Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat das Ehrenamt in den Mittelpunkt seiner zweiten Amtszeit gestellt. Weite Teile unseres gesellschaftlichen Lebens sind ohne die freiwilligen Helfer überhaupt nicht denkbar.
Es ist ein Augenblick, den Klaus Gottesleben nicht so schnell vergessen wird: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Portugals Präsident Rebelo de Sousa stehen am Kicker und spielen eine Runde Tischfußball. Nun steht dieser Kicker nicht etwa in der Kneipe des 62-jährigen gebürtigen Saarländers, sondern im Garten von Schloss Bellevue, wo sich die Deutsche Tischfußballjugend gerade präsentiert. Zum Bürgerfest des Bundespräsidenten sind viele Sportvereine, Kinderprojekte und Initiativen aus dem sozialen Bereich gekommen, auch Klaus Gottesleben. Er ist Vorsitzender des Deutschen Tischfußballbundes. „Das Bild der beiden Präsidenten an unserem Kicker ist das größte Geschenk für uns Tischfußballspieler“, freut sich Gottesleben. Einer von vielen Tausend Sportvereinen in Deutschland. Dazu gehören nicht nur eher exotische Sportarten wie Tischfußball oder Wrestling, die, wie alle anderen, ohne Ehrenamtliche überhaupt nicht existieren könnten.
In Deutschland engagieren sich vermutlich an die 30 Millionen Menschen ehrenamtlich für das Gemeinwohl. Genauere Zahlen darüber gibt es nicht, was beinahe schon symptomatisch für die bisherige Wertschätzung des freiwilligen Einbringens für gesellschaftliche Belange ist. Beinahe für jede Interessengruppe in Deutschland gibt es einen Verband, nur für die Ehrenamtlichen gibt es keine zentrale Anlaufstelle, darum auch keine genauen Zahlen über die Ehrenamtlichen und wo genau sie sich überall einbringen. Verschiedene Verbände und die beiden großen christlichen Kirchen versuchen, die verfügbaren Informationen zu bündeln. Darunter der Deutsche Behindertensportverband (DBS) oder der Sozialverband VdK. Zwei wichtige Institutionen, deren angeschlossene Organisationen ohne Ehrenamt ebenfalls nicht funktionieren würden. Und nicht nur Sozial- oder Sportverbände setzen in erster Linie in der Organisation auf das freiwillige Engagement. Auch der Kulturbereich in seinen mannigfaltigen Varianten, vom Chor über Kinderinitiativen, Straßen- oder Dorffeste bis zum Sonntagskonzert im Park.
Fast 30 Millionen ehrenamtlich engagiert
Für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sind es ebenjene Aktivitäten unseres Alltags, die das Zusammenleben einer Gesellschaft ausmachen, die aber ohne die Ehrenamtlichen gar nicht zu stemmen wären. Darum wird es im kommenden Jahr in ganz Deutschland einen „Ehrentag“ geben. Das Datum könnte nicht besser gewählt sein: der 23. Mai, zugleich der 77. Geburtstag des Grundgesetzes. „Ein starkes Gemeinwesen lebt von Begegnung. Und dort, wo wir einander begegnen, wo wir einander zuhören, wo wir Perspektiven von anderen aus ganz unterschiedlichen Bereichen unserer Gesellschaft kennenlernen, da wächst Verständnis und Mitgefühl, da entsteht Solidarität“, bringt Bundespräsident Steinmeier seine Initiative auf den Punkt.
Einen besonderen Schwerpunkt legt er darauf, am „Ehrentag“ vor allem Menschen anzusprechen, die noch nicht oder nicht mehr ehrenamtlich aktiv sind. Vom Mitmachen lebt unsere Demokratie, so Steinmeiers Intention. Nicht nur der Bundespräsident, sondern viele Ehrenamtliche haben darum nur wenig bis überhaupt kein Verständnis für die Forderung des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, nach einem sozialen Jahr für die Boomer-Generation, die in den kommenden Jahren in Rente gehen wird. Gesellschaftliches Engagement lässt sich nicht verordnen, schon gar nicht bei Menschen, die seit Jahren im Ehrenamt tätig sind, so der allgemeine Tenor.