wilden, die in die Bresche sprangen, als es nötig war.
Dass sich die Mannschaft trotz der Personalsorgen so stabil präsentiert, macht Hoffnung für die kommenden Wochen – zumal mit der Rückkehr in die heimische, nun technisch auf einen neuen Stand gebrachte Stadtgartenhalle auch der psychologische Faktor Heimvorteil wieder ins Spiel kommt. Vor allem, wenn man bedenkt, welche Rolle die Stimmung in der „Festung“ Stadtgartenhalle schon in der vergangenen Saison gespielt hat: Beim legendären 33:32 gegen Hamm in der Aufstiegsrunde beschrieb Lützelberger seine eigenen Emotionen so: „Da war ich selber wieder der kleine sechzehnjährige Handballenthusiast, der einfach nur glücklich war, an dem Tag dabei zu sein.“ Genau solche Gänsehaut-Momente sollen nun, mit neuem Boden und neuem Publikum, in die Halle zurückkehren. Der Gegner zum großen Wiedersehen ist mit Interaktiv.Handball Düsseldorf-Ratingen ein alter Bekannter: Vergangene Saison belegte das Team aus dem Rheinland in derselben Staffel Platz acht. Machbar also, zumal bei der Heimpremiere im „Wohnzimmer“ – aber kein Selbstgänger.
Sportdirektor Markus Baur, der die sportliche Entwicklung des Vereins seit der vergangenen Saison verantwortet, hatte schon bei der Saisoneröffnung betont, worauf es aus seiner Sicht ankommt: „Ein Selbstläufer wird das nicht, wir müssen fleißig sein, ein bisschen demütig, und dann unser Leistungsvermögen abrufen, um oben mitzuspielen.“ Genau diese Mischung aus Demut und Anspruch soll nun auch die Rückkehr in die Stadtgartenhalle prägen. Für die Fans, die monatelang auf ihre Halle verzichten mussten, dürfte es am Samstag ohnehin erst einmal um etwas ganz Grundsätzliches gehen: Das Gefühl, nach den Wochen in der Fremde endlich wieder gemeinsam die „Festung Stadtgartenhalle“ hochzuziehen. Und dabei dennoch auf dem Boden bleiben. Nicht nur, weil der neu ist und aus Glas.