Nach der Nullnummer des 1. FC Saarbrücken gegen 1860 München ist der Abstand zum ersten Abstiegsplatz auf sechs Zähler geschmolzen. Nun steht das schwere Auswärtsspiel in Essen an.
Niko Bretschneider scheint Gottvertrauen zu haben. Anders ist seine Aussage nicht zu erklären. „Essen muss unbedingt gewinnen, wir haben weniger zu verlieren. Der Druck liegt auf deren Seite“, sagte der Linksverteidiger des 1. FC Saarbrücken nach dem torlosen Unentschieden seines Teams gegen 1860 München und vor dem Auswärtsspiel bei Rot-Weiss Essen am Sonntag um 16.30 Uhr. Bretschneider, von den eigenn Anhängern zum Spieler des Spiels gekürt, wusste da allerdings noch nicht, dass der SSV Ulm gut zwei Stunden später in allerletzter Sekunde zum 2:1 gegen den TSV Havelse treffen würde. Die „Spatzen“ verkürzten damit den Abstieg auf den 1. FC Saarbrücken auf sechs Zähler.
Die Blau-Schwarzen versäumten es vor der stimmungsvollen Kulisse von 14.500 Zuschauern einen wichtigen Schritt Richtung Klassenerhalt zu gehen. In der ersten Halbzeit war das Team von Argirios Giannikis drückend überlegen, scheiterte aber wie zuletzt am eigenen Unvermögen. Die größte Chance des Spiels hatte Kai Brünker in der 31. Minute. Von Sebastian Vasiliaidis gut in Szene gesetzt, umkurvte er Gästetorwart Thomas Dähne und brauchte den Ball eigentlich nur noch ins Tor zu schieben. Doch der Angreifer braucht zu lange, am Ende hatte sich Verteidiger Philipp Maier postiert und konnte den Ball von der Linie schlagen. Zuvor hatte Maurice Multhaup bereits zweimal aus aussichtsreicher Position vergeben. „Wir haben in der ersten Halbzeit vieles richtig gemacht, hatten eine gute Tiefe im Spiel und sind auch immer wieder in die gefährlichen Räume gekommen. Aber es fehlt am Abschluss“, räumte Trainer Argirios Giannikis ein.
Aus fünf Spielen nur fünf Punkte geholt
Doch nicht nur in der Box tat sich der FCS schwer, auch von außerhalb vergab er ein halbes Dutzend Schussmöglichkeiten: „Ich habe selbst den Ball zweimal gut auf dem Fuß. Aber irgendwie läuft er derzeit nicht“, sagte Mittelfeldspieler Tim Civeja, der eine sehr starke erste Halbzeit ablieferte, danach aber ebenfalls abbaute. „In der zweiten Halbzeit waren wir nicht mehr so griffig, haben teilweise zu kompliziert agiert und im letzten Drittel den falschen Pass gespielt. So müssen wir am Ende mit diesem Punkt leben, auch wenn mehr drin gewesen wäre“, sagte Giannikis. In der Tat. Denn die Münchner „Löwen“ präsentierten sich beim Traditionsduell im Ludwigspark wie eine Feierabendtruppe auf vorgezogener Abschlussfahrt. Stark ersatzgeschwächt in der Defensive, blieb die hochgelobte Offensive jeden Beweis ihrer Klasse schuldig. Torjäger Sigurd Haugen war bei Joel Bichsel völlig abgemeldet, Florian Niederlechner prüfte FCS-Torwart Phillip Menzel immerhin einmal per Kopf und Ex-Nationalspieler Kevin Volland glänze nicht gerade mit Einsatz- und Laufbereitschaft. Kurzum: Einen schlagbareren Gegner hat es in dieser Saison im Ludwigspark noch nicht gegeben. „Unsere erste Halbzeit war überhaupt nicht gut, nach dem Wechsel war es etwas besser und wir hatten auch zwei Abschlüsse. Aber am Ende müssen wir diesen Punkt akzeptieren, weil es von unserer Seite viel zu wenig für mehr war“, sagte Gästecoach Markus Kauczinksi.
Beim FCS war man dagegen froh, für den Chancenwucher in der ersten Halbzeit nicht bestraft worden zu sein. „Ich glaube schon, dass dieser Punkt am Ende etwas wert sein wird. Wir haben sehr kompakt verteidigt, und das ist die Basis für mehr“, sagte Bretschneider und Civeja sagte mit Blick auf die Partie in Essen: „Es wird Zeit, dass wir auch auswärts mal unser Heimgesicht zeigen.“ Ein Blick auf die Tabelle zeigt aber auch: Aus den letzten fünf Spielen, davon drei zu Hause, hat der FCS lediglich fünf Zähler eingefahren. Noch schlimmer ist die Bilanz im Angriff. Seit Kai Brünkers Treffer beim Giannikis-Debüt gegen die Zweite Mannschaft des VfB Stuttgart wartet man vergeblich auf einen Erfolg eines zentralen Stürmers. Patrick Schmidt ist seit Rückrundenbeginn dauerverletzt, Brünker seit Monaten außer Form und Dominic Baumann strahlt überhaupt keine Torgefahr aus. Dass der damalige Trainer Jürgen Luginger dem Angreifer im Wintertrainingslager die Freigabe erteilte, hat das ohnehin fragile Selbstvertrauen des Sachsen weiter erschüttert. Weitere Alternativen sind nicht in Sicht. Luca Wollschläger, im Sommer von der U23 von Hertha BSC Berlin gekommen, wird nun schon vom dritten Trainer für nicht drittligatauglich eingestuft.
Nun fahren die Blau-Schwarzen zu Rot-Weiss Essen. Einem Team, das sich mitten im Aufstiegsrennen befindet. Das Stadion an der Hafenstraße wird ausverkauft sein, und es gehört viel Vorstellungskraft dazu, dass der FCS dort seine Auswärtsschwäche ablegen kann. Auf der anderen Seite reist der SSV Ulm zu den Münchner Löwen, die seit sechs Spielen auf einen Sieg warten und in der Verfassung von Samstag sicher schlagbar sein können. FCS-Coach Giannikis hat bisher gern von einem Marathon gesprochen. Aber auch bei der Königsdisziplin der Leichtathletik reicht ein Schneckentempo auf Dauer nicht. Irgendwann muss man einen Schlusssport hinlegen, sonst wird man überholt.