Die SV Elversberg unterlag beim VfL Bochum mit 0:2. Erst ein Eckball und ein später Konter entschieden eine Partie, die schon nach wenigen Minuten einen ungewöhnlichen Verlauf nahm.
Die neue Zweitliga-Saison war für die SV Elversberg mit einem Auftaktsieg gegen den 1.  FC Nürnberg verheißungsvoll gestartet. In Bochum jedoch bekam die Mannschaft von Vincent Wagner früh einen Dämpfer – und das in denkbar unglücklicher Form. Nach nur sechs Minuten stand die SVE nur noch zu zehnt auf dem Platz. Was folgte, war ein kräftezehrender Abnutzungskampf, den die Saarländer lange offenhielten, ehe zwei späte Treffer der Gastgeber den Ausschlag gaben.
Im Ruhrstadion hatten sich 24.207 Zuschauer eingefunden, darunter knapp 900 mitgereiste Elversberger Fans. Wagner vertraute derselben Startelf wie in der Vorwoche. Die Partie begann intensiv, beide Mannschaften suchten sofort den direkten Weg nach vorn. Bereits in der zweiten Minute setzte Jan Gyamerah an der rechten Außenlinie ein hartes Zeichen und grätschte VfL-Kapitän Matus Bero kompromisslos ab. Schiedsrichter Lukas Benen zeigte ohne Zögern Gelb.
Heftige Proteste
Was zunächst wie ein normaler, wenn auch forscher Start in ein kampfbetontes Spiel wirkte, entwickelte sich nur vier Minuten später zur Schlüsselszene. Ein hoher Ball von Bero prallte Gyamerah an den Arm. Benen wertete dies als absichtliches Handspiel, zückte erneut Gelb – und damit Gelb-Rot. Die Elversberger protestierten heftig, doch die Entscheidung blieb bestehen. DFB-Schiedsrichterbeobachter Alexander Feuerherdt verteidigte sie noch während der laufenden Partie im „Sky“-Interview als regelkonform.
Vincent Wagner war nach Abpfiff sichtlich angefressen: „Der Schiri sagt mir, dass er da keinen Ermessungsspielraum hat. Wenn die Regel so ist, dann ist sie scheiße. Wenn man da keinen Ermessungsspielraum hat, wofür ist dann der Schiedsrichter da?“ Die Rote Karte so früh im Spiel habe er in seiner Laufbahn kaum erlebt, geschweige denn ein Team, das danach noch Punkte holt. „Außer vielleicht mal der große FC Bayern München“, ergänzte er trocken.
Taktisch stellte Wagner sofort um: Lukas Petkov rückte aus dem Angriff auf die rechte Abwehrseite, personell blieb zunächst alles wie gehabt. Das frühe Pressing wurde eingestellt, stattdessen formierte sich die SVE tief in der eigenen Hälfte. Überraschend: Die Unterzahl machte sich zunächst kaum bemerkbar. Elversberg verteidigte konzentriert und setzte immer wieder Nadelstiche über schnelle Gegenstöße. Die erste wirkliche Schrecksekunde für die Gäste folgte in der 17. Minute. Nach einem missglückten hohen Rückpass von Maximilian Rohr eilte Torhüter Nicolas Kristof aus seinem Kasten und verhinderte mit einer artistischen Rettungsaktion Schlimmeres. Bochum hatte deutlich mehr Ballbesitz, gefährlich wurde es jedoch fast ausschließlich bei Standardsituationen.
Die Kopfballstärke der Gastgeber zwang Elversberg immer wieder zu höchster Aufmerksamkeit. Bei fast jeder Ecke segelten die hohen Bälle in den Strafraum – und mehrfach fehlten nur Zentimeter zur Führung. Kurz vor der Pause wurde es besonders brenzlig: Nach dem fünften gefährlichen Eckball klärte Petkov auf der Linie gegen Mathis Clairicia. Auf der Gegenseite musste Bochum ebenfalls ordentlich zupacken. Bis zur Halbzeit kassierten gleich fünf VfL-Profis Gelb: Ibrahima Sissoko, Kevin Vogt, Mats Pannewig, Leandro Morgalla und Kacper Koscierski.
Wagner lobt mutigen FuĂźball
Die erste Halbzeit endete torlos – ein kleiner Etappenerfolg für die dezimierten Gäste. „Die Jungs haben alles gegeben, sich in alles reingeknallt, in der ersten Halbzeit vor allem mutig Fußball gespielt“, lobte Wagner später.
Die zweite Hälfte begann, wie die erste geendet hatte: mit Chancen für Bochum. Nur Sekunden nach Wiederanpfiff setzte Koji Miyoshi aus drei Metern den Ball neben das Tor – eine Szene, die viele Fans im Stadion ungläubig zurückließ. Wenig später scheiterte Moritz Broschinski aus kurzer Distanz am reaktionsstarken Kristof. In der 52. Minute kam der nächste Rückschlag für Elversberg. Stürmer Luca Schnellbacher fasste sich an den Oberschenkel und musste verletzt vom Platz. Wagner brachte Innenverteidiger Florian Le Joncour, um die Defensive weiter zu stabilisieren. Und plötzlich hatte die SVE die Riesenchance zur Führung: Tom Zimmerschied lief frei auf das VfL-Tor zu, traf den Ball jedoch unsauber – Timo Horn packte sicher zu. Nur eine Minute später war erneut Rohr der Retter, als er nach einem Eckball auf der Linie klärte.
Doch der Druck der Gastgeber wuchs stetig. Dieter Hecking hatte in der Halbzeit taktisch umgestellt, um die Überzahl besser auszuspielen. „Wir wollten nicht ins offene Messer rennen, hatten das Spiel dennoch unter Kontrolle. Kompliment an Elversberg, dass sie das so lange offengehalten haben“, sagte der Bochumer Trainer. In der 66. Minute war es dann so weit: Nach dem neunten Eckball drückte Sissoko den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. Wagner reagierte offensiv, brachte mit Felix Keidel, Jarzinho Malanga und Younes Ebnoutalib frische Kräfte. Elversberg warf nun alles nach vorn und setzte auf lange Einwürfe von Keidel, die mehrfach gefährlich in den Strafraum segelten – doch der entscheidende Abnehmer fehlte.
Bochum lauerte nun auf Konter und blieb dabei geduldig. In der achtminütigen Nachspielzeit sorgte Gerrit Holtmann für die endgültige Entscheidung. Aus 14 Metern schlenzte er den Ball unhaltbar ins lange Eck – 2:0. Hecking sprach von einem „verdienten Sieg“ und einem „wichtigen ersten Schritt in der 2. Bundesliga“. Wagner hingegen bilanzierte nüchtern: „Es war ein sehr wildes Spiel mit 466 gelben Karten, die folgerichtig waren bei der Linie, die eingeschlagen worden ist. Es war schade, dass die tolle Atmosphäre nicht mit beiden Teams in Gleichzahl stattfinden konnte. Aber am Ende ist es verdient. Lebbe geht weider – hab ich mal gehört.“ Für Elversberg bleibt trotz der Niederlage der Eindruck, dass das Team selbst in Unterzahl über lange Strecken mithalten konnte. Der Blick richtet sich nun auf die erste Runde des DFB-Pokals. Am kommenden Sonntag um 18 Uhr gastiert die SVE beim Drittligisten SSV Ulm – mit der Hoffnung auf einen regulären Start in die Partie.