Bilder der Woche ausblenden
Bilder der Woche einblenden

WAS MACHT EIGENTLICH...

1996: Nina Hoger in einer Szene mit Saskia Valencia (rechts) in „Friedrich und der verzauberte Einbrecher“
Foto: picture alliance / United Archives

Nina Hoger?

Zahlreiche Rollen machten sie ab den 80ern zur beliebten Fernsehdarstellerin. Die heute 64-jährige Trägerin des Filmbandes in Gold war zuletzt 2014 bis 2021 in der TV-Reihe „Um Himmels Willen“ zu sehen und tritt mit musikalischen Lesungen auf.

Die Schauspielerei liegt bei den Hogers in der Familie. Ninas Großvater Leo war Schauspieler und Inspizient am Hamburger Ohnesorg-Theater, ihre Mutter Hannelore gehörte bis zu ihrem Tod im Dezember 2024 zu den renommiertesten deutschen Darstellerinnen, und auch ihr Vater Norbert Ecker stand vor der Kamera. Anfangs konnte sich Nina Hoger als schüchterner Teenager nicht vorstellen, einmal auf der Bühne zu stehen, auch wenn sie die Tätigkeit ihrer Mutter „faszinierend“ gefunden hat. Trotzdem übernahm sie dann schon als Schülerin eine Filmrolle und hinterließ 1979 in Hartmut Griesmayrs Film „Fallstudien“ einen nachhaltigen Eindruck. „Die Leute sprachen mich auf der Straße an. Ich war damals überfordert und musste mich erst erholen und nachdenken“, bekannte sie kürzlich im Fachportal „Behind the Screens“.

„Der Abschied war emotional“

Deshalb brach sie ihre Schauspielkarriere ab und studierte Romanistik. 1983 brachte ihr dann die Rolle im Drama „Flucht nach vorn“ den Bundesfilmpreis in Gold ein und ebnete ihr den Weg ins Film- und Fernsehgeschäft. Bis heute muss Nina Hoger sich immer wieder dem Vergleich mit ihrer prominenten Mutter Hannelore stellen, was diese selbst öffentlich als „taktlos“ kritisiert hat. Nina bezeichnet solche Gegenüberstellungen und das Versprechen, aus ihr eine „zweite Hannelore“ zu machen, als „wenig aufbauend“ für eine Nachwuchsdarstellerin. „Ich bin ’ne große Nina und keine kleine Hannelore“, versuchte sie sich gegen die belastenden Vergleiche zu wehren.

Nina Hoger kam 2023 zum 50-jährigen Firmenbestehen Roter Teppich Tipi am Kanzleramt
Nina Hoger kam 2023 zum 50-jährigen Firmenbestehen Roter Teppich Tipi am Kanzleramt - Foto: picture alliance / AAPimages / Lueders

Im Berufsalltag kreuzten sich die Wege der beiden eng verbundenen Hogers aber jahrzehntelang immer wieder. Erstmals 1990 im Fernsehspiel „Tandem“, nachdem Nina kurz zuvor in der TV-Serie „Die Bertinis“ bereits das junge Ich der Rolle ihrer Mutter verkörpert hatte. Es folgten viele erfolgreiche Zusammenarbeiten, die vom Fernsehfilm „Vier Meerjungfrauen – Eine stürmische Bescherung“ 2007 bis zum ZDF-Thriller „Zurück ans Meer“ 2021 reichen. Für Nina war Hannelore „der wichtigste Mensch in meinem Leben. Ich bin wahnsinnig stolz auf sie.“ Durch den Tod ihrer Mutter habe Deutschland eine seiner größten Schauspielerinnen verloren.

Besonders betroffen war Nina Hoger auch von der Corona-Pandemie, während der auch sie kaum richtig arbeiten konnte. In diese Zeit fiel zudem das Ende der erfolgreichen Ordens-Serie „Um Himmels Willen“, in der Nina ab 2014 sieben Jahre lang als Nonne zu sehen war. „Der Abschied war sehr emotional“, erinnert sie sich an die letzten Drehtage und bedauert, dass man nach einer „so langen und intensiven Zeit“ nicht gebührend Abschied nehmen konnte. Von einer allzu großen Übereinstimmung mit ihrer Nonnen-Rolle will die ungetaufte, unreligiöse „klassische Heidin“ Hoger nicht reden. „Ich stehe mit beiden Beinen im Leben. Ich bin unabhängig und habe einen Beruf, den ich liebe. Ich glaube, dass ich mein Leben ganz gut im Griff habe“, betont sie im T-Online-Interview.

Weniger Rollen im „Zwischenalter“

Mit Disziplin, einem strukturierten Tagesablauf, Spaziergängen mit ihrem Hund und der Arbeit kann Nina Hoger sich recht gut bei Laune halten. Die freien Phasen während der Pandemie habe sie zum Lesen und für Gartenarbeit oder zum Malen genutzt, „und natürlich die Mediatheken rauf- und runtergeguckt“. Auch habe sie sich notgedrungen mit dem Kochen angefreundet, bereite jetzt täglich eine warme Mahlzeit zu und probiere auch mal neue Sachen aus: „Ich war nie eine gute Köchin, aber mittlerweile bekomme ich das ganz gut hin.“ Leber und Kartoffelgerichte gelängen beispielsweise immer und ihre Apfelpfannkuchen seien „legendär“. Auch wenn sie Süßigkeiten wie Baklava und Baiser liebt, verzichtet sie weitgehend auf Diäten: „Und wenn, dann mach ich nur FDH“, verrät Hoger, die aktive Entspannung auch beim Segeln findet.

Bei den Arbeitsbedingungen in ihrer Branche sieht Hoger eine Benachteiligung für Frauen, weil es mehr Männer- als Frauenrollen gebe. „Und in diesem Zwischenalter, in dem ich jetzt bin, ist das Rollenangebot überschaubar.“ Die Gleichberechtigung sei eben „ein langwieriger Prozess“, aber es sei gut, dass der „Jugendwahn“ inzwischen nicht mehr so akut sei und sich Frauen „auf dem Vormarsch“ befänden.

Seit einigen Jahren hat Hoger ein neues Betätigungsfeld gefunden. Begleitet von einigen Musikern ist sie nach dem Ende der Corona-Einschränkungen wieder mit literarischen Programmen unterwegs, bei denen sie sogar singt. „Das würde ich gerne auch mal im Film machen“, verriet sie dem Magazin „Prisma“. Auch würde sie gerne mal in einer Komödie spielen. Zuletzt bereitete sie sich auf ein Weihnachtsprogramm vor, das sie unter dem Titel „Ein Weihnachtsschmaus – Eine Konzertlesung“ zusammen mit der renommierten Harfenistin Ulla van Daelen bei mehreren Auftritten vorgestellt hat. Bei der „glänzend abgestimmten Mischung“ aus Lesung und Harfenspiel übernahm Hoger das Lesen von Geschichten: entweder weihnachtliche Klassiker von Kästner, Böll und Fallada oder überraschende, unbekannte Texte und Lyrik. 

MEHR AUS DIESEM RESSORT

FORUM SERVICE